Arbeiterräte

08.03.1917 In Petrograd beginnt die eigentliche Revolution

Petersburg * In Petrograd beginnt die eigentliche Revolution. 

In den „Putilow-Werken“ wird erneut gestreikt, die Streikenden demonstrieren für eine bessere Versorgung, vor allem mit Brot.  
Gegen 14 Uhr treten die Arbeiterinnen in der „Fabrik Ayvas“ ebenfalls in den Ausstand. Sie demonstrieren gegen die Brotknappheit und für die Rückholung ihrer Männer von der Front. Den protestierenden Frauen schließen sich im Laufe des Tages rund 130.000 Arbeiter an.

Dabei schlagen die Kundgebungen ins Politische um: „Weg mit der Monarchie! Schluss mit dem Krieg!“ steht auf den Transparenten.
Die Lage in Petrograd gerät immer mehr außer Kontrolle. Es kommt zu den ersten schweren Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und dem Militär. 

Sehr schnell gibt es in den Betrieben Wahlen zu „Arbeiterräten“. Eine Form der Selbstorganisation, die die Arbeiter schon im Jahr 1905 entwickelt hatten.
Daraus entstehen in der Folge „Arbeiter- und Soldatenräte“ im ganzen Land.

27.01.1918 Die Berliner revolutionären Vertrauensleute beschließen den Generalstreik

Berlin * Eine Versammlung der der USPD nahestehenden Vertrauensleute aller Berliner Großbetriebe, die sogenannten revolutionären Obleute, beschließt einstimmig, am nächsten Morgen den Generalstreik zu beginnen.

Nach Wiener Vorbild wird ein aus 414 Personen bestehender Arbeiterrat gebildet, der einen elfköpfigen Aktionsausschuss aus dem Kreis der revolutionären Obleute wählt. Der Aktionsausschuss fungiert als Streikleitung und wird von Richard Müller angeführt.

Die USPD und die MSPD entsenden zusätzlich noch je drei Vertreter. Als Vertreter der Arbeiterparteien werden

  • die USPD-Reichstagsabgeordneten Hugo Haase, Georg Ledebour und Wilhelm Dittmann sowie
  • die SPD-Vorstandsmitglieder Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Braun hinzugezogen. 
28.01.1918 Revolutionäre Obleute organisieren in Russland Massenstreiks

Russland * Revolutionäre Obleute organisieren in Russland Massenstreiks gegen die annexionistische Verhandlungsführung der Mittelmächte in Brest-Litowsk.

Die Streiks dauern bis 4. Februar 1918 an. 

08.11.1918 Erste Sitzung der Revolutionäre im Landtagsgebäude

München-Kreuzviertel * Kurz nach Mitternacht  hält der neu gebildete Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat im Sitzungssaal der Abgeordnetenkammer im Landtagsgebäude an der Prannerstraße - unter der Leitung Kurt Eisners - seine erste Sitzung ab.  

Kurt Eisner proklamiert die demokratische und soziale Republik Bayern, den Freistaat Bayern. Die Monarchie ist damit gestürzt, die Republik geboren. In seiner Rede bemerkt Eisner: „Die bayerische Revolution hat gesiegt. Sie hat den alten Plunder der Wittelsbacher Könige hinweggefegt“.  

„Bayern ist fortan ein Freistaat“ lautet der dritte Satz eines Aufrufs, der am Morgen des 8. November 1918 auf der ersten Seite der Münchener Neuesten Nachrichten veröffentlicht wird.  

Mit dem Begriff Freistaat nimmt Kurt Eisner eine Definition auf, die schon 150 Jahre zuvor für Republik gebraucht wurde.  
Mit dieser Wortwahl will er aber nicht nur den Unterschied zur Monarchie, sondern auch die Eigenständigkeit Bayerns innerhalb eines deutschen Staatenbundes, der „Vereinigten Staaten von Deutschland“, herausstellen.  
„Der Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern“ hat diesen Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“ gerichtet.  

