Adel

05.06.1311 Die „Ottonischen Handfeste“ gibt den „Ständen“ neue Privilegien

Landshut * Herzog Otto III. von Niederbaiern gewährt in der „Ottonischen Handfeste“ den „Niederbaierischen Ständen“ Privilegien und Rechte gegen die Leistung einer einmaligen Steuer. 

Der Adel, der Klerus sowie die Städte und Märkte erhalten dadurch für ihre Besitzungen die „Niedere Gerichtsbarkeit“

21.06.1621 In Prag wird ein blutiges Gericht über die Aufständischen gehalten

Prag * Nach dem Zusammenbruch des Böhmischen Aufstands und der Flucht des Winterkönigs Friedrich V. lässt Kaiser Ferdinand II. - vor dem Altstädter Rathaus in Prag - ein blutiges Gericht über seine Anhänger halten.

43 Todesurteile gegen protestantische böhmische Adelige werden gesprochen, 27 werden an diesem Tag öffentlich vollstreckt. 24 durch das Schwert, drei am Galgen. Zwölf der abgeschlagenen Köpfe werden zur Abschreckung am Prager Brückenturm aufgesteckt und erst zehn Jahre später durch die sächsische Besatzungsmacht entfernt. 

23.11.1683 Das „Haidhauser Schloss“ kommt zu ersten Würden

Haidhausen * Zu ersten Würden kommt das von Freiherr Franz Pongraz von Leiblfing errichtete „Haidhauser Schloss“, nachdem Kurfürst Max Emanuel als „Türkenbefreier“ aus Wien zurückkehrt. 

Adelige, Hofbedienstete und einflussreiche Münchner Bürger haben sich auf dem Anger vor dem Landgut - auf dem heutigen Johannisplatz - versammelt, um ihrem „Helden“ einen feierlichen Empfang zu bereiten.  

Leiblfing darf den Kurfürsten in seinem prächtig geschmücktem Schlösschen noch bewirteten, bevor sich der „Triumphzug“ - zur weiteren Huldigung - in Richtung München in Bewegung setzt.  

Der Freiherr versteht es natürlich, aus diesem Umstand seinen Nutzen zu ziehen.  
Da „sein armes Haus und Garten“ so glücklich gewesen sei, den Kurfürsten bei seiner Rückkehr „so freundlich und frohlockend zu empfangen“, wendet sich Franz Pongraz von Leiblfing an den Landesherrn, damit der dieses zum „adeligen Sitz“ erheben und ihm die dem „Hofkastenamt“ zinsbaren 44 Untertanen in der „Schwaig“ mitsamt der „Jurisdiktion“ abtreten soll.  
Die dort zinspflichtigen Haus- und Herbergenbesitzer haben jährlich 11 Gulden und 32 Kreuzer zu versteuern. 

Mit der Bitte des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing ist jedoch die Abtrennung der „Schwaige“ von Haidhausen und damit vom Bezirk des „Gerichts ob der Au“ verbunden.  

Dies führt zwangsläufig zu verwaltungstechnischen Problemen, da der „Gerichtsbezirk“ erst im Mai 1610 aufgrund seiner besonderen Sozialstruktur geschaffen worden ist. 

18.08.1684 Franz Pongraz von Leiblfings Haus wird zum „Adelssitz“

Haidhausen * Kurfürst Max Emanuel erfüllt die Bitte des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing in einem „Gnadenbrief“ und erhebt „sein in Haidhausen habentes Haus“ zu einem „der Landtafel einverleibten adeligen Sitz“.  

Gleichzeitig überlässt der Kurfürst dem Freiherrn die „Vogtei und Niedergerichtsbarkeit über Haus und Garten des Wirtes Georg Krünner und über 43 namentlich aufgeführte Untertanen“, die bislang dem „Hofkastenamt“ unterstanden.  
Lediglich das „Jagdscharwerk“ behält sich der Landesherr auch weiterhin vor.  

Der baierische Kurfürst begründete diesen Schritt mit der „In Ansehung seiner - also Leiblfings - langjährigen und ersprießlichen guten Dienste“

22.06.1686 Ein getaufter Türke erzählt

Buda/Ofen - Au * Ein getaufter Türke erzählt in August Kühn´s Roman „Die Vorstadt“ folgende Geschichte über den, in seiner Muttersprache Mavi Kral genannten Blauen Kurfürsten Max Emanuel:

„Den 22. ist das Pulvermagazin in unserer Stadt in die Luft geflogen und hat uns großen Schaden getan, aber der Mavi Kral hat seine Soldaten im Graben vor den Mauern gehalten noch sechs Wochen lang.

Mein Aga hat mir von der auf dem Hügel gelegenen Citadelle der Stadt gezeigt, wie es im Christenlager zuging. Wenn sie dort einen von unserer Seite gefangen ha­ben, ist ihm die Haut abgezogen und die gedörrt worden. Nun weiß ich ja, daß die als ‚Mumia‘ den Ärzten und Apothekern als Heilmittel verkauft wurde, wie das gedörrte Menschenfleisch auch. Damals habe ich, wie viele Türken, die Soldaten des Mavi Kral für Menschenfresser gehalten, für gefährliche Wilde.

Noch mehr haben wir das glauben können, wie es zur Eroberung der Unterstadt am Wasser kam. Dabei sind auch die Frauen und sogar viele Kinder er­schlagen worden. Ein- und zweijährige Kinder spießten sie auf Lanzen oder warfen sie gegen die Mauer, bis sie tot waren. Zwei Tage danach mußte auch die Citadelle übergeben werden, aber der Mavi Kral lud meinen Beg zu Tisch und hat ihn umbringen lassen“.

17.07.1704 Ein Gelöbnis zur Abwehr der Zerstörung Münchens

München * Die drei Stände - Adel, Klerus und die Bürgerschaft Münchens - legen in der Frauenkirche ein „Gelöbnis zur Abwehr der Zerstörung Münchens im Spanischen Erbfolgekrieg“ ab.

Die Vision der Maria Anna Lindmayr, wonach Gott die schlimmsten Gefahren nur dann von der Stadt abwende würde, wenn man ihm eine „Kirche zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ baut, wird im „Gelübde der drei Stände“ nicht einmal erwähnt. 

05.08.1714 Die Vision der Maria Anna Lindmayr

München * Die erste schriftliche Niederlegung der Vision der Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr stammt von diesem Tag und wird von der Lindmayrin selbst verfasst. Im „Gelübde der drei Stände“ vom 17. Juli 1704 wird die Vision nicht einmal erwähnt.

Das zeigt wie falsch es ist, dass auch in der aktuellen Literatur immer wieder darauf hingewiesen wird, dass der Bau der Dreifaltigkeitskirche und das damit verbundene Gelöbnis der drei Münchner Stände „zur Abwehr der Zerstörung Münchens im Spanischen Erbfolgekrieg“ auf Veranlassung der Maria Anna Lindmayr erfolgt sei. 

05.05.1718 Das „Schloss Suresnes“ wird ein „Adelssitz mit Niedergerichtsbarkeit“

Schwabing * Kurfürst Max Emanuel lässt das Schlösschen seines „Geheimen Rats“ und „Kabinettsekretärs“ Ignaz von Wilhelm unter dem Namen „Sourenne“ zu einem „adeligen Sitz erheben und mit der Niedergerichtsbarkeit“ ausstatten.  

Das Schloss mit seinem Garten an der Werneckstraße in Schwabing ist noch erhalten und trägt den Namen „Suresnes“

29.05.1718 Die Einweihung der Dreifaltigkeitskirche

München-Kreuzviertel * Die offizielle Weihe der Dreifaltigkeitskirche vollzieht der Freisinger Fürstbischof Franz von Eckher von Kapfenberg und Lichteneck.

Das Gelöbnis der „drey Stände, Der Bürger, Edelleith, und gesamter Geistlichkeit“ vom 17. Juli 1704 ist damit endgültig erfüllt worden. Vierzehn Jahre hat es gedauert, wobei alleine die Suche nach einem geeigneten Bauplatz für die Dreifaltigkeitskirche über sieben Jahre in Anspruch nahm. Dabei standen insgesamt zwölf Bauplätze zur Diskussion. 

28.03.1729 Kurfürst Carl Albrecht setzt die Statuten des „Georg-Ritterordens“ in Kraft

München * Kurfürst Carl Albrecht setzt die Statuten des „Georg-Ritterordens“ in Kraft.

Voraussetzung für die Aufnahme in den Orden ist ein 300jähriger Adelsbesitzstand und 15 altadelige Ahnen väterlicher- und mütterlicherseits.

29.04.1775 Marquart Graf von Kreuth kauft den Kotterhof in Niedergiesing

Au * Der Kotterhof in Niedergiesing (= heute: Nockherberg) geht ebenfalls an Marquart Graf von Kreuth und wird zum Adelssitz Marquartskreith erhoben.

05.11.1784 „Pilgramsheim“ wird „Adelssitz mit allen Rechten“

Untergiesing * Kurfürst Carl Theodor erhebt - ohne allerdings die zuständigen Stellen einzubinden - das Anwesen des Franz Anton von Pilgram unter dem Namen „Pilgramsheim“ zum „Adelssitz mit allen Rechten“.

Das bringt nun aber die Baronin von Kern auf die Palme, da die Rechte, insbesondere die „Jurisdiktion“ über den ganzen „Pilgramsheim-Sitz“ ja der „Hofmark Falkenau“ untersteht.
Die Baronin erhebt Einspruch und der „Hofbankier“ Pilgram erhält den „allerhöchsten Befehl“, sich mit „derselben zu vergleichen“.

Die Einigung kommt aber erst zustande, nachdem die Baronin von Kern ihren Besitz an die Gräfin von Toerring-Seefeld verkauft hat.

01.08.1796 München erstmals mit Kriegsereignissen konfrontiert

München * Die Bewohner der Residenzstadt München werden erstmals mit den Kriegsereignissen konfrontiert.
Truppendurchmärsche sind jetzt an der Tagesordnung. 

Der Hass auf die verbündeten Österreicher übersteigt bei vielen Münchnern die Angst vor den herannahenden „Revolutionssoldaten“.

Die größte Abneigung hegt die Bevölkerung gegen die „Condéischen Soldaten“, die „in elenden Aufzügen“ durch München ziehen.
Es handelt sich dabei um Hilfstruppen französischer Emigranten, zumeist aus dem Adelsstand, die unter dem Kommando des Prinzen Louis-Joseph de Condé stehen und sich nach den Niederlagen der letzten Tage in Auflösung befinden.

Sie zeichnen sich durch außerordentliche Disziplinlosigkeit und besonders rücksichtsloses Betragen gegenüber der Zivilbevölkerung aus, das bis hin zu Misshandlungen und Plünderungen reicht.

01.05.1808 Die „Konstitution für das Königreich Baiern“ tritt in Kraft

München * Die „Konstitution des Königreichs Baiern“ tritt in Kraft.  

Die erste einheitliche Verfassung des Königreichs Baiern besteht aus 45 Paragraphen, die auf acht Seiten Platz finden.  

Nach der Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und dem großen Gebietszuwachs, den Baiern erfahren hat, ist es notwendig geworden, das Recht zu vereinheitlichen und die Rechtsgleichheit in den verschiedenen Landesteilen herzustellen.  
Nur Altbaiern war, bis auf wenige Enklaven, ein geschlossenes Staatsgebiet.
Ansonsten gleicht das neue Baiern mit seiner Anhäufung von Besitzungen verschiedener Fürsten, Grafen, Herren und Ritter eher einem „Fleckerlteppich“.  

Baiern muss nun zusammenwachsen und nach einheitlichen gesellschaftlichen und verwaltungsrechtlichen Grundsätzen regiert werden.  

  • Damit werden „alle besonderen Verfassungen, Privilegien, Erbämter und Landschaftliche Korporationen der einzelnen Provinzen“ aufgehoben.  
  • Die Verfassung garantiert die Gleichheit aller vor dem Gesetz und den Steuerbehörden sowie beim Zugang zu den Staatsämtern.  
  • Die Rechte des Adels werden darin eingeschränkt und deren bisherigen politischen Vorrechte ausdrücklich abgelehnt.  
    In einer neu eingeführten „Adelsmatrikel“ muss der Adelstitel erst staatlich anerkannt werden.  
  • Die „Leibeigenschaft“ wird ersatzlos abgeschafft.
  • Die Sicherheit des Eigentums wird ebenso gewährleistet, wie die „Gewissensfreiheit“ und die „Pressefreiheit“
    Letztere wird allerdings durch Gesetze teilweise wieder eingeschränkt.
  • Das Gesetz sieht ein „stehendes Volksheer“ und eine „Bürgermiliz“ vor.

Mit 21 Jahren muss jeder „Staatsbürger“ vor der Verwaltung seines „Kreises“ einen Eid ablegen, dass er „der Konstitution und den Gesetzen gehorchen - dem König treu sein wolle“.  
Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Monarchen darf kein „Staatsbürger“ auswandern oder ins Ausland reisen. 

Zum „Königlichen Hause“ wird in der „Konstitution“ festgelegt, dass die Krone erblich ist „in dem Manns-Stamme des regierenden Hauses, nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatisch-linealischen Erbfolge“.  
Die Prinzessinnen sind „für immer von der Regierung ausgeschlossen“, so lange noch männliche Nachkommen vorhanden sind.  
Sämtliche Familienmitglieder des königlichen Hauses stehen „unter der Gerichtsbarkeit des Monarchen, und können bei Verlust Ihres Erbfolge-Rechts nur mit dessen Einwilligung zur Ehe schreiten“.  

  • Nach den Bestimmungen der „Konstitution“ besteht zur Verwaltung des „Königreiches Baiern“ das „Ministerium“ aus fünf „Departements“:  dem des „Äußeren“, der „Justiz“, der „Finanzen“, des „Inneren“ und des „Kriegs-Wesens“.  
  • Zudem teilte sie das Königreich in „Kreise“ ein, um so einen einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaat zu schaffen.
  • Auch das Justiz- und Militärwesen werden neu organisiert.  

Ein „Parlament“ ist in Form einer „National-Repräsentation“ vorgesehen, kommt aber nicht zustande.  
Gleichwohl werden die Vertretungen der einzelnen Teilgebiete des Königreichs mit Inkrafttreten der Verfassung abgeschafft.  

  • Die „National-Repräsentanten“ sollten für die Dauer von sechs Jahren gewählt werden.  
  • Dazu sollten in jedem der acht „Kreise“ von den 200 höchstbesteuerten „Land-Eigenthümern, Kaufleuten und Fabrikanten“ von Wahlmännern sieben Mitglieder gewählt werden.  
    Diese 56 Gewählten hätten dann die „Reichs-Versammlung“ gebildet.  

Durch die Einführung der „Konstitution“ verhindert Minister Maximilian Joseph von Montgelas, dass der auf Napoléon Bonapartes Drängen geschlossene „Rheinbund“ die Souveränität des „Königreich Baierns“ zu stark einschränkt.

22.09.1814 Aron Elias Seligmann wird in den Adelsstand erhoben

München * Der mittlerweile zum Königlich Baierischen Hofbankier aufgestiegene Aron Elias Seligmann wird von König Max I. Joseph als erster Jude in Baiern in den erblichen Adelsstand erhoben, „nobilitiert“.  

Seither nennen sich er und seine zehn Kinder „von Eichthal“.  
Damit verbunden ist auch die Verleihung des Wappens der ausgestorbenen Familie von Thalmann in Augsburg. 

26.05.1818 Das „Adelsedikt“ teilt den baierischen Adel in fünf Klassen ein

München * Das „Adelsedikt“ teilt den baierischen Adel in fünf Klassen ein:
Fürsten, Grafen, Freiherrn, Ritter (durch Verdienstorden) und einfache „von“

21.10.1819 Baron Aron Elias von Eichthal konvertiert zum katholischen Glauben

München-Au * Baron Aron Elias von Eichthal konvertiert - wie zuvor schon seine Söhne Simon, Bernhard und Arnold - zum Katholizismus.

Er lässt sich in der Auer „Carl-Borromäus-Kirche“ [?] taufen und nimmt zusätzlich den Namen Leonhard an. 
Seine Ehefrau Hindele/Henriette, eine geborene Levi, lässt sich hingegen nicht taufen. 

Ihre gemeinsamen Kinder können nun auch in den bayerischen Adel einheiraten. 

16.02.1847 Verärgert entlässt König Ludwig I. das gesamte Kabinett

München * Die Veröffentlichung des „Memorandums“ von Karl August von Abel in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ verärgert den starrsinnigen König derart, dass er in seiner Empörung die vier „aufsässigen Minister“ entlässt.

Für die „Ultramontanen“ um „Minister“ Abel kommen jetzt liberale Männer in Amt und Würden.  

Man spricht jetzt vom „Ministerium der Morgenröte“.  

Mit der Neubesetzung der „Ministerien“ steht der Ernennung der Señora Lola Montez zur Gräfin Maria von Landsfeld nichts mehr im Weg.  

Immerhin ist es den deutschen Landesfürsten seit dem Jahr 1806 möglich, selbst „Adelsbriefe“ auszustellen.  
Auch König Ludwig I. macht von dieser Regelung regen Gebrauch und „adelte“ seine Künstler reihenweise - bezahlt sie dafür aber schlecht. 

04.08.1847 Das „Adelsdiplom“ für Lola Montez

München * König Ludwig I. erteilt seinem „führenden Minister“ Georg Ludwig Freiherr von Maurer den Auftrag, das „Adelsdiplom“ für Lola Montez entsprechend dem üblichen Reglement gegenzuzeichnen.  

Vorsorglich teilte ihm Ludwig mit:  
„Es ist keine Verfassungsverletzung das Grafendiplom zu unterzeichnen, für Adelsverleihungen braucht der König niemand zu vernehmen“.  
Sollte er sich jedoch sträuben, droht der Bayernmonarch „einen anderen Ministerverweser zu benennen“.  

