Personenverzeichnis

Johannes Timm

Ereignisse

30.01.1918 Streik-Aktivitäten der USPD verurteilt

München * Die Delegierten des Münchner Gewerkschaftsvereins beschließen eine Resolution, in der sie die Aktivitäten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei - USPD zum Streik verurteilen.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Johannes Timm verständigt sich mit dem MSPD-Parteisekretär Erhard Auer, an der für den nächsten Tag angesetzten Versammlung der Münchner kriegswichtigen Betriebe teilzunehmen.

Sie wollen durch ihre Präsenz

  • Gegenmaßnahmen einleiten,
  • die Bewegung in geordnete Bahnen lenken und
  • den Streik so bald als möglich beenden. 
08.11.1918 Eine Provisorische Bayerische Regierung wird gebildet

München-Kreuzviertel * Um 15:38 Uhr tritt der Provisorische Nationalrat des Volksstaatse Bayern zu seiner zweiten Sitzung zusammen, um eine Provisorische Bayerische Regierung zu wählen.  

Eisner schlägt folgende Zusammensetzung der Regierung vor:  

  • Das Ministerium des Äußeren und damit das Präsidium übernimmt Kurt Eisner selbst.  
  • Vizepräsident und Kultusminister wird der Mehrheitssozialdemokrat Johannes Hoffmann.  
  • Ebenfalls MSPD sind der Minister für militärische Angelegenheiten, Albert Roßhaupter, 
  • und der Justizminister Johannes Timm.  
  • Das Innenministerium erhält der Vorsitzende der bayerischen Mehrheitssozialdemokraten, Erhard Auer.  
  • Das Verkehrsministerium überträgt Eisner einem bürgerlichen Fachmann: Heinrich von Frauendorfer.  
  • Das Ministerium der Finanzen vertraut Eisner dem Professor für Staatswissenschaften, Edgar Jaffé an, der den Unabhängigen nahe steht.  
  • Das neu geschaffene Ministerium für soziale Angelegenheiten leitet der Unabhängige Sozialdemokrat Hans Unterleitner.  

Die Benennung Erhard Auers zum Innenminister ruft neben Beifall auch Unmutsäußerungen hervor. Bei der Abstimmung erhält Auer eine überwiegende Mehrheit.  

Eisner will mit Auers Ernennung seinen schärfsten Gegner unter Kontrolle bringen. Daneben ist ihm bewusst, dass die MSPD die Nichtbesetzung des Innenministeriums mit ihrem Vorsitzenden als Affront empfunden und sich möglicherweise mit der Bourgeoisie gegen die Revolutionsregierung verbünden würde. Auer dagegen kann der MSPD dadurch den Einfluss auf die kommenden Ereignisse sichern.  

Das Landwirtschaftsministerium wollte Eisner ursprünglich mit einem revolutionären Bauernbündler besetzen. Doch das kann Erhard Auer verhindern. Es wird nicht gebildet, da der MSPD-ler darin eine Beschneidung seines Ressorts sieht und er dem Eisner-nahen Bayerischen Bauernbund - BBB kein zusätzliches Machtinstrument an die Hand geben will. 

02.12.1918 Auer drängt auf die Festsetzung eines Wahltermins

München * Es kommt erstmals zur offenen Regierungskrise, nachdem Innenminister Erhard Auer auf die Festsetzung eines Termins zur Wahl der Bayerischen Nationalversammlung besteht. Die Minister Erhard Auer, Johannes Timm und Heinrich Ritter von Frauendorfer drohen mit ihrem Rücktritt.

Ministerpräsident Kurt Eisner stimmt daraufhin einem Kompromiss zu, den er auf der Sitzung der Soldatenräte darlegen wird. 

05.12.1918 Termin für die Landtagswahl auf 12. Januar 1919 festgelegt

München-Kreuzviertel * Im Ministerrat kommt es zu heftigen Diskussionen über die Terminfestsetzung zur Nationalratswahl. Kurt Eisner sieht in einem frühen Termin keinen Vorteil. „Die Massen scheuen sich davor und fürchten die Preisgabe der Errungenschaften“

Dagegen fordern die MSPD-Minister einen möglichst frühen Wahltermin. Jeder Tag früher stellt für sie einen „Gewinn gegenüber dem Zentrum“ dar. Erhard Auer dringt deshalb auf den 12. Januar 1919.

