Attentat

26.01.1679 Attentat auf „Kanzler“ Caspar von Schmid

München-Kreuzviertel * Auf den baierischen „Kanzler“ Caspar von Schmid wird im „Jesuiten-Colleg“ ein Attentat verübt.  

Er kommt mit einer tiefen Fleischwunde glimpflich davon.  
Der unter Wahnvorstellungen leidende Attentäter wird für den Rest seines Lebens weggesperrt. 

28.06.1914 Das Attentat von Sarajevo auf den Erzherzog Franz Ferdinand

Sarajevo * Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und seine Ehefrau, die Herzogin Sophie von Hohenberg, besuchen die bosnische Hauptstadt Sarajevo.  

Am Bahnhof besteigen sie ein offenes Auto und lassen sich damit Richtung Rathaus kutschieren.  

Schon bald nach der Abfahrt misslingt ein erster Attentatsversuch mit einer serbischen Handgranate.  
Franz Ferdinand kann den Sprengkörper abwehren, sodass er erst hinter dem Auto explodiert.  
Der Erzherzog kommt mit dem Schrecken davon, absolviert anschließend seinen Empfang im Rathaus und fährt danach im offenen Automobil weiter.  

Der Wagen des Erzherzogs kommt unmittelbar vor einem besonders entschlossenen Mitglied des „Terrorkommandos“ zum stehen.  
Der 19-jährige Gavrilo Princip schießt mit seiner 9-mm-Pistole zwei Mal.  
Der erste Schuss trifft die Herzogin Sophie von Hohenberg in den Unterleib, die zweite Kugel den Erzherzog.
Beide Schüsse sind tödlich.

Gavrilo Princip ist Mitglied der Organisation „Mlada Bosna“ [„Junges Bosnien“], eines national-revolutionären Netzwerks von Schülern und Studenten.  
Der Bund strebt die Vereinigung von Bosnien-Herzegowina mit dem „Königreich Serbien“ an.  
Die selben Ziele verfolgt auch die Terror-Organisation „Vereinigung oder Tod“, auch bekannt als „Schwarze Hand“, ein im Jahr 1911 in Belgrad gegründeter serbischer Geheimbund. 

23.07.1914 Österreich-Ungarn setzt Serbien ein 48-stündiges Ultimatum

Berlin * Da man in Berlin befürchtet, dass Österreich-Ungarn an Geltung verlieren könnte, wenn es sich nicht gegen diesen Affront wehren würde, stellte die „k.u.k.-Regierung“ dem „Königreich Serbien“ ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum, in dem sie die Belgrader Regierung auffordert, einer österreichischen Kommission zu gestatten, auf serbischem Gebiet die Umstände des „Attentats von Sarajevo“ zu untersuchen.  

Außerdem soll sich Serbien verpflichten, alle an der Mitwirkung an dem Attentat verdächtigten serbischen Beamten und Offiziere zu entlassen. 

25.07.1914 Die Serben antworten auf das österreichisch-ungarische Ultimatum

Wien - Belgrad - Petersburg * Die Serben antworten - in Abstimmung mit ihren Bündnispartner Russland - am Abend auf das österreichisch-ungarische Ultimatum und versprechen, dass nahezu alle Forderungen erfüllt werden würden. Lediglich die Untersuchung des Attentats durch eine Kommission unter österreichischer Aufsicht - bei jederzeitiger Einmischung - lehnen sie ab.

Die Entente-Verbündeten Frankreich, England und Russland bewerten die serbische Antwort als ein weitgehendes Entgegenkommen. Österreich-Ungarn weist die Botschaft aber als „ungenügend“ und „vom Geist der Unaufrichtigkeit erfüllt“ zurück. Und die deutsche Regierung unterstützt diese Sichtweise. 

28.04.1918 Der Attentäter von Sarajevo stirbt in der Haft

Theresienstadt * Gavrilo Princip, der Attentäter von Sarajevo, stirbt in der Haft. 