Noch deutlicher ist ein knallrotes Plakat, das bereits in den Straßen Münchens hängt. Ihm können die interessierten Bürger entnehmen: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“

08.11.1918 Der Provisorische Nationalrat des Volksstaats Bayern konstituiert sich

München-Kreuzviertel * Noch in der Nacht konstituiert sich der Provisorische Nationalrat des Volksstaats Bayern. Er löst die 163 gewählten Abgeordneten des Bayerischen Landtags ab.  

Voraussetzung ist, dass, entsprechend der Machtverhältnisse und im Interesse der Einigung des Proletariats, die Mehrheitssozialdemokraten beteiligt werden müssen, obwohl sie die Revolution mit allen Mitteln verhindern wollten und sich Erhard Auer mit der „gewaltsamen Niederschlagung der Aufständischen“ noch in der Nacht vom 7. zum 8. November einverstanden erklärt hat. Aber gegen die MSPD kann nicht regiert werden.  

Deshalb zieht Eisner zur ersten öffentlichen Sitzung des provisorischen Nationalrates am 8. November 1918 - neben den Delegierten des Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrats sowie Vertretern der Gewerkschaften und Berufsverbände - die sozialdemokratische Fraktion des alten Landtags, die Fraktion des Bauernbundes und drei liberale Abgeordnete - Ludwig Quidde, Hübsch und Kohl - hinzu.

08.11.1918 Die Revolution als Mittel zur Beendigung des Krieges

München * Die Stimmung in München und in Bayern ist sehr gut, da die Revolution vor allem als ein Mittel zur Beendigung des Krieges begriffen wird und schon deshalb die Menschen in ihrer Friedenssehnsucht begeistert.  

Obwohl die meisten Münchner die Revolution verschlafen haben, hat sich die Bevölkerung sehr schnell den neuen Gegebenheiten angepasst.  

Ob bei den Hoflieferanten, der Post oder der Bayerischen Staatszeitung wird der Zusatz Kgl. umgehend gestrichen oder überklebt.  
Von den Türmen der Frauenkirche weht die rote Fahne.  

Der „Arbeiter- und Soldatenrat“ hat die maximale Fahrgeschwindigkeit der Straßenbahn von 25 km/h auf 12 km/h festgesetzt.  
Der gesamte Telephon- und Telegraphenverkehr in andere Städte ist gesperrt.  

Der „Arbeiter- und Soldatenrat“ übernimmt den „Schutz der städtischen Anstalten und Betriebe“ und besetzt die „Residenzwache“.  

Kurt Eisner verfasst in der Zwischenzeit Aufrufe an die Bevölkerung: „An die Bevölkerung Münchens“, „An die ländliche Bevölkerung Bayerns“, „An die Arbeiter Münchens“ und „An die Soldaten“

18.11.1918 Rosa Luxemburg will die Konzentration der Macht bei den Räten

Berlin * Rosa Luxemburg fordert die Konzentration der Macht in den Händen der Arbeiter- und Soldatenräte

27.11.1918 Die Beseitigung der Reichsregierung Ebert-Scheidemann gefordert

München - Berlin * Der Vollzugsausschuss der Münchner Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte fordert die Beseitigung der Reichsregierung Ebert-Scheidemann

09.12.1918 Die Delegierten der Arbeiterräte Bayerns treffen sich erstmalig

München-Kreuzviertel * Die Delegierten der Arbeiterräte Bayerns treffen sich am 9. und 10. Dezember 1918 erstmalig zu einer zweitägigen Tagung im Gebäude des Bayerischen Landtags

Sie beratschlagen über

  • ihre Position zur politischen und wirtschaftlichen Lage Bayerns,  
  • die Aufgaben der Arbeiterräte-Organisation und
  • wählen die 50 Vertreter der Arbeiterschaft zum provisorischen Nationalrat
09.12.1918 Kurt Eisner erklärt die beabsichtigten Ziele der Januar-Streiks

München * Vor den bayerischen Arbeiterräten erklärt Ministerpräsident Kurt Eisner: 

„Wir wollten die Revolution nicht erst machen in der Zeit des militärischen Zusammenbruchs, sondern im Gegenteil schon entfesseln, als Deutschland auf der Höhe seiner militärischen Macht stand. […] Das war der Sinn des Streiks“

17.12.1918 Neue Bestimmungen für die Arbeiterräte

München * Die Regierung erlässt Bestimmungen über Organisation und Befugnisse der Arbeiterräte. Sie lösen die Vorläufigen Richtlinien für die Arbeiter- und Bauernräte ab. Eine inhaltliche Verbesserung über die Befugnisse der Räte bringen die Bestimmungen nicht. Es bleibt beider Vorrangstellung der Behörden.

Die Bestimmungen für die Arbeiterräte bleibt die rechtliche Grundlage für die Arbeit der Arbeiterräte, bis der Landtag am 21. Mai 1920 das Gesetz über die Aufhebung der Arbeiterräte beschließt. 

Die Anordnung enthält drei wichtige Sonderbestimmungen, deren Auswirkungen sich auf den ersten Blick nicht gleich offenbaren. 

  • Soldatenräte sind von den Arbeiterräten völlig zu trennen. Ihre Bezahlung erfolgt ausschließlich durch den Militärhaushalt.
  • Die Bauernräte sind mit den Arbeiterräten zusammenzuschließen.
  • Nur Arbeiterräte haben das Recht auf staatliche Bezüge
18.12.1918 Termin für die Wahlen zur „Nationalversammlung“ festgesetzt

Berlin * Auf dem „Kongress der Arbeiter- und Soldaten-Räte Deutschlands“ in Berlin werden die Forderungen des „Spartakusbundes“ und dem linken Flügel der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“ zur „Übertragung der gesamten Macht an die Arbeiter- und Soldaten-Räte“ abgelehnt.  

Die Mehrheit stimmt für den Antrag der SPD, „bis zur anderweitigen Regelung durch die Nationalversammlung die gesetzgebende und vollziehende Gewalt“ dem „Rat der Volksbeauftragten“ [= Regierung Ebert] zu übertragen.  

Die Mehrheit beschließt, die Wahlen zur „Nationalversammlung“ auf den 19. Januar 1919 festzusetzen. 

19.12.1918 Der erste „Feierabend“ im „Deutschen Theater“

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend veranstalten die „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ den ersten „Feierabend“ im „Deutschen Theater“.  

Die Veranstaltung soll der Bevölkerung „die Seele aufrütteln zu der Erkenntnis, dass wir Menschen sind, die wir in den Kriegsjahren nicht mehr waren“

13.02.1919 In München wird ein „Rätekongress“ durchgeführt

München-Ludwigsvorstadt * Vom 13. bis zum 20. Februar findet im München „Deutschen Theater“ ein „Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ statt.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner berichtet über den in Bern stattgefundenen „Internationalen Sozialistenkongress“.  
Er beschimpft dabei die Pressevertreter als „Pressegesindel“, die Berichte gefälscht hätte.  

Daraufhin verlassen die Anwesenden Pressevertreter den „Kongress“ und stellen die Berichterstattung ein.  
Sämtliche Münchner Blätter protestieren in einer Erklärung gegen diese Behandlung der Presse.  

Unabhängig davon wird der „Kongress“ - allerdings ohne Erfolg - versuchen, die Existenz der „Räte“ im künftigen parlamentarischen Bayern sicherzustellen. 

13.02.1919 Die „Räte

München-Ludwigsvorstadt * Ein Teil der Teilnehmer des „Kongresses der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ sehen in dem Aufruf des „Ministers für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter, die wehrfähigen Männer zum Eintritt in den „Volksheimatschutz“ zu bewegen, die Absicht, eine „Weiße Garde“ zu gründen.  

Sie fordern den Rücktritt des „SPD-Staatsministers“

15.02.1919 Die „Ministerkrise“ wird für beendet erklärt

München-Ludwigsvorstadt * Die „Ministerkrise“, die Albert Roßhaupter durch seinen Aufruf an die wehrfähigen Männer zum Eintritt in den „Volksheimatschutz“ ausgelöst hat, ist beendet.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner wird gegenüber dem „Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ eine entsprechende Erklärung abgeben. 