Gleichzeitig schreibt Ludwig I. seiner Geliebten:  
„An meinem Geburtstag mache ich mir selbst das Geschenk, Dir die Gräfinnen-Würde zu verleihen“

14.08.1847 „Minister“ Maurer unterzeichnet das „Adelsdiplom“ für Lola Montez

München * „Minister“ Maurer unterzeichnet das „Adelsdiplom“, sodass es der Gräfin Maria von Landsfeld alias Lola Montez am 25. August 1847, dem Geburtstag König Ludwigs I., in der „Hofkirche“ ausgehändigt werden kann. 

25.08.1847 Aus Lola Montez wird die Gräfin Maria von Landsfeld

München-Graggenau * Lola Montez erhält an König Ludwigs I. 61. Geburtstag in der „Hofkirche“ ihr „Adelsdiplom“, das sie zur Gräfin Maria von Landsfeld macht.  

Das „Adelsdiplom“ hat den folgenden Wortlaut:  
„Wir Ludwig von Gottes Gnaden König von Bayern, Franken und in Schwaben urkunden und bekennen hiermit, dass Wir beschlossen haben, die aus Spanischem Adel geborene Maria von Porrys und Montez, Lola Montez, in den gräflichen Stand unter der Benennung einer Gräfin von Landsfeld allergnädigst zu erheben“.  

Das gräfliche Wappen hat der König höchstpersönlich entworfen.  
Es ist, wie der Name selbst, ein Phantasiegebilde, denn eine „Grafschaft Landsfeld“ gibt und gab es nie. 

02.09.1847 Das Geschäft mit dem Adelsdiplom für Lola Montez

München * Wenn Freiherr Georg Ludwig von Maurer schon das Adelsdiplom für Lola Montez unterzeichnen soll, will er wenigstens daraus ein Geschäft machen und retten, was zu retten ist. Er selbst will zum Reichsrat befördert werden und seinem Sohn Konrad will er durch den Ruf an die juristische Fakultät der Universität die Zukunft sichern.  

Der Titel eines Reichsrats wird Minister Maurer zwar verwehrt, aber sein Sohn Konrad erhält an diesem 2. September 1847 eine außerordentliche Professur der Rechte

06.09.1847 Jetzt gerät Königin Therese in Rage

München * Erst jetzt beauftragt König Ludwig I. seinen „Staatsrat“ und „Innenminister“ Franz von Berks mit der Veröffentlichung der Ernennung Lola Montez zur Gräfin Landsfeld im „Regierungsblatt“.  

Dadurch gerät jetzt allerdings die Königin Therese in Rage. 

04.06.1848 Die ständischen Privilegien des Adels werden endgültig gebrochen

München-Kreuzviertel * Mit einem weiteren „Reformgesetz“ werden auch die letzten Elemente der „feudalen Grundherrschaft“ im „Königreich Bayern“ beseitigt.  

Im „I. Abschnitt“ des „Gesetzes über die Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit, dann die Aufhebung, Fixierung und Ablösung von Grundlasten“ hebt König Max II. die „standes- und gutsherrliche Gerichtsbarkeit“ auf.  

Das Gesetz entzieht den „Gutsherren“ die „Gerichtsbarkeit“ und die „Polizeigewalt“ ohne Entschädigung und überträgt diese Befugnisse auf den Staat.  

Damit sind die letzten Reste des „feudalen Staatsaufbaus“ abgeschafft worden.  
Dem Aufbau einer modernen einheitlichen „Justizverwaltung“ steht nun nichts mehr im Weg. 

13.09.1848 Preußens König Friedrich Wilhelm IV. provoziert das Parlament

Berlin * In Berlin überträgt König Friedrich Wilhelm IV. seinem „General“ Friedrich Graf von Wrangel das „Commando über sämmtliche Truppen“.  

Auf diese Provokationen antwortete die „Nationalversammlung“, indem sie die Abschaffung von Adel, Titel und Orden sowie das „von Gottes Gnaden“ des preußischen Königs beschließt. 

01.05.1853 Lola Montez reist mit dem Schiff „Philadelphia“ nach Panama City

Cincinnati - Panama City * Lola Montez, die „pikante Abenteuerin“, reist mit dem Schiff „Philadelphia“ in Richtung Panama City ab. 

01.10.1854 Au, Giesing und Haidhausen werden nach München eingemeindet

München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

  • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
  • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
  • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner.
Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen.
Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern.

Der „Burgfrieden“ von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu.
Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar.

Wegen der noch grassierenden „Cholera-Epidemie“ erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.

01.05.1890 Arnold Zenetti wird mit dem „Kronenorden“ geadelt

München * In Anerkennung seiner Verdienste erhält Arnold Zenetti viele hohe Auszeichnungen:

  • die „Goldene Bürgermedaille der Stadt München“,
  • den Titel „Oberbaurat“ und
  • zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum den mit dem persönlichen Adel verbundenen „Kronenorden“, der ihm vom Prinzregenten Luitpold persönlich an die Brust geheftet wird. 
02.01.1906 Franz Stuck darf den Namenszusatz „von“ führen

München * Franz von Stuck wird in die „Adelsmatrikel“ eingetragen. 

Seither darf er den Namenszusatz „von“ führen. 

06.10.1906 Ludwig Thoma muss eine sechswöchige Haft antreten

München-Stadelheim * Ludwig Thoma muss eine sechswöchige Haft in der Vollzugsanstalt Stadelheim antreten. Anlass ist sein Gedicht „An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine“

16.10.1906 Ludwig Thoma tritt eine sechswöchige Haftstrafe an

München-Obergiesing * Ludwig Thoma tritt eine sechswöchige Haftstrafe in der Strafvollzugsanstalt Stadelheim an. Er ist für schuldig befunden worden, mit seinem Gedicht „An die Sittlichkeitsprediger“ die Kirche beleidigt zu haben.

01.05.1913 Bischof Michael Faulhaber wird in den Adelsstand erhoben

München * Bischof Michael Faulhaber wird das „Ritterkreuz des Kgl. Verdienstordens der bayerischen Krone“ verliehen. 

Seither kann er den Zusatz „von“ in seinem Namen führen.

20.08.1917 Auf dem Marienplatz findet eine Frauendemonstration statt

München-Graggenau * Auf dem Marienplatz findet eine Frauendemonstration statt.

Die Polizei kann die Rädelsführerin nicht festnehmen, weil sie ein Baby auf dem Arm trägt.

18.09.1917 Die SPD bringt den „Antrag Auer-Süßheim“ ein

München-Kreuzviertel * Ein von der „SPD“ in der „Bayerischen Abgeordnetenkammer“ eingebrachter „Reformantrag“, genannt  „Antrag Auer-Süßheim“, fordert:  

  1. Ersetzung des Zweikammersystems durch das Einkammersystem.
  2. Aufhebung der Kammer der Reichsräte.
  3. Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zum Landtag für alle volljährigen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts nach den Grundsätzen der Verhältniswahl.
  4. Ausbau der Gesetzesinitiative des Landtags.
  5. Beseitigung des königlichen Sanktionsrechts.
  6. Ernennung der Minister und Bundesratsmitglieder nach Vorschlag des Landtags.
  7. Selbstbestimmungsrecht des Landtags in Bezug auf Zusammentritt und Vertagung.
  8. Einjähriger Staatshaushalt.
  9. Beseitigung aller Vorrechte der Geburt und des Standes, Aufhebung der bisherigen Privilegien der Standesherren, Abschaffung des Adels.
  10. Verbot der Bildung neuer und der Vergrößerung bisheriger Fideikommisse. Auflösung der bestehenden Fideikommisse.
  11. Aufhebung der bisherigen Privilegien des Königs und der Mitglieder der königlichen Familie, insbesondere der Steuer- und Portofreiheit, der Unverantwortlichkeit und des besonderen Gerichtsstandes.
  12. ​Trennung der Kirche vom Staat, Aufhebung der Privilegien der anerkannten Religionsgemeinschaften. Vollkommene Durchführung der Gewissens-, Religions- und Kultusfreiheit. 
15.03.1918 Sarah Sonja Lerch wird ins Gefängnis Stadelheim überstellt

München-Au - München-Stadelheim * Die noch immer an Zahnschmerzen leidende Sarah Sonja Lerch wird aufgrund der „Steigerung ihrer seelischen Erregungszustände“ vom Gerichtsgefängnis Neudeck in Gefängnis Stadelheim gebracht. 

19.03.1918 Nach drei Wochen endlich zum Zahnarzt

München-Stadelheim * Die seit Ende Februar an Zahnschmerzen leidende Sarah Sonja Lerch wird im Gefängnis Stadelheim vom Zahnarzt behandelt. 

Drei Wochen hat das Warten gedauert, was von der Behörde auf den komplizierten Verwaltungsweg zurückgeführt wird. Aber eigentlich ist das Folter

29.03.1918 Sarah Sonja Lerch hat sich in der Isolierzelle erhängt

München-Stadelheim * Dr. phil. Sarah Sonja Lerch, eine Aktivistin während der Münchner Januarstreiks, wird an diesem Karfreitag in einer Isolierzelle im Gefängnis Stadelheim in der Schlinge ihres Schals erhängt aufgefunden.

Eine behördliche Untersuchung ihres Todes wird offensichtlich unterlassen. 

In ihrer fast achtwöchigen Untersuchungshaft hat sie ihr Ehemann Dr. Eugen Lerch nicht besucht. 

01.04.1918 Sarah Sonja Lerch wird beerdigt

München * Dr. phil. Sarah Sonja Lerch, geborene Rabinowitz, eine der Anführerinnen der Januarstreiks, wird am Ostermontag auf dem Neuen Israelitischen Friedhof an der Garchinger Straße beerdigt. 

Ein Vertreter der USPD legt einen Kranz am Grab ab und erklärt, dass die Polizei einen Nachruf verboten hat.
Josef Sontheimer ergreift daraufhin das Wort, wird aber sofort verhaftet und mit Handschellen gefesselt abgeführt.

Frau Lerch war gemeinsam mit Kurt Eisner, Albert Winkler, Hans Unterleitner, Emilie und Babette Landauer und anderen wegen Landesverrats verhaftet worden.

Die 35-jährige Sarah Sonja Lerch hat sich am 29. März 1918 im Gefängnis Stadelheim erhängt.
Sie wird nicht die letzte Sozialdemokratin sein, die im Freitod die Erlösung aus offenbar nicht zu verändernden Verhältnissen sucht. 

02.04.1918 Der Vorwärts berichtet über den Freitod der Sarah Sonja Lerch

München * Die SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ berichtet in ihrer Ausgabe über das Ableben der Sarah Sonja Lerch:  

„Im Untersuchungsgefängnis Stadelheim erhängte sich nachmittags die beim letzten Streik bekanntgewordene Frau Sara Sonja Lerch, gegen die zusammen mit dem Schriftsteller Kurt Eisner ein Landesverratsverfahren eingeleitet war. -

Die Umstände, unter denen die bedauernswerte Frau zu ihrer Verzweiflungstat getrieben wurde, bedürfen der Aufklärung. Soviel wir wissen, handelt es sich im Falle der Frau Lerch, einer geborenen Russin, um eine reine Idealistin, die mit ihrer Streikpropaganda der Sache der Menschheit einen Dienst zu erweisen glaubte.

Die Strafe, mit der sie zu rechnen hatte, war nicht so erschreckend, dass sie den freiwilligen Tod ihr vorziehen konnte. Es bleibt also unklar, was diese Frau zu ihrem Selbstmord getrieben hat. […]“

18.05.1918 Lorenz Winkler tritt in den Hungerstreik

München-Stadelheim * Lorenz Winkler, Aktivist beim Münchner Januarstreik, beginnt einen Hungerstreik.

Er wird daraufhin psychiatrisch untersucht. 

29.05.1918 Lorenz Winkler kommt in die Psychiatrie

München * Lorenz Winkler, Aktivist beim Münchner Januarstreik, wird bis 23. Juli 1918 in die Psychiatrie eingeliefert. 

07.06.1918 Kurt Eisner wird von Neudeck nach Stadelheim verlegt

München-Au - München-Stadelheim * Ohne Mitteilung über eine Änderung in seinem Status als Untersuchungsgefangener wird Kurt Eisner - laut seinem Gefängnis-Tagebuch - zwischen dem 6. und 15. Juni 1918 vom Gerichtsgefängnis Neudeck in die staatliche Strafanstalt in Stadelheim verlegt.

Er wird in Stadelheim in der Zelle 70 untergebracht. In dieser Zelle sollte später auch der Eisner-Mörder Anton Graf von Arco auf Valley, ab 1923 der Putschist Adolf Hitler einsitzen. Der SA-Führer Ernst Röhm wird in der Nacht vom 30. Juni 1934 in der Zelle 70 erschossen. 

19.07.1918 Kurt Eisner beklagt sich bei Karl Kautsky

München-Stadelheim - Berlin * Kurt Eisner schreibt an den USPD-Mitbegründer Karl Kautsky und beschwert sich darin: „Jetzt sitze ich bald ein halbes Jahr. […] Die Voruntersuchung ist sachlich, aber noch nicht formell abgeschlossen“.

Kurt Eisner beginnt merklich zu altern und leidet unter Anfällen von Depressionen. 

14.10.1918 Kurt Eisner wird aus der Haft entlassen

München-Obergiesing * Abends, um 20:30 Uhr, kann Kurt Eisner die Haftanstalt Stadelheim verlassen.

Er wird auf Entscheidung des 1. Senats des Reichsgerichts Leipzig entlassen, damit er an der am 17. November stattfindenden Reichstagswahl teilnehmen kann. Und das, obwohl sich der Oberreichsanwalt gegen die Entlassung ausgesprochen hatte. In der Begründung zu diesem Gerichtsbeschluss wird aufgeführt, dass eine Fluchtgefahr ausgeschlossen sei und eine Verdunkelungsgefahr nicht besteht. 

03.11.1918 Die Freilassung der Januarstreik-Gefangenen gefordert

München-Stadelheim - Leipzig * Um 13 Uhr verlangt eine Abordnung vor dem Gefängnis Stadelheim die Freilassung der wegen der Januarstreiks noch immer Inhaftierten. 

Am Abend trifft ein Telegramm des Oberreichsanwalts aus Leipzig in, in dem die Haftbefehle aufgehoben werden.

03.11.1918 Erste Friedensdemonstration der USPD seit den Januarstreiks

München-Theresienwiese * Um 10 Uhr Vormittag findet auf der Theresienwiese, an der Freitreppe unterhalb der Bavaria, die erste Friedensdemonstration der USPD seit den Januarstreiks statt. Lediglich 800 bis 1.000 Personen nehmen daran teil. Das liegt daran, dass das Generalkommando den Anschlag von Plakaten verboten hatte. Da die finanziellen Mittel zum Druck von Flugblättern fehlten, konnte die Einladungen zu dieser Kundgebung mit hektographierten Handzetteln erfolgen.

Hans Unterleitner erklärt am Versammlungsbeginn, dass die Veranstaltung nur unter folgenden Bedingungen des Polizeipräsidiums genehmigt worden ist:

  • Keine Entschließung zu fassen, dass die heutige Regierung durch eine Volksregierung ersetzt werden müsse,
  • keine Aufforderung an die Soldaten ergehen zu lassen, die Waffen niederzulegen,
  • keine Demonstrationszüge zu veranstalten beziehungsweise hiezu aufzufordern.

Kurt Eisner betont in seiner Rede den Friedenswillen des deutschen Volkes und sagt: „Von der eingerosteten deutschen Regierung in Berlin sind Taten zur Herbeiführung des Friedens nicht zu erwarten, deshalb muss eine Volksregierung in Bayern sofort Frieden schließen“ und fordert auf zum „Sturz der Monarchie“ und zur „politischen Revolution“.

Das Abkommen über parlamentarische Reformen vom Vortag bezeichnet er als „unaufrichtig und unzureichend“.

In Hinblick auf die am 30. Oktober in Wien gebildete Staatsregierung der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich sagt Eisner: „Wir grüßen über die Grenze die neue österreichische Republik und fordern, dass eine vom Volk einzusetzende bayerische Regierung mit den deutschen Republikanern Österreichs gemeinsam den Frieden im Namen Deutschlands verkündet, sofern in Berlin nicht der Wille oder die Macht vorhanden ist, den Frieden sofort zu erreichen“

Aufgrund des Demonstrationsverbots wird im Anschluss an die Versammlung ein Spaziergang nach Stadelheim angetreten. 

10.01.1919 Mehrere Tote nach Schießerei am Bahnhofsplatz

München-Ludwigsvorstadt * Die aus der Haft in Stadelheim entlassenen Erich Mühsam und Eugen Leviné sprechen im Festsaal des „Mathäserbräu“.   

Es kommt zu einer Schießerei, bei der ein Chauffeur getötet und ein 14-jähriger Lehrling verwundet wird.  

Gegen 22:30 Uhr kommt es auf dem Bahnhofsplatz zu einer Schießerei zwischen den Demonstranten und der „Bahnhofswache“.  

Als die Demonstranten in den Südbau des Bahnhofs einzudringen versuchen, eröffnet die „Bahnhofswache“ ein Maschinengewehrfeuer, in dem drei Frauen und zwei Männer getötet sowie 15 Personen schwer verwundet werden. 

14.01.1919 Die am Januarstreik beteiligten werden amnestiert

München * Aufgrund der „Amnestie“ vom 12. November 1918 stellt das „Reichsgericht“ die „Strafverfahren“ gegen die am „Januarstreik“ Beteiligten ein.  

Amnestiert werden: der „Schriftsteller“ Kurt Eisner [derzeit „Bayerischer Ministerpräsident“], der „Schlosser“ Hans Unterleitner [derzeit bayerischer „Sozialminister“], der „Schreinermeister“ Albert Winter, die „Buchhalterinnen“ Emilie Landauer und Betty Landauer, der „Mechaniker“ Lorenz Winkler, der „Eisendreher“ Franz Xaver Mettler, der „Student“ Ernst Toller, der „Handlungsgehilfe“ Richard Kämpfer, der „Schriftsetzer“ Theobald Michler, der „Werkzeugmacher“ Georg Lang, der „Geschäftsführer“ Fritz Schröder und der „Soldat“ Carl Kröpelin.  