23.11.1918 Kurt Eisner sucht Beweise für die deutsche Kriegsschuld

München - Berlin * Kurt Eisner und Felix Fechenbach reisen bereits zwei Tage vor der Ministerpräsidenten-Konferenz am 25. November mit dem Zug nach Berlin, um dort Aktenstudium zu Fragen der deutschen Kriegsschuld zu betreiben. In seinem Gepäck befindet sich eine Mappe mit offiziellen Dokumenten, den Berichten der bayerischen Gesandtschaft in Berlin während der Monate Juli und August 1914.

Nach Durchsicht der ihm zugänglichen diplomatischen Unterlagen glaubt Eisner die Beweise gefunden zu haben, dass die deutsche Regierung Österreich geradezu in den Krieg gegen Serbien hinein getrieben hat. Und zwar in der Absicht, einen europäischen Krieg zu entfachen.

Außerdem geht daraus beispielsweise hervor, dass deutsche und bayerische Beamte nach dem Attentat von Sarajevo bestens informiert waren, aber Ende Juli 1914 nichts gegen „Wiens gefährliches Spiel“ unternommen haben. 

21.02.1919 Die Vorgänge um Kurt Einsers Ermordung

München * Anton Graf von Arco auf Valley schreitet zur Mordtat. 

Dazu noch einmal Arcos Zimmermädchen Walburga Kästele:
„Am [...] Morgen weckte ich ihn um 7 Uhr, und er stand - entgegen seiner sonstigen Gewohnheit - sofort auf. [...]
Er blieb über eine Stunde im Wasser. Als ich ihm etwa um 8 1⁄4 Uhr klopfte, sagte er: Sakrament, jetzt bin ich zu spät dran. [...]   

Er frug mich noch, ob ich meine, dass es im Gefängnis kalt sei, und befahl mir, ihm einen dicken Anzug herzurichten.
Dann frühstückte er“
.  

21.02.1919 Ein Stimmungsumschwung gegenüber der Person Kurt Eisners

München * In der Bevölkerung tritt ein jäher Stimmungsumschwung gegenüber der Person Kurt Eisners ein. 

Eisner, der noch wenige Tage vor seiner Ermordung bespöttelt und als politisch gescheitert betrachtet wurde, ist nun auf einmal der „Märtyrer der Revolution“.  

Die erstaunliche Sympathie und Popularität, die der tote „Ministerpräsident“ trotz aller vorausgegangenen Auseinandersetzungen um seine Person und seine Politik genießt, gründet vor allem darauf, dass man seine Ermordung als reaktionäres Komplott aufgefasst. 

Dem Toten wird in diesen Tagen als „Integrationsfigur des Proletariats“ eine fast kultische Verehrung entgegengebracht.

Tausende von Münchnern besuchen den Schauplatz des Mordes.
Noch an seinem Todestag wird an der Stelle, an der Kurt Eisner tödlich zusammengebrochen ist, ein Totenmal errichtet, in dessen Zentrum ein überlebensgroßes, von einem Trauerkranz gerahmtes und auf einer Gewehrpyramide befestigtes Fotoporträt Kurt Eisners imaginäre Gegenwart symbolisiert. 

Dieser provisorische „Epitaph“ entwickelt sich zu einem von Soldaten bewachten sakralen Bezirk.
Die darin niedergelegten Blumengebinde und Kränze verstärken den Eindruck eines grabähnlichen Erinnerungsmales.
Es besteht in dieser Form bis zum April.

In seinem Roman „Wir sind Gefangene“ beschreibt Oskar Maria Graf auch die Ereignisse in der Nähe des Attentatortes: 

„Alle Menschen liefen mit verstörten Gesichtern stadteinwärts. Je weiter ich kam, desto aufgeregter wurde die dumpfe Hast. 
Vor dem Landtag ballte sich ein schwarzer Menschenknäuel, Soldaten und bewaffnete Zivilisten waren darunter.
Ich stürmte weiter [...] an den Mordplatz.
Da hatten sich Hunderte schweigend um die mit Sägspänen bedeckten Blutspuren Eisners zu einem Kreis gestaut.

Fast niemand sagte ein lautes Wort, Frauen weinten leise und auch Männer.
Etliche Soldaten traten in die Mitte und errichteten eine Gewehrpyramide.
Viele legten Blumen auf den Platz, immer mehr und mehr“

21.02.1919 Das Attentat auf Erhard Auer (SPD)

München-Kreuzviertel * Als sich der „Landtag“ gegen 11 Uhr wieder versammelt, ergreift Erhard Auer das Wort zu einer Gedenkrede: 

„Damen und Herren!
Der provisorische Ministerpräsident Kurt Eisner hat soeben durch Mörderhand den Tod gefunden. [...] Die Tat wurde von ruchloser Hand in feiger Weise verübt [...].
Diese Handlung muss bei jedem anständigen Menschen tiefsten Abscheu hervorrufen. [...]  

Wir beklagen in dem Ermordeten den Führer der Revolution in Bayern und zugleich den vom reinsten Idealismus und von treuer Sorge für das Proletariat erfüllten Menschen.
Auf diesem Weg kann und darf nicht fortgefahren werden, wenn nicht vollkommene Anarchie eintreten soll. 

Angesichts dieser wahnsinnigen Mordtat, gegen deren Urheber mit rücksichtsloser Strenge vorgegangen wird, gilt es nunmehr, die Besonnenheit zu wahren und alle Kräfte zusammenzufassen, um die ungeheuere Aufgabe der nächsten Zeit so zu lösen, wie es das Interesse des gesamten bayerischen Volkes erfordert“.

Auer hatte seine Rede gerade beendet, da stürzt ein schnauzbärtiger junger Mann, bekleidet mit einem grauen Mantel und Hut, durch einen Seiteneingang in den Sitzungssaal, läuft direkt auf Auer zu, tituliert ihn mit „Du Lump!“, zieht eine Pistole aus seinem Mantel und drückt zweimal ab. 

Erhard Auer sinkt - in die Brust getroffen - zu Boden. 

Der konservative Abgeordnete Major Paul Ritter von Jahreiß stellt sich dem fliehenden Attentäter in den Weg und wird durch einen Schuss in den Hals tödlich getroffen.

Der Täter ist der im Jahr 1887 in Kelheim geborene Metzger Alois Lindner.
Er ist Mitglied in der „USPD“ und im „Revolutionären Arbeiterrat“.
Lindner ist von Auers Schuld an Eisners Ermordung überzeugt.

Inzwischen betreten weitere Mitglieder des „Revolutionären Arbeiterrats“ den Saal.
Auch sie glauben an Auers Schuld und fordern „Rache für Eisner!“.   

Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der einer der Mitbegründer der „Bayerischen Volkspartei - BVP“, Heinrich Osel, ums Leben kommt. In der allgemeinen Panik fliehen die übrigen Anwesenden.

Auch Lindner gelingt die Flucht.
Unterstützt durch Freunde geht er nach Ungarn.  

21.02.1919 Der Landtag unterbricht seine Sitzung

München-Kreuzviertel * Pünktlich um 10 Uhr beginnt die „Konstituierende Sitzung des Bayerischen Landtags“

Nachdem die Nachricht von der Ermordung Kurt Eisners eintrifft, unterbricht der soeben zusammengetretene „Landtag“ seine Sitzung umgehend. 

21.02.1919 Die Nachricht von Eisners Ermordung verbreitet sich in Windeseile

München * Die Nachricht von Eisners Ermordung verbreitet sich in Windeseile. 

Von überall her strömen die Massen an den Tatort. 

