Antisemitismus

01.11.1916 Die Anordnung der Judenzählung im deutschen Heer

Berlin * Anordnung der Judenzählung im deutschen Heer.

Obwohl das Kriegsministerium alle antisemitischen Absichten abstreitet, sind die dahinterstehenden Beweggründe dennoch deutlich erkennbar.
Viele Redewendungen sind den Pamphleten des antijüdischen Reichshammerbundes entnommen. 

02.11.1917 England verspricht den Juden ein „national home“ in Palästina

London - Berlin * Der britische „Außenminister“ Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein „national home“ in Palästina.

Die „Balfour-Deklaration“ wird in Deutschland von rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit den „Zionisten“ zu „antisemitischer Agitation“ genutzt. 

07.03.1918 Freier Arbeiterausschuss für einen guten Frieden

München * Der in der Reichsbahnhauptwerkstätte München als Werkzeugschlosser beschäftigte Anton Drexler ruft den Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden ins Leben. 

Die Gründung erfolgte in Anlehnung an eine fast gleichnamige und gleiche Ziele verfolgende Organisation in Bremen. 

Es ist eine antisemitische und antimarxistische Gruppierung, die nie mehr als vierzig Mitglieder zählt und der es um eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit der nationalen Rechten geht. Die bürgerlichen Parteien haben in ihren Augen versagt und der Marxismus erscheint ihnen für ihre nationalistischen Ziele ungeeignet. 

Aus dem Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden wird später die Deutsche Arbeiterpartei - DAP hervorgehen

19.10.1918 Die Juden als Blitzableiter für alles Unrecht benutzen

Berlin * Der Vorsitzende des Alldeutschen Verbands - ADV, Heinrich Claß, äußert sich auf der Sitzung der Führungsspitze: „Die Bundesfürsten haben sich ebenso behandeln lassen [wie der Kaiser]. Sollen wir die Monarchie noch verteidigen, nachdem sie sich selbst überall aufgegeben?“.

In der selben Sitzung verabschiedet der Vorstand einen Aufruf, in dem sich der Verband erstmals öffentlich zum Antisemitismus bekennt.

  • Es gelte „die Juden als Blitzableiter für alles Unrecht zu benutzen, Furcht und Schrecken […] in der Judenschaft [zu verbreiten]. […]  
  • Ich werde […] vor keinem Mittel zurückschrecken und mich in dieser Hinsicht an den Ausspruch Heinrich von Kleist’s, der auf die Franzosen gemünzt war, halten: Schlagt sie tot, das Weltgericht fragt Euch nach Gründen nicht!“
08.11.1918 Thomas Mann und die Revolutionäre

München-Bogenhausen * Thomas Mann hatte sich während des Krieges als kaisertreuer Anhänger einer elitären, nicht auf demokratischen, sondern oligarchischen Prinzipien [= Herrschaft von Wenigen] beruhenden Gesellschaftsordnung bekannt und zudem die deutsche Kriegspolitik verteidigt.

Er schreibt in sein Tagebuch: „München, wie Bayern, regiert von jüdischen Literaten. Wie lange wird es sich das gefallen lassen?

[…] Bei uns ist Mitregent ein schmieriger Literaturschieber wie Herzog, der sich durch Jahre von einer Kino-Diva aushalten ließ, ein Geldmacher und Geschäftsmann im Geist, von der großstädtischen Scheißeleganz des Judenbengels, der nur in der Odeonbar zu Mittag aß, aber Ceoni‘s [Zahnarzt auch der Familie Mann] Rechnungen für die teilweise Ausbesserung seines Kloakengebisses nicht bezahlte.

Das ist die Revolution! Es handelt sich so gut wie ausschließlich um Juden“

09.11.1918 Die Thule-Gesellschaft bekämpft die Revolution

München-Graggenau * Nur einen Tag nach der Konstituierung des Provisorischen Nationalrats unter Ministerpräsident Kurt Eisner lädt Freiherr Rudolf von Sebottendorff zu einem konspirativen Treff der Thule-Gesellschaft ins Hotel Vier Jahreszeiten.

Das Interesse ist so groß, dass alle wichtigen Vertreter völkischer und antisemitischer Gruppierungen aus München und der näheren Umgebung der Einladung folgen.

Nun war man unter sich - und Sebottendorff konnte Klartext reden: 

  • „Uns hasst der Feind mit dem grenzenlosen Hasse der jüdischen Rasse, es geht jetzt Auge um Auge, Zahn um Zahn! Unser Orden ist ein Germanenorden, germanisch ist die Treue. [...].  
  • Die gestrige Revolution, gemacht von Niederrassigen, um den Germanen zu verderben, ist der Beginn der Läuterung.
  • Nun wollen wir reden vom Deutschen Reich, jetzt wollen wir sagen, daß der Jude unser Todfeind ist, von heute ab werden wir handeln“.
  • Ohne Umschweife fordert er den „kompromisslosen bewaffneten Kampf gegen die neue Regierung“, da sie für ihn nur die „Herrschaft der Niederrassigen unter der Führung von Juda“ ist.

Und da gibt es für ihn kein Zurückhalten: „Jetzt heißt es kämpfen [...] bis das Hakenkreuz siegreich aufsteigt“

06.12.1918 Die antisemitischen Tendenzen des Bayerischen Kuriers

München * Der Bayerische Kurier, das Organ der Bayerischen Volkspartei - BVP, zeigt ganz eindeutig antisemitische Tendenzen:

„Für die BVP spielt auch die Rassenzugehörigkeit keine Rolle. [Ihre Mitglieder] achten und ehren jeden ehrlichen Juden. […] Was aber bekämpft werden muss, das sind die zahlreichen atheistischen Elemente eines gewissen internationalen Judentums mit vorwiegend russischer Färbung“.

Die politischen Parolen der Bayerischen Volkspartei lauten: „Los von Berlin!“ und „Bayern den Bayern!“. Die letzte Aussage richtet sich nicht gegen Preußen, sondern vor allem gegen die Juden, die in der Regierung Eisner zahlreich vertreten sind. 

10.12.1918 Antisemitismus im Buchloer Anzeigenblatt

Buchloe - München * Im Buchloer Anzeigenblatt erscheint ein antisemitischer Artikel. Dem Redakteuer Cölestin Rabis schwebt sogar eine Endlösung vor.

„Der Jude Eisner spielt Diktator und beschwindelt das Volk wie vordem unsere Diplomaten. […] Politik ist und bleibt ein Geschäft, und Jude bleibt Jude. […]  Die Judenfrage ist ein Problem für sich, welches das deutsche Volk endlich einmal mit gerechter Strenge zu lösen hat, aufgefasst als Rassenfrage und nicht als Religionsproblem“

14.04.1919 Die „Regierung Hoffmann“ arbeitet mit Rechtsextremisten zusammen

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ setzt auf das neu eingerichtete „Propagandaministerium“ und die Zusammenarbeit mit bekennenden „Rechtsextremisten“.

Im Regierungsorgan „Freistaat“ werden die „Räteanhänger“ aufs übelste diffamiert und als „ausländische Juden“, „land- und rassenfremde Elemente“ sowie als „Terroristen“ diffamiert“.

Ernst Toller gibt daraufhin im Auftrag des „Zentralrats“ ein Flugblatt an die „Bürger der Räterepublik“ heraus.
In diesem macht er auf die antisemitischen Hintergründe aufmerksam und fordert die Bevölkerung zum Widerstand dagegen auf. 

16.03.1920 Der „Antisemitismus“ wird gewalttätig

München * Der „Antisemitismus“ wird gewalttätig.

Der konservative „Ministerpräsident“ Gustav von Kahr (BVP) kündigt in seiner ersten Regierungserklärung an, gegen die „Überfremdung durch Stammesfremde“ einzuschreiten und erklärt die „Reinhaltung des eigenen Volkes von fremden Elementen“ zum Gebot der Stunde. 
Er meint damit den besonders verhassten „Teil der jüdischen Rasse“, die „Ostjuden“.

Und Münchens „Polizeipräsident“ Ernst Pöhner hält es für nicht ausgeschlossen, wenn „wegen der unerträglichen Teuerung etwas unternommen, etwa einige Juden aufgehängt würden“.

Gegen die gewalttätigen und gewaltbereiten „Antisemiten“ unternimmt die Münchner Polizei allerdings nichts.
Nun wird die Situation für die jüdischen Mitbürger unerträglich.
Viele verlassen die Stadt.

15.06.1920 Fritz Gerlichs Buch „Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich“

München * Aus zahlreichen Aufsätzen in den „Süddeutschen Monatsheften“, der „Liberalen Korrespondenz“ sowie den „Historisch-politischen Blättern“ entsteht Dr. Fritz Gerlichs Buch „Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich“.
Es wird im „Bruckmann-Verlag“ verlegt.

Gerlich rechnet darin den Kommunismus zu den „Erlösungsreligionen“ und verurteilt den verbreiteten „Antisemitismus“

15.07.1920 Ludwig Thoma schreibt für den Miesbacher Anzeiger

Tegernsee * Ludwig Thoma schreibt für den Miesbacher Anzeiger antisemitische und gegen die demokratische Weimarer Republik gerichtete Artikel.

Es werden bis zu Thomas Tod 167 derartiger Artikel werden. 

08.04.1921 Ludwig Thoma hetzt im viel gelesenen „Miesbacher Anzeiger“

München * Welche antisemitische Stimmung in Bayern weit verbreitet ist, zeigt ein Beitrag des Schriftstellers Ludwig Thoma, den er anonym im viel gelesenen „Miesbacher Anzeiger“ drucken lässt: 

„In München haben wir mit der Hinrichtung des Eisner den Nachweis geliefert, dass es uns nicht an Temperament fehlt. [...]  
Immerhin waren dies nur Vorspiele zu größeren Kuren, die wir uns gelobt haben für den Fall, dass sich die Beschnittenen bei uns noch einmal mausig machen. Dann geht‘s in die Vollen“
.

18.08.1921 Im „Miesbacher Anzeiger“ erscheint der letzte Hassartikel von Ludwig Thoma

Miesbach * Im „Miesbacher Anzeiger“ erscheint der letzte antisemitische und antidemokratische Hassartikel von Ludwig Thoma. 

14.12.1924 Der „Alpenverein“ schließt die jüdische „Sektion Donauland“ aus

München-Ludwigsvorstadt * Im „Deutschen Theater“ in München stimmen 1.663 von 1.906 Delegierten des „Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV“ dem Ausschluss der jüdischen „Sektion Donauland“ zu. 

Dies geschieht elf Jahre vor den „Rassegesetzen“ der NS-Regierung.

31.12.1924 Der amerikanische Ku-Klux-Klan hat vier Millionen Mitglieder

USA * Der amerikanische „Ku-Klux-Klan“ hat vier Millionen Mitglieder und verfolgt eine Politik „weißer Vorherrschaft“ insbesondere gegenüber „Afro-Amerikanern“.

Er vertritt aber auch einen militanten „Antikatholizismus“ und „Antisemitismus“

08.11.1937 Die Ausstellung „Der ewige Jude“ wird eröffnet

München-Isarvorstadt * Im „Bibliotheksbau des Deutschen Museums“ wird die Ausstellung „Der ewige Jude“ eröffnet.

Sie hilft die folgenden „antisemitischen Pogrome“ vorzubereiten.




© 2017 Gerhard Willhalm, inc. All rights reserved.