16.02.1919 Kundgebung auf der „Theresienwiese“ fordert Existenz der „Räte“

München-Theresienwiese * Die von Teilnehmern des „Kongresses der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ organisierte und veranstaltete Kundgebung auf der „Theresienwiese“ fordert die Sicherstellung der Existenz der „Räte“ im künftigen parlamentarischen Bayern.  

Ein Demonstrationszug - unter Beteiligung von „Ministerpräsident“ Kurt Eisner und Felix Fechenbach - zieht ohne Zwischenfälle von der „Theresienwiese“ über die Innenstadt zur Ludwigstraße und wieder zurück. 

21.02.1919 Die Öffentlichkeit reagiert politisch desorientiert

München * Die Öffentlichkeit, die das feige Attentat auf Kurt Eisner verabscheut, reagiert politisch desorientiert.

Das wirkt sich in einem Zweifel an der Richtigkeit der Wiedereinführung des Parlamentarismus aus und führt zu einer raschen Wiederbelebung der Tätigkeit der „Räte“.

Oskar Maria Graf beschreibt in „Wir sind Gefangene“ die Situation: 

„Ich sah Zitternde, ich sah Wutblasse und Blutgierige.
Überall wiederholte sich das gleiche Schreien nach Rache.
Die Massen kamen ins Treiben, der Strom floss durch die Stadt.  
Das war anders, ganz anders als am 7. November.
Wenn jetzt einer aufgestanden wäre und hätte gerufen: ‚Schlachtet die Bürger! Zündet die Stadt an! Vernichtet alles!‘ es würde geschehen sein.   

Die tausend kleinen Stürme hatten sich vereinigt, und ein einziger dumpfer, dunkler, ungewisser Losbruch begann.
Ich spürte es an mir am genauesten: Noch nie war ich so völlig Massentrieb gewesen wie jetzt, noch nie war ich so eins mit den Tausenden.   

Auf die Theresienwiese jagten die Züge.
Unter der Bavaria redeten viele; Toller trug ein Gedicht vor.
Die Frauen wurden ergriffen davon, die Männer schrieen nach Waffen.

Dann wurde verkündet, im Zeughaus seien sie.
Ein dichter Haufen zog dahin ab, ich lief mit dem Zug wieder in die Stadt.
Voran marschierten Matrosen und Soldaten wie zum Sturm.
Die roten Fahnen wehten. 

Die verschlossenen Türen des Deutschen Theaters wurden eingeschlagen, die Scheiben klirrten, es krachte, und alles peitschte in den Saal.
‚Der Arbeiter- und Soldatenrat tagt von heut‘ ab in Permanenz!‘ brüllte ein Matrose“

21.02.1919 Ein „Zentralrat der Bayerischen Republik“ konstituiert sich

München * Aus Vertretern der „Mehrheitssozialisten“, „Unabhängigen Sozialdemokraten“, „Kommunisten“ sowie den „Vollzugsorganen der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ und dem „Revolutionären Arbeiterrat“ bildet sich ein „Zentralrat der Bayerischen Republik“.   

Dieser sogenannte „Elfmännerausschuss“ fungiert als „Regierungsgremium“, das die Geschäfte so lange kommissarisch führen soll, bis eine endgültige Regelung gefunden wird. 

Zum „Vorsitzenden des Zentralrats“ wird Ernst Niekisch, ein junger „Volksschullehrer“, „Vorsitzender der Augsburger Arbeiter- und Soldatenräte“ und Mitglied des „Landesarbeitsrates“ gewählt.

Ernst Niekisch ist zwar „Mehrheitssozialdemokrat“, gilt aber aufgrund seiner Befürwortung der „Räte“ als Mann des Ausgleichs zwischen den ideologischen Gegensätzen und wird auch von den rechten „Sozialdemokraten“ akzeptiert.
Er gilt als die Integrationsfigur, die der „Republik“ über die schwere Zeit hinweghelfen kann.