Aus dem stark angefeindeten „USPD-Politiker“ ist ein „Märtyrer der Revolution“ geworden, dem alle noch einmal huldigen wollen.
Die Schriftstellerin Richarda Huch erinnert sich an die Schüsse:
„Jedermann verdammte und beklagte nun die verhängnisvolle Kugel des jungen Arco.
Es war gerade, als ob sie nur gefallen, um der stockenden Revolution einen neuen Auftrieb zu geben“
.  

  • Dabei wäre mit dem Rücktritt Kurt Eisners und der „Konstituierenden Sitzung des Bayerischen Landtags“ vermutlich die Revolution in Bayern beendet gewesen. 
  • Eine gesetzmäßig gewählte Regierung - angeführt von den „Mehrheitssozialisten“ und Demokraten - hätte ihr Amt übernommen.
  • Da sich die neue Regierung rechtlich und politisch in einer starken Position befand, wäre sie nur unter ganz außergewöhnlich schwierigen Umständen zu stürzen gewesen.
  • Doch mit der verbrecherischen Tat und der politischen Dummheit des Grafen Anton von Arco auf Valley wird die „Zweite Revolution“ eingeleitet. 
21.02.1919 Auch Eisners Mörder wird niedergeschossen

München-Kreuzviertel * Nicht nur Eisner, auch Anton von Arco wird unmittelbar nach seiner Tat von einem Leibwächter Eisners niedergeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. 

Man bringt ihn umgehend in Sicherheit, da die herbeigeeilte Menge damit droht, ihn zu lynchen. 

Der damalige „Direktor der Universitätsklinik“ Ferdinand Sauerbruch kann ihn erfolgreich operieren. 

Die Schüsse von hinten auf Kurt Eisner hat Graf Arco übrigens sein Leben lang geleugnet.

Soldaten tragen den toten „Ministerpräsidenten“ ins Portierszimmer des „Ministeriums des Äußeren“

10.04.1919 Ein Anschlag auf Erhard Auer kann verhindert werden

München * Am Abend wird in der „Chirurgischen Klinik“ ein Anschlag auf Erhard Auer verhindert. 

Die bewaffneten Eindringlinge können überwältigt und verhaftet werden. 

15.12.1919 Alois Lindner zu 14 Jahre Zuchthaus verurteilt

München * Das „Volksgericht München“ verurteilt Alois Lindner zu einer Zuchthausstrafe von 14 Jahren.  

Er hat am 21. Februar 1919 bei einem Attentat im „Bayerischen Landtag“

  • den „Innenminister“ Erhard Auer durch Pistolenschüsse schwer verletzt und
  • den „Abgeordneten“ Heinrich Osel und Major Paul Ritter von Jahreiß getötet.  

Für die Dauer von fünf Jahren erkennt man ihm wegen „niederer Gesinnung“ die „bürgerlichen Ehrenrechte“ ab. 

08.11.1939 Faulhaber beglückwünscht Hitler zu seiner „glücklichen Rettung“

München-Kreuzviertel * „Kardinal“ Michael von Faulhaber schreibt nach dem Attentat von Georg Elser auf Adolf Hitler im „Bürgerbräukeller“ diesem ein Telegramm und beglückwünscht ihn zu seiner „glücklichen Rettung“

Zudem bittet er Gott, „er möge auch ferner seinen schützenden Arm über Sie halten“

08.11.1939 Hitler verlässt den „Bürgerbräukeller“ 13 Minuten zu früh

München-Haidhausen * Die von Georg Elser im „Bürgerbräukeller“ installierte Bombe explodiert zum vorgesehenen Zeitpunkt, doch Hitler verlässt die Veranstaltung der „Alten Kämpfer“ dreizehn Minuten zu früh.

09.11.1939 Das „besondere Walten der Vorsehung

München * Nach dem Attentat auf Hitler im „Bürgerbräukeller“ wird die kirchliche Presse angewiesen, das „besondere Walten der Vorsehung“ hervorzuheben. 

