Personenverzeichnis

Johannes Hoffmann

Hoffmann Johannes
Johannes Hoffmann
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Johannes Hoffmann (* 3. Juli 1867 in Ilbesheim bei Landau in der Pfalz; † 15. Dezember 1930 in Berlin) war ein Politiker der DVP und SPD und 1919/20 Bayerischer Ministerpräsident.

1912 wurde er für den Wahlkreis Kaiserslautern-Kirchheimbolanden in den Reichstag gewählt[1], dessen Mitglied er bis zu seinem Tode blieb. Von November 1918 bis März 1919 war er bayerischer Kultusminister in der Regierung von Kurt Eisner. Nach dessen Ermordung wurde er am 17. März 1919 als Verfechter einer pluralistisch-parlamentarischen Demokratie vom Landtag zum Ministerpräsidenten und Außenminister Bayerns gewählt, behielt aber auch die Leitung des Kultusministeriums. Gegen diese Regierung wurde am 7. April vom Zentralrat der bayerischen Republik unter Ernst Niekisch und vom Revolutionären Arbeiterrat die bayerische Räterepublik in München ausgerufen, der sich auch verschiedene andere bayerische Städte anschlossen. Diese Räterepublik war in ihrer ersten Phase dominiert von pazifistischen und anarchistischen Intellektuellen, nach dem von Rotgardisten vereitelten sogenannten Palmsonntagsputsch[2] am 13. April 1919 führten Anhänger und Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands die Räteregierung an. 

Ab Mitte April 1919 griffen vom inzwischen nach Bamberg ausgewichenen Kabinett Hoffmann zu Hilfe gerufene Freikorpseinheiten, vereinzelt auch als Weiße Truppen bezeichnet, die Verteidiger der Räterepublik an und eroