Personenverzeichnis

Gustav Landauer

Landauer Gustav
Gustav Landauer
Bildrechte: Gemeinfrei (Wikipedia 2017)

Gustav Landauer (* 7. April 1870 in Karlsruhe; † 2. Mai 1919 in München-Stadelheim) war ein deutscher sozialistischer Schriftsteller. Er vertrat unter Einfluss Peter Kropotkins den kommunistischen Anarchismus und war Pazifist (vgl. auch Anarchopazifismus). Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war er einer der wichtigsten Theoretiker und Aktivisten dieser Ideologie im Deutschen Kaiserreich. 

Als Kriegsgegner stand Landauer von Anfang an in Opposition zum Ersten Weltkrieg (1914–1918). Während der revolutionären Ereignisse zum Ende des Krieges und unmittelbar danach war er an einflussreicher Stelle an der Münchner Räterepublik im April 1919 beteiligt. Nach deren gewaltsamer Niederschlagung wurde er von antirepublikanischen Freikorps-Soldaten in der Haft ermordet.

Ereignisse

07.04.1870 Gustav Landauer wird in Karlsruhe geboren

Karlsruhe * Gustav Landauer wird in Karlsruhe geboren.

09.12.1918 Gustav Landauers positive Bilanz zu den Räteorganisationen

München * Gustav Landauer zieht eine positive Bilanz zur Tätigkeit der Räteorganisationen:  

„Da handelt es sich vor allen Dingen um die Umstellung der Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft. Zum Beispiel hat der Zentralarbeiterrat wesentlich dabei mitgewirkt, […]

  • dass die Alliiertenwerkstätten sofort in Friedenswerkstätten, in Werkstätten zur Herstellung von Waggons und Lokomotivteilen umgewandelt werden.
  • Es ist eine sofortige Einstellung der Rüstungsbetriebe durchgesetzt worden. Wir haben aber dafür gesorgt und daran mitgearbeitet, dass eine vierwöchige Kündigungsfrist mit voller Bezahlung der Arbeitslosenunterstützung inngehalten werden musste.

Wir haben […] mitgearbeitet

  • an der Versorgung Bayerns mit Kohle,
  • an der Verstaatlichung des Lastkraftwagenverkehrs, […]
  • dass Wagen, Pferde, Vieh, Gerät aller Art bei uns im Lande bleibt und vor allen Dingen von unseren Produzenten und von unseren Bauern verwertet wird,
  • an der Durchführung der 44-Stunden-Woche mit freiem Samstagnachmittag“
11.12.1918 Erste Versammlung des Spartakusbundes München

München-Ludwigsvorstadt * Erstmals tritt der Spartakusbund mit einer Massendemonstration in München in Erscheinung.

Im Wagnersaal referiert Max Levien, der Vorsitzende der bayerischen Sektion des Spartakusbundes, über das Thema „Die blutigen Vorgänge in Berlin und die Schuld der jetzigen Reichsregierung“.

In seinem Referat stellt er eine Reihe radikaler Forderungen auf, darunter

  • die Einrichtung von Revolutionstribunalen zur Bestrafung der Konterrevolutionäre und
  • die Gründung einer Roten Armee.  

Seinen Ausführungen stellen sich Kurt Eisner, Dr. Edgar Jaffé, Gustav Landauer, Erich Mühsam und Fritz Sauber entgegen. 

  • Ministerpräsident Eisner wendet sich gegen die Demonstrationslust,
  • Gustav Landauer äußert sich gegen das „ewige Blutspucken“.
    Mit Rache macht man keine neue Welt.
  • Erich Mühsam will die Revolution gegen ihre Feinde schützen, aber nicht mit blutigen Mitteln. 
06.02.1919 „Trauerfeier“ für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

München-Maxvorstadt * Die USPD veranstaltet im großen „Odeonssaal“ eine „Trauerfeier“ für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.  

Gustav Landauer hält die „Gedächtnisrede“. 