19.11.1939 „Dankgebet für die Bewahrung Adolf Hitlers“

München * Das „Evangelische Gemeindeblatt“ druckt ein „Dankgebet für die Bewahrung Adolf Hitlers“ beim Attentat im „Bürgerbräukeller“ ab. 

20.07.1944 Ein Attentat auf Adolf Hitler im „Führerhauptquartier Wolfsschanze“

Wolfsschanze * Das Attentat auf „Reichskanzler“ Adolf Hitler im „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ und der Umsturzversuch durch Stauffenberg und seine Mitverschwörer in Berlin scheitern.

Die „Geheime Staatspolizei - Gestapo“ wird auf die Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ aufmerksam.

26.08.1944 Faulhabers „Treueverhältnis gegenüber dem Führer“

München-Kreuzviertel * Das „Attentat vom 20. Juli 1944“ bezeichnet „Kardinal“ Michael von Faulhaber als „furchtbares Verbrechen“

In seiner Vernehmung vom 26. August „überschlug er sich geradezu in der Ablehnung und Verurteilung des Anschlags [...] und in seinem Treueverhältnis gegenüber dem Führer“.

27.03.1952 Attentat auf Bundeskanzler Konrad Adenauer

München-Kreuzviertel * Im Polizeipräsidium an der Ettstraße explodiert ein an Bundeskanzler Konrad Adenauer [CDU] adressiertes Päckchen. 

Dabei wird der Polizeibeamte Karl Reichert getötet. 

22.11.1963 Präsident John F. Kennedy wird in Dallas/Texas ermordet

Dallas/Texas * Der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy wird in Dallas/Texas ermordet.

26.09.1980 Das Oktoberfest-Attentat

München-Theresienwiese * Freitag, 22:19 Uhr: Am Haupteingang der Wiesn explodiert ein Sprengsatz. 

Der Feuerball unterbricht die ausgelassene Volksfeststimmung auf dem Oktoberfest und tötet 13 Menschen. 211 Personen werden verletzt, davon 68 schwer. 

„Menschen wirbeln durch die Luft, Blut spritzt, zerfetzte Gliedmaßen, unglaubliche Schmerzen und verzweifelte Schreie, die nur die hörten, denen nicht gleich das Trommelfell platzte“.

Einer der Toten ist der Geologiestudent Gundolf Köhler (21).

Als die Rettungskräfte am Tatort eintreffen, finden sie in einem Umkreis von bis zu 23 Metern Verletzte und Tote verstreut auf der Straße liegen. 
​Die die Detonation begleitende Druckwelle ist gewaltig gewesen. 

Noch in der Nacht stehen für die Bayerische Staatsregierung die Schuldigen fest:
Die RAF und linke Terroristen müssen für das Massaker verantwortlich sein.

Ministerpräsident Franz Josef Strauß steht mitten im Wahlkampf.
Er will Helmut Schmidt (SPD) als Bundeskanzler ablösen und hat sich selbst als starker Law-and-Order-Mann positioniert.

Nun sieht Franz Josef Strauß seine Stunde gekommen.
Er greift Innenminister Gerhard Baum (FDP) an, der für den „Spiegel“ eine Diskussion mit dem RAF-Anwalt und Ex-Terroristen Horst Mahler geführt hat.

Strauß machte Baum für das Attentat mitverantwortlich, weil er den Terrorismus quasi salonfähig gemacht hat.
Strauß fordert, dass sofort Flugblätter produziert werden, die Baum im Gespräch mit Mahler zeigen.

Doch die Attacke gegen Links wird sich bald als Bumerang erweisen. 

Auf den Verdacht hin, dass es sich um einen Terrorakt handelte, leitet „Generalbundesanwalt“ Kurt Rebmann zusätzlich ein Ermittlungsverfahren gegen „Unbekannt“ ein. 
Die Untersuchung liegt damit federführend beim Bund. 

Nach intensiven Beratungen mit Politikern, dem Polizeipräsidenten und den Veranstaltern entscheidet Oberbürgermeister Erich Kiesl noch mitten in der Nacht, das Oktoberfest nicht abzubrechen, sondern nur einen Trauertag zu veranstalten. 
Man wolle und dürfe sich dem Terror, gleich von welcher Seite, nicht beugen.  

Bei dieser nicht unumstrittenen Entscheidung hat man auch das Beispiel der „XX. Olympischen Spiele“ in München vor Augen, die trotz eines Terroranschlages zu Ende geführt worden waren.

27.09.1980 So, als sei nichts gewesen

München-Theresienwiese * Am Tag nach dem Wiesn-Attentat öffnet das Oktoberfest ganz normal seine Pforten, so, als sei nichts gewesen. Die Kapellen spielen auf, die Fahrgeschäfte drehen sich. Nur ein paar Blumen erinnern an das Grauen, das am Vorabend über die Wiesnbummler hereingebrochen war. 

27.09.1980 Abendzeitung: „Eine Spur führt direkt zu den Neo-Nazis“

Theresienwiese - München * Die Abendzeitung erscheint am Tag nach dem Wiesn-Attentat mit einer Sonderausgabe und der Nachricht, dass eine Spur direkt zu den Neo-Nazis führt. 

Doch Franz Josef Strauß beharrt darauf, die Schuld linken Terroristen zu geben.

27.09.1980 Der politisch rechts orientierten Gundolf Köhler war der Attentäter

Theresienwiese - Kreuzviertel * Die Sonderkommission Theresienwiese identifiziert den 21-jährigen, politisch rechtsorientierten Geologiestudenten Gundolf Köhler als Attentäter. Er ist eines der dreizehn Todesopfer.

Zeugen haben ihn unmittelbar vor der Explosion am Tatort gesehen. Die Verletzungsmerkmale an Köhlers Leiche untermaueren die Aussagen der Zeugen und lassen keinen Zweifel an einer Täterschaft Köhlers. 

28.09.1980 Gewerkschaften, Kirchen und Politiker rufen zu mehr Toleranz auf

München * Am „Tag des ausländischen Arbeitnehmers“ rufen Gewerkschaften, Kirchen und Politiker zu mehr Toleranz gegenüber den in Deutschland lebenden Ausländern auf. 

Man appelIiert an die Bevölkerung, der von neonazistischen Kräften geschürten Ausländerfeindlichkeit entgegenzutreten.

30.09.1980 Das „Oktoberfest“ wird für einen Tag geschlossen

München-Theresienwiese * Erst vier Tage nach dem „Wiesn-Attentat“ wird das „Oktoberfest“ für einen Tag geschlossen.

Das lange Zaudern des „CSU-Oberbürgermeisters“ Erich Kiesl zu diesem Schritt stößt nicht nur bei vielen Münchnern auf Unverständnis.

13.05.1981 SoKo Theresienwiese: Gundolf Köhler dürfte als Alleintäter gehandelt haben

München * Nach acht Monaten stellt die Sonderkommission Theresienwiese ihre Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat ein und präsentiert den 187-seitigen vorläufigen Abschlussbericht. 

  • 860 Spuren wurden verfolgt und in die puzzleartige Rekonstruktion der Tat eingepasst.
  • Die Beamten haben 1.800 Zeugen vernommen und 1.500 Asservate begutachtet.

Die Quintessenz lautet:

„Gundolf Köhler dürfte als Alleintäter gehandelt haben.
Für eine Mittäterschaft oder auch nur Mitwisserschaft anderer an dem Sprengstoffanschlag auf das Münchner Oktoberfest ließen sich keine konkreten Anhaltspunkte erkennen“
.

Seine rechtsextremistische Einstellung wird durch Nachforschungen bestätigt.
Ebenso, dass er in den Jahren 1975/76 an Übungen der am 30. Januar 1980 verbotenen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ teilgenommen hat.