Die am 1. Februar 1918 als „Rednerin“ verhaftete und in die „Strafvollzugsanstalt Stadelheim“ gebrachte „Privatdozentsgattin“ Sara Sonja Lerch hat sich dort am 30. März 1918 erhängt.  

21.02.1919 Verwüstungen und Plünderungen

München * Die Redaktionsräume der Münchner Zeitungen werden besetzt und bereits gedruckte Exemplare in Paketen auf die Straße geworfen.  

Trotz der „Ausgehsperre“ ab 19 Uhr kommt es in der Nacht zu Plünderungen von Adelspalais in Bogenhausen und Schwabing. 

11.03.1919 In Stadelheim verhandelt das Volksgericht über 21 Plünderer

München-Obergiesing * In Stadelheim verhandelt das Volksgericht über 21 zumeist jugendliche Angeklagte, die am 21. Februar zum Teil gewaltsam in Häuser eingedrungen sind und plünderten. 

18.03.1919 Die neue bayerische Regierung wird bekannt gegeben

München-Kreuzviertel * Die neue bayerische Regierung wird bekannt gegeben:

  • Ministerpräsident Johannes Hoffmann [SPD] übernimmt das Ministerium des Äußeren sowie das Ministerium für Unterricht und Kultus,
  • Fritz Endres [SPD] wird Justizminister,
  • Martin Segitz [SPD] übernimmt das Ministerium des Inneren,
  • Staatsrat von Merkel übernimmt in Vertretung das Finanzministerium,
  • Heinrich Ritter von Frauendorfer [Parteilos] leitet das Verkehrsministerium,
  • Hans Unterleitner [USPD] steht an der Spitze des Ministeriums für Soziale Fürsorge,
  • Josef Simon [USPD] übernimmt das Ministerium für Handel und Gewerbe,
  • Martin Steiner [Bayerischer Bauernbund] führt das Landwirtschaftsministerium und
  • Ernst Schneppenhorst wird Minister für militärische Angelegenheiten.

Mit großer Mehrheit wird das Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels angenommen.

Danach vertagt sich der Landtag wieder. 

Die Koalitionsregierung wird von Anfang an von der revolutionären Arbeiterschaft abgelehnt und kann auch im weiteren Verlauf kein Vertrauen gewinnen, weil sie sich gegen Zugeständnisse in der Rätefrage sperrt und von ihr „keine ernsthafte Sozialsierungspolitik“ zu erwarten ist. 

22.03.1919 Artikel gegen das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“

München * Die „München-Augsburger Abendzeitung“ wendet sich in einem Artikel gegen das vom „Bayerischen Landtag“ vier Tage zuvor beschlossene „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“.

05.04.1919 Das Führen bayerischer Adelstitel wird ausdrücklich verboten

München-Kreuzviertel * Bezugnehmend auf das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“ wird in einer Bekanntmachung der Staatsregierung das Führen bayerischer Adelstitel ausdrücklich verboten.

Das Gesetz wird durch die „Weimarer Verfassung“ vom 11. August wieder aufgehoben. 

12.04.1919 Eine umfangreiche Liste von festzunehmenden Personen

In der Nacht zum 13. April wird von Alfred von Seiffertitz, Franz Guttmann, Emil Aschenbrenner und Walter Löwenfeld eine umfangreiche Liste von festzunehmenden Personen aufgestellt. Die Regierung in Bamberg lässt ihnen dabei größtmögliche Freiheit. 

Es sollten aber hauptsächlich Leute verhaftet werden, „die entweder als Haupträdelsführer mitgewirkt hätten, oder von denen bekannt und anzunehmen war, dass sie zu den Haupthetzern gehörten“.  

13.04.1919 Die „Verhaftungskommission des Zentralrats“ nimmt Geiseln

München * Zwischen 2 und 3 Uhr nimmt die „Verhaftungskommission des Zentralrats“ Geiseln aus der Münchner Bürgerschaft und dem Adel fest. 

Die Festgenommenen werden in die Polizeidirektion gebracht. 

Unter den Verhafteten befindet sich auch der „Bahnhofskommandant“  Emil Aschenbrenner, der aber später von seinem Stellvertreter wieder befreit wird und sich danach umgehend zum Hauptbahnhof begibt. 

02.05.1919 Gustav Landauer wird im „Gefängnis Stadelheim“ grausam ermordet

München-Obergiesing * Gustav Landauer wird im „Gefängnis Stadelheim“ grausam ermordet. 

02.05.1919 92 „Spartakisten“ und „Rotarmisten“ werden erschossen

München-Obergiesing * 92 „Spartakisten“ und „Rotarmisten“ werden alleine an diesem Tag im „Gefängnis Stadelheim“ standrechtlich erschossen. 

03.05.1919 In „Stadelheim“ werden 50 „Spartakisten“ standrechtlich erschossen

München-Obergiesing * In „Stadelheim“ werden 50 „Spartakisten“ standrechtlich erschossen.

Am gleichen Tag werden die meisten der 42 zum Tod verurteilten „Rotarmisten“ hingerichtet. 

05.06.1919 Eugen Leviné wird im „Gefängnis Stadelheim“ erschossen

München-Obergiesing * Der Kommunistenführer Eugen Leviné wird an der Gefängnismauer im „Gefängnis Stadelheim“ erschossen. 

Zuvor erhebt er noch die Faust und ruft: „Es lebe die Weltrevolution!“

11.08.1919 Die Weimarer Verfassung hebt bayerische Gesetze auf

Weimar * Das Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels wird durch die Weimarer Verfassung vom 11. August wieder zurückgenommen. Bis dahin ist das Führen bayerischer Adelstitel ausdrücklich verboten. 

14.08.1919 Die „Bayerische Verfassung“ tritt in Kraft

München * Die „Bayerische Verfassung“ tritt in Kraft. 

 In Artikel 15 heißt es:
„(1) Alle Bayern sind gleich.
(2) Der bayerische Adel ist aufgehoben“

19.09.1919 Die sechs zum Tode Verurteilten werden hingerichtet

München-Obergiesing * Die sechs zum Tode Verurteilten aus dem ersten „Geiselmordprozess“ werden im „Gefängnis Stadelheim“ durch Erschießen hingerichtet. 

15.10.1919 Eine weitere Erschießung im „Gefängnis Stadelheim“

München-Obergiesing * Der zum Tode Verurteilte aus dem zweiten „Geiselmordprozess“ wird im „Gefängnis Stadelheim“ durch Erschießen hingerichtet. 

14.06.1920 Das Todesurteil aus dem dritten „Geiselmordprozess“ wird vollzogen

München-Obergiesing * Das Todesurteil aus dem dritten „Geiselmordprozess“ wird im Gefängnis Stadelheim durch Erschießen vollzogen. 

04.12.1934 In Karl Valentins „Panoptikum“ wird eine „Guillotine“ ausgestellt

München-Ludwigsvorstadt * In Karl Valentins „Panoptikum“ ist auch die Nachbildung der im „Gefängnis Stadelheim“ verwendeten „Fallschwertmaschine“ (= „Guillotine“) ausgestellt.
Der „Nachrichtergehilfe“ Donderer erklärt dem Publikum die Tötungsvorrichtung.

Nun fragt das „Bayerische Justizministerium“ beim „Innenministerium“ an, ob die Genehmigung der Darstellung der Hinrichtung weiterhin aufrecht erhalten werden soll.

Gleichzeitig wird ausgeführt, dass „der bisherige Nachrichtergehilfe Donderer [...] künftig zur Vollstreckung von Todesurteilen nicht mehr herangezogen werden [wird]“

Er wird wegen seiner Erklärertätigkeit im „Panoptikum“ aus dem Staatsdienst entlassen. 

16.02.1935 Keine Probleme mit der „Fallschwertmaschine“ in Valentins „Panoptikum“

München * Das „Bayerische Innenministerium“ hat mit der Ausstellung der Nachbildung der im „Gefängnis Stadelheim“ genutzten „Fallschwertmaschine“ in Karl Valentins „Panoptikum“ keinerlei Probleme.

Denn: „Der unbefangene Besucher kommt bei der Besichtigung dieser Hinrichtungsszene wohl nicht auf den Gedanken, dass die Darstellung genau der Wirklichkeit entspricht, vielmehr hält er sie, wie auch die sonstigen Gegenstände des Juxmuseums für ein Erzeugnis der verschrobenen Fantasie des Ausstellers Valentin. 

Durch ein Verbot dieser Hinrichtungsszene würden zweifellos mehr abträgliche Wirkungen ausgelöst werden, als durch deren Weiterduldung“

05.06.1937 Rupert Mayer wird wegen „Nichtbeachtung des Redeverbots“ inhaftiert

München * Pater Rupert Mayer wird wegen „Nichtbeachtung des Redeverbots“ in der „Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais“, dann im „Corneliusgefängnis“ und schließlich im „Gefängnis Stadelheim“ inhaftiert.

Die Anklage vom 7. Juli wird ihm vorgeworfen: „[...] fortgesetzt öffentlich hetzerische Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und deren Anordnungen gemacht zu haben, die geeignet sind, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben“.

15.01.1938 Pater Rupert Mayer im „Gefängnis Stadelheim“ inhaftiert

München-Obergiesing * Pater Rupert Mayer wird zwei Tage im „Gefängnis Stadelheim“ inhaftiert.

27.01.1943 Wilhelm Heppert wird durch den „Scharfrichter“ hingerichtet

München-Obergiesing * Wilhelm Heppert, der die Kassiererin der „Museum-Lichtspiele“ überfallen und die Kasse um 150 Mark erleichtert hat, wird im „Strafgefängnis München-Stadelheim“ durch den „Scharfrichter“ hingerichtet. 

Sein Leichnam wird dem „Anatomischen Institut“ zur Verfügung gestellt.

22.02.1943 Todesurteile gegen Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst

München - München-Obergiesing * Nach dem dreitägigen Verhör bei der „Gestapo“ folgt der Prozess gegen die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ vor dem „Volksgerichtshof“ unter dem Vorsitz des eigens aus Berlin angereisten Dr. Roland Freisler.

Hans und Sophie Scholl werden gemeinsam mit Christoph Probst zum Tod verurteilt.

Das Urteil wird noch am selben Tag im „Strafgefängnis München-Stadelheim“ durch den  „Scharfrichter“ Johann Reichhart vollstreckt.

13.07.1943 Alexander Schmorell und Kurt Huber sterben im „Gefängnis Stadelheim“

München-Obergiesing * Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber, Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, sterben im „Gefängnis München-Stadelheim“ unter der „Guillotine“ von Johann Reichhart.

05.08.1943 Walter Klingenbeck wird in Stadelheim hingerichtet

München-Obergiesing * Walter Klingenbeck wird im Alter von 19 Jahren im Gefängnis Stadelheim hingerichtet bzw. ermordet.

12.10.1943 Das Todesurteil gegen Willi Graf wird vollstreckt

München-Obergiesing * Das Todesurteil gegen Willi Graf, ein Mitglied der „Weißen Rose“, wird durch den „Scharfrichter“ Johann Reichhart im „Gefängnis München-Stadelheim“ vollstreckt.

14.01.1947 Umbenennungen von Straßen mit kolonialgeschichtlichem Hintergrund

München-Graggenau - München-Waldtrudering * Im Zuge der „Entnazifizierung der Straßennamen“ werden in München etwa 200 Straßen umbenannt. Darunter befinden sich auch Straßen mit „kolonialem Bezug“.

So werden in Waldtrudering die „Admiral-Hipper-Straße“ in „Dresselstraße“ und die „Maerckerstraße“ in „Adelmannstraße“ umbenannt.

Zudem ändert man die Namenserläuterungen der „Iltisstraße“, der „Möwestraße“ und der „Niobestraße“.
Sie beziehen sich nun nicht mehr auf „Kanonenboote“ sondern auf Tiere und Sagen. 

26.09.2018 Das Lokal in der Burgstraße 5 heißt jetzt „Weinstadel“

München-Graggenau * Das Lokal in der Burgstraße 5 heißt jetzt nur noch „Weinstadel“.




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