26.02.1919 100.000 Menschen nehmen an Kurt Eisners Bestattungsfeierlichkeiten teil

München-Obergiesing * Zeugten schon die Geschehnisse am Ort des Attentats von breiter Betroffenheit über Kurt Eisners Tod, so wird sein Begräbnis zu einer außergewöhnlichen Trauerbekundung der Bevölkerung.

Der „Zentralrat“ ordnet für ganz Bayern „Landestrauer“ an.
Die öffentlichen Gebäude sind auf Halbmast schwarz und rot beflaggt.
Die Arbeit ruht.  

Annähernd 100.000 Menschen nehmen an den Bestattungsfeierlichkeiten teil.

Ab 9 Uhr bewegt sich der Trauerzug - begleitet von 20 Musikkapellen - von der „Theresienwiese“ zum „Ostfriedhof“.
Matrosen tragen den mit schwarzen Tüchern verhüllten Sarg.

Um 10 Uhr beginnt ein halbstündiges Glockengeläut.

Die „Trauerfeier“ mit der „Einäscherung“ in der Halle des „Krematoriums“ beginnt um 10:30 Uhr.
Sie dauert bis 11:40 Uhr.
Gustav Landauer hält die „Gedächtnisrede“.

Selbst die bürgerliche Presse ist beeindruckt und schreibt:
„In ihrer reichen Geschichte hat die bayerische Hauptstadt wohl viele prunkvolle Leichenzüge zu verzeichnen, aber keinen, der, was Massenentfaltung anlangt, denjenigen übertrifft, der am Vorfrühlingstage des 26. Februar halb München in Bewegung setzte“.

28.02.1919 Verhaftungen aus dem Sitzungssaal heraus

München-Kreuzviertel * Noch vor der Abstimmung werden die Delegierten Max Levien, Erich Mühsam, Gustav Landauer, Franz Michael Cronauer und Wilhelm Reichart von der SPD-nahen und von „Innenminister“ Erhard Auer errichteten „Republikanischen Schutztruppe“ aus dem Sitzungssaal heraus verhaftet.

Ernst Niekisch versucht verzweifelt Herr der Lage zu bleiben und erreicht, dass die Verhafteten wenige Minuten später wieder freigelassen werden.
Die Verantwortung für die unübersichtliche Situation übernimmt schließlich der „Stadtkommandant“ Oskar Dürr und der „Polizeipräsident“ Josef Staimer.

Nun kann abgestimmt werden.

Erich Mühsams Antrag auf „Ausrufung einer Räterepublik“ wird mit 234 zu 70 Stimmen abgelehnt.
Dafür einigen sich die „Rätevertreter“ auf den vorgelegten Kompromissantrag. 

01.03.1919 Eine von Martin Segitz (SPD) geführte Regierung wird gebildet

München-Kreuzviertel * Nachdem am Tag zuvor beschlossen worden ist, dass die „Einberufung des Landtags“ auf unbestimmte Zeit verschoben wird, bestimmt der „Rätekongress“ am Nachmittag des 1. März die neuen „Minister“.  

  • Der gemäßigte [!] „Mehrheitssozialdemokrat“ Martin Segitz wird „Ministerpräsident“ und leitet zudem noch das „Außen- und Innenministerium“,  
  • Ernst Niekisch [SPD] ist zuständig für „Unterricht und Kultus“,  
  • Fritz Endres [SPD] für „Justiz“,  
  • Richard Scheid [SPD] für „militärische Angelegenheiten“,
  • Joseph Simon [USPD] für „Handel, Gewerbe und Industrie“,
  • Edgar Jaffé [USPD] für „Finanzen“,  
  • Hans Unterleitner [USPD] für „soziale Angelegenheiten“ und
  • Theodor Dirr [BBB] für „Land- und Forstwirtschaft“.  
  • Der parteilose Heinrich von Frauendorfer übernimmt das „Verkehrsministerium“.  

Nun müssen nur noch die betroffenen politischen Parteien ihren Mitgliedern die Annahme des „Ministeramtes“ gestatten.  