Neben Ernst Niekisch, Carl Kröplin und Hermann Eisenhut vom „Vollzugsrat der Arbeiterräte“ gehören dem „Zentralrat“ außerdem an:  
Karl Gandorfer, Wolfgang Hofmann und Johann Wutzlhofer vom „Vollzugsrat der Bauernräte“,
Fritz Sauber, Engelbert Kohlschmidt und Johann Panzer vom „Vollzugsrat der Soldatenräte“
sowie Max Levien und August Hagemeister vom „Revolutionären Arbeiterrat“.

Dem „Zentralrat“ wird ein erweiterter „Aktionsausschuss“ zur Seite gestellt, um die Fülle der anstehenden Arbeiten zu bewältigen.   

Dieser wiederum konstituiert verschiedene „Kommissionen“, die das tägliche Leben regeln sollen.
So entstehen „Kommissionen“

  • zur „Bewaffnung des Proletariats“,
  • zur „Ernährung“,
  • zur „Lebensmittelversorgung“,
  • für das „Wohnungswesen“,
  • für das „Gerichtswesen“,
  • für „Aufklärungs- und Nachrichtendienste“,
  • für „Heereswesen“ und
  • zur „Produktionsregelung“
25.02.1919 Die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien

München * Bereits am ersten Tag fordert Max Levien als Delegierter des „Revolutionären Arbeiterrats“

  • die „sofortige Ausrufung der Räterepublik“,  
  • die „Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR“,  
  • die „Versendung wahrheitsgetreuer Flugblätter in fremden Sprachen“,  
  • die „Entfernung der Republikanischen Schutztruppe“,  
  • die „Bildung einer Roten Armee“ sowie  
  • die „Annullierung der Staatsschulden und Kriegsanleihen“.  

Unterstützt wird Levien von dem „Matrosen“ Rudolf Egelhofer, der von der „permanenten Proletarierversammlung“ im „Wagnersaal“ abgesandt wurde, an der mehr als 5.000 Menschen teilnehmen.  

Auch der „Anarchist“ Erich Mühsam schließt sich dieser Forderung an.  
Er ist der Überzeugung, dass der Ausgang des „Kongresses der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ von entscheidender Bedeutung für den künftigen Verlauf der „Weltrevolution“ ist.  

In den weiteren Beratungen kristallisieren sich die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien heraus.  

Die „SPD-Delegierten“ sprechen sich gegen eine „Räterepublik“ aus, setzen sich aber - anders als die Genossen um Erhard Auer - für die Verankerung der „Räte“ in der Verfassung ein.  

Die „KPD“ fordert dagegen die „Regierung der Volksbeauftragten“ und eine „Räterepublik“

25.02.1919 Der „Kongress der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ tagt

München-Kreuzviertel * Vor dem schwarz und rot umflorten Bildnis Kurt Eisners und unter teils chaotischen Verhältnissen tagen die „Delegierten der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ bis zum 8. März 1919 im Münchner „Landtagsgebäude“.  

Radikale linke Gruppierungen, die im Plenum klar in der Minderheit sind, versuchen durch Versammlungen und Demonstrationen sowie durch massive Störungen von den Tribünenplätzen aus die Entscheidungen der Delegierten zu beeinflussen.  

Am „Rätekongress“ nimmt Johannes Hoffmann nicht teil, weil er sich gegen eine mögliche „Räteregierung“ stellt.  
Im Gegenzug lehnt der „Rätekongress“ Hoffmann als neuen „Kultusminister“ ab. 

28.02.1919 Demonstrationszüge zur Befreiung der Inhaftierten

München * Im „Wagnersaal“ und im „Mathäserbräu“ tagen die „Unabhängigen Sozialdemokraten“ beziehungsweise die „Kommunisten“, als die Nachrichten über die Verhaftungen im „Landtagsgebäude“ eintreffen.  

