Personenverzeichnis

Sonja Lerch

Sarah Sonja Rabinowitz, verheiratete Sarah Sonja Lerch, (* 3. Mai 1882 in Warschau; † 29. März 1918 in München) war eine deutsche Politikerin.

Die Tochter des Schriftstellers Saul Pinchas Rabbinowicz besuchte das Mädchengymnasium in Warschau und bestand 1899 die Lehrerinnenprüfung. Von 1905 bis 1907 unterrichtete sie an Schulen in Warschau und Odessa. 1908 siedelte sie mit ihrer Familie nach Frankfurt am Main um, wo sich Rabinowitz beim „Bund“ und der SPD engagierte und auf deutsch, russisch und jiddisch publizierte. 

Ab 1908 belegte sie ein Studium in Gießen und Zürich, die Promotion erfolgte 1913 in Gießen zum Thema Zur Entwicklung der Arbeiterbewegung in Russland bis zur großen Revolution von 1905. Es folgte die Heirat mit dem Romanisten Eugen Lerch und die Übersiedelung nach München. Dr. Sonja Lerch war Pazifistin und gehörte zu den ersten erklärten Kriegsgegnerinnen mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Als Mitbegründerin der Münchener USPD organisierte sie gemeinsam mit Kurt Eisner, Hans Unterleitner, Richard Kämpfer u.v.a. im Januar 1918 einen Streik von Münchner Munitionsfabrikarbeitern zur Durchsetzung des allgemeinen Friedens und wurde am 1. Februar 1918 wegen Landesverrats verhaftet

Eugen Lerch distanzierte sich öffentlich von der politischen Aktivität seiner Gattin und reichte die Scheidung ein. Darüber erschien eine Notiz in der „Münchner Post“ vom 2. Februar 1918. In den fast acht Wochen ihrer Untersuchungshaft besuchte Lerch seine Frau nicht. Am 15. März 1918 wurde Dr. Sonja Lerch vom Untersuchungsgefängnis Neudeck in das Gefängnis München-Stadelheim überstellt. Dort wurde sie am 29. März 1918 erhängt aufgefunden. 

Der Schriftsteller Ernst Toller, der nach dem Januarstreik ebenfalls in Untersuchungshaft kam, nahm ihr Schicksal zum Thema seines Dramas Masse Mensch, das 1920 am Schauspiel Nürnberg uraufgeführt, am 29. September 1921 von Jürgen Fehling an der Volksbühne Berlin inszeniert wurde.






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