Die Regierung amtiert bis zum 18. März. 

01.03.1919 Der „Rätekongress“ wählt einen „Aktionsausschuss“

München-Kreuzviertel - München-Theresienwiese * Der „Rätekongress“ wählt einen „Aktionsausschuss“.  

Noch während der Sitzung kommt es auf der „Theresienwiese“ zu einer Demonstration gegen die „Verhaftungen vom Vortag“ und für die „Proklamation der Räterepublik“.
Die daraufhin aufmarschierende „Republikanische Schutztruppe“ schießt wahllos in die Menge, tötet drei Menschen und verletzt neun schwer.

Die Nachricht wird im „Rätekongress“ mit einer Mischung aus Erleichterung und Abscheu aufgenommen.

Die „Radikalen“ sehen darin den völligen „Bankrott der Sozialdemokratie“.
Für sie erklärte der „Anarchist“ Gustav Landauer: „In der ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei“.  

07.04.1919 In der „Räteregierung“ sitzen keine Mehrheitssozialdemokraten

München * In der „Räteregierung“, also dem „Rat der Volksbeauftragten“, sitzen keine Mehrheitssozialdemokraten, wohl aber im „Revolutionären Zentralrat“.

Führende Funktionen haben die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam.
Ihre geringe politische Erfahrung betrachten sie nicht als Mangel, da sie den herrschenden Konventionen der Politik ja sowieso ablehnend gegenüberstehen.
Deshalb wird die „Erste Räterepublik“ häufig auch abschätzend als „Literatenrepublik“ bezeichnet.

  • Oberster Repräsentant der „Baierischen Räterepublik“ ist Ernst Toller, der zum linken Flügel der USPD zählt und deren Vorsitzender er ist.
  • Das Amt des „Volksbeauftragten für Finanzen“ übernimmt Silvio Gesell,
  • „Volksbeauftragter für Volkswohlfahrt“ wird August Hagemeister und
  • „Volksbeauftragter für Volksaufklärung“ wird der „Anarchist“ Gustav Landauer.

Der Bayerische Landtag wird als „unfruchtbares Gebilde des überwundenen bürgerlich-kapitalistischen Zeitalters“ für aufgelöst erklärt und  die sofortige Gründung einer „Roten Armee“ angekündigt. 

11.04.1919 Gustav Landauer führt Sozialreformen im Bildungsbereich durch

München * Gustav Landauer, der „Volksbeauftragte für Volksaufklärung“, führt in der kurzen Zeit der (sozialistischen) „Räterepublik Baiern“ einige Sozialreformen im Bildungsbereich dazu.
Dazu gehört

  • die „Abschaffung der Prügelstrafe“,
  • die „Abschaffung des Zölibats für Lehrerinnen“ und
  • eine „Neugliederung des Schulsystems“
01.05.1919 Gustav Landauer wird in Großhadern festgenommen

Großhadern * Gustav Landauer wird in der Villa von Kurt Eisner und Else Belli in Großhadern festgenommen. 

02.05.1919 Gustav Landauer wird im „Gefängnis Stadelheim“ grausam ermordet

München-Obergiesing * Gustav Landauer wird im „Gefängnis Stadelheim“ grausam ermordet. 

27.06.1933 Was tun mit Kurt Eisners und Gustav Landauers Urnen ?

München * Nachdem das Denkmal für die „Toten der Revolution - 1919“ am Ostfriedhof abgerissen worden war, wollen die Nationalsozialisten die darin untergebrachten Urnen von Kurt Eisner und Gustav Landauer an die Israelitische Kultusgemeinde Münchens loswerden.

Diese antwortet an 27. Juni 1933: „[…] beehren wir uns mitzuteilen, dass wir derzeit nicht feststellen können, ob die Genannten bei Eintritt des Todes dem israelitischen Bekenntnis angehört haben. […]

Wir wollen aber keine Schwierigkeiten schaffen und erklären uns bereit, die Urnen entgegen zu nehmen und sie einstweilen der Erde zu übergeben“




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