Innenminister Erhard Auer und Justizminister Johannes Timm geben unumwunden ihre Abneigung gegen die Räte zu und treten für die Umwandlung der Arbeiter- und Bauernräte in Arbeiter- und Landwirtschaftskammern ein und sprechen den Räten jede politische Funktion ab. Verkehrsminister Heinrich Ritter von Frauendorfer sieht in den Räten eine „nur notwendige Begleiterscheinung der Revolution“.

Den Soldatenräten gibt man keine Zukunft. 

07.12.1918 Ein Verweis für die Krawallmacher

München-Kreuzviertel * In der Ministerratssitzung sprechen sich der Justizminister Johannes Timm und der Kultusminister Johannes Hoffmann für die Verhaftung von Erich Mühsam und anderen aus.

Eisner entgegnet: „Es ist gar nichts Ernstes hinter der Sache gestanden. Auch Mühsam war nicht dafür [gemeint ist der Vorfall in Erhard Auers Wohnung], das Ganze war mehr faschingsartig“.

Die Regierung Eisner erlässt lediglich einen Verweis an die Krawallmacher

27.12.1918 Erhard Auer und Johannes Timm wollen eine „Bürgerwehr“ gründen

München * In einem Aufruf fordern „Innenminister“ Erhard Auer [SPD] und „Justizminister“ Johannes Timm [SPD] zusammen mit weiteren 23 Unterzeichnern zur Gründung einer „Bürgerwehr“ auf.  

Die Münchner „Kasernenräte“ lehnen eine „Bürgerwehr“ ab. 

30.12.1918 „Ministerpräsident“ Kurt Eisner lehnt die „Bürgerwehr“ ab

München-Kreuzviertel * „Ministerpräsident“ Kurt Eisner lehnt im „Provisorischen Nationalrat“ die Bildung einer „Bürgerwehr“ ab.  

Er drückt sein Bedauern darüber aus, dass „Innenminister“ Erhard Auer [SPD] und „Justizminister“ Johannes Timm [SPD] als Regierungsmitglieder „unter irrigen Voraussetzungen“ einen Aufruf zur Gründung einer solchen Einrichtung unterzeichnet haben.  

Nachdem „Innenminister“ Erhard Auer von Ernst Toller mit Vorwürfen zur Gründung einer „Bürgerwehr“ konfrontiert wird, erklärt dieser, dass er weder über die Ziele noch über die Truppenstärke informiert war und nur die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl sicherstellen wollte.  

Unter den gegebenen Umständen ziehen er und Minister Johannes Timm ihre Unterschriften unter dem Aufruf zurück.  

Auer bietet seinen Rücktritt vom Ministeramt an.  
Das lehnt „Ministerpräsident“ Kurt Eisner ab. Einen Erhard Auer außerhalb der Regierung erscheint ihm noch gefährlicher als ein Minister Auer. 

30.12.1918 Radikale Forderungen der „Internationalen Kommunisten“

München * In den „Kolosseums-Bierhallen“ haben sich einige Hundert „Internationale Kommunisten“ versammelt.  

Sie fordern

  • die „Bewaffnung des revolutionären Proletariats“,  
  • die „Sabotierung der Nationalversammlungswahlen mit Handgranaten“,  
  • die „Lynchjustiz am Erzbischof von München“, Michael von Faulhaber,  
  • die „Aburteilung von Erhard Auer und Johannes Timm durch einen Staatsgerichtshof“,  
  • den „Kampf mit den Waffen der Gewalt, nicht mit geistigen Waffen, selbst auf die Gefahr eines Blutbades mit toten Frauen und Kindern“
30.12.1918 Matrosenversammlung im „Alten Hackerkeller“

München-Ludwigsvorstadt * Im „Alten Hackerkeller“ treffen sich „Matrosen“ zu einer Versammlung.  

Der „Präsident des Soldatenrats“, Fritz Schröder, bezeichnet die derzeitige Lage als „einen Kampf auf Leben und Tod“ zwischen „Kapitalismus und Sozialismus“.  

Der „Obermatrose“ Conrad Lotter warnt vor „kopflosen Handlungen“ und verteidigt „Innenminister“ Erhard Auer und „Justizminister“ Johannes Timm für Ihr Eintreten bei der Bildung einer „Bürgerwehr“.  

Heftiger Widerspruch ist die Folge. 




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