Die These vom verwirrten Einzeltäter ist seitdem die offizielle Version.  

18.09.1981 Ein Mahnmal für die Opfer des Wiesn-Attentats

München-Theresienwiese * Einen Tag vor Eröffnung des Oktoberfestes 1981 wird am Haupteingang zur Festwiese das Mahnmal für die Opfer des Bombenanschlags enthüllt.

Oberbürgermeister Erich Kiesl ruft dazu auf, Lehren aus dem feigen Anschlag zu ziehen und Gewalt in jeder Form zu ächten.  

Das Mahnmal - geschaffen von Friedrich Koller - besteht aus einer 2,70 Meter hohen Bronzestele und trägt die Inschrift: „Zum Gedenken an die Opfer des Bombenanschlags vom 26. September 1980.“ 

26.09.1981 Der erste Jahrestag des Wiesn-Attentats

München-Ludwigsvorstadt * Am Jahrestag des Wiesn-Attentats wird in der Pauls-Kirche ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten. 

26.09.2005 Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens zum Wiesn-Attentat

München - Berlin - Wiesbaden * Am 25. Jahrestag des Wiesn-Attentats bringen mehrere Organisationen, Gewerkschaften und Einzelpersonen, darunter mehrere Münchner Stadträte sowie Landes- und Bundespolitiker der SPD, im Deutschen Bundestag einen Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens ein. 

Der Antrag findet  keine politische Mehrheit und wird vom Bundeskriminalamt - BKA abschlägig beschieden. 

03.09.2014 Die Wiesnwirte stiften eine Mordstrumm-Kerze

Planegg * Die Wiesnwirte der großen Festzelte treffen sich - wie jedes Jahr - in der Planegger Wallfahrtskirche „Maria Eich“, um dort eine mehrere Kilo schwere Kerze zu stiften.  

Diese Tradition hat der ehemalige „Sprecher der Wiesnwirte“ und Festwirt der „Bräu-Rosl“, Willy Heide, nach dem „Oktoberfest-Attentat“ im Jahr 1980 ins Leben gerufen.  
Sie soll für eine „friedliche Wiesn“ stehen.

Georg Heide, der Sohn des 2011 verstorbenen Willy, setzt die Tradition gemeinsam mit seiner Frau Renate und Tochter Daniela fort.  

Bei den Münchnern hält sich aber eisern das Gerücht, dass das Mordstrumm von einer Kerze für eine sich pünktlich zum Wiesn-Beginn einstellende Schönwetterfront gestiftet wird. 
Denn schönes Wetter bedeutet für die Wiesnwirte auch gute Umsätze und damit Gewinn.  

Denn wie singen die „Festwirte“ in Maria Eich:  
„Maria hilf uns allen aus unsrer tiefen Not“

11.12.2014 Die Ermittlungen zum „Oktoberfest-Attentat“ werden wieder aufgenommen

München * „Generalbundesanwalt“ Harald Range nimmt - 34 Jahre nach dem „Oktoberfest-Attentat“ - die Ermittlungen offiziell wieder auf.  

Eine neue Zeugin hatte sich bei dem Münchner Anwalt Werner Dietrich gemeldet.  
Ihre Aussage war ausschlaggebend für die Wiederaufnahme des Verfahrens.  

Dietrich hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrere „Wiederaufnahme-Anträge“ gestellt.
Der Dritte war jetzt erfolgreich.  
„Die Ermittlungen fangen jetzt wieder ganz am Anfang an“.  

Mit den Ermittlungen hat der Karlsruher „Generalbundesanwalt“ das „Bayerische Landeskriminalamt“ beauftragt.  
Ob das die richtige Entscheidung ist, muss die Zukunft klären.

06.09.2017 Die „Olympia-Attentat-Gedenkstätte“ wird eröffnet

München-Oberwiesenfeld * Die „Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats“ wird auf dem „Lindenhügel“ im Münchner „Olympiapark“ eröffnet. 




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