Spontan bilden sich Demonstrationszüge zur Befreiung der Inhaftierten.  
Von der „Türkenkaserne“ schließt sich ihnen eine Abordnung des „Leibregiments“ an.  

Der inzwischen vereinigte Demonstrationszug bewegt sich zum „Landtagsgebäude“ in der Prannerstraße, wo die inzwischen befreiten Gefangenen zur Menge sprechen und sich die Demonstration daraufhin unter Hochrufen auf die „Räte“ auflöst. 

28.02.1919 Verhaftungen aus dem Sitzungssaal heraus

München-Kreuzviertel * Noch vor der Abstimmung werden die Delegierten Max Levien, Erich Mühsam, Gustav Landauer, Franz Michael Cronauer und Wilhelm Reichart von der SPD-nahen und von „Innenminister“ Erhard Auer errichteten „Republikanischen Schutztruppe“ aus dem Sitzungssaal heraus verhaftet.

Ernst Niekisch versucht verzweifelt Herr der Lage zu bleiben und erreicht, dass die Verhafteten wenige Minuten später wieder freigelassen werden.
Die Verantwortung für die unübersichtliche Situation übernimmt schließlich der „Stadtkommandant“ Oskar Dürr und der „Polizeipräsident“ Josef Staimer.

Nun kann abgestimmt werden.

Erich Mühsams Antrag auf „Ausrufung einer Räterepublik“ wird mit 234 zu 70 Stimmen abgelehnt.
Dafür einigen sich die „Rätevertreter“ auf den vorgelegten Kompromissantrag. 

08.11.1993 Der CSU-Vorsitzende Theo Waigel drückt sich beim „Festakt“

München * Der CSU-Vorsitzende Theo Waigel drückt sich am „75. Jahrestag der Revolution und der Freistaatgründung“ an der Teilnahme eines „Festaktes“, da er „die Geburtsstunde des demokratisch verfassten Bayern nicht mit der Ausrufung der Räterepublik durch Kurt Eisner in Verbindung zu bringen vermag“.

Zur Ausrufung der „Räterepublik“ kam es allerdings erst nach einer verlorenen Wahl und der Ermordung Kurt Eisners durch den rechtsradikalen Anton Graf Arco auf Valley. 

Unter Eisners „Revolutionsregierung“ gab es lediglich „provisorische Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“

16.11.1993 „... Bayern einen Winter lang vor dem totalen Chaos bewahrt“

München * Klaus Warnecke, „Landtagsabgeordneter der SPD“ schreibt in der „Süddeutschen Zeitung“ einen Leserbrief und bringt darin folgende Meinung zum Ausdruck:

„[...] Die Hindenburgs, Ludendorffs und ihre monarchistischen Attrappen hatten das Volk im Reichsdurchschnitt im Herbst 1918 auf 500 bis 600 Kalorien pro Tag und Nase heruntergehungert. [...]  
200.000 bayerische Soldaten waren gefallen. [...]  

Während sich die Monarchie von dannen stahl und die Generäle an der Dolchstoß-Legende zu stricken begannen, gab es in München eine einzige Kraft, die halbwegs Ordnung in das Chaos zu bringen versuchte und den Umständen entsprechend auch brachte: die von den Konservativen und Reaktionären aller Richtungen bisher aus jeder politischen Verantwortung ferngehaltenen Sozialdemokraten und deren linkspazifistische Absplitterung die USPD mit Eisner an der Spitze. [...]  

Der totale politisch/militärisch/soziale Scherbenhaufen des Winters 1918/19 war das Erbe des Großmachtwahns der Feldmarschälle und Monarchen.

Das Kabinett unter Ministerpräsident Kurt Eisner mit dem Innenminister Erhard Auer und Albert Roßhaupter, die sich auf den eigentlichen Ordnungsfaktor in München, die Arbeiterräte, stützen konnte, hat Bayern einen Winter lang vor dem totalen Chaos bewahrt.

Das wahre Chaos begann erst, als der rechtsradikale Offizier Graf Arco den Pazifisten Kurt Eisner am 21. Februar 1919 auf offener Straße ermordete. [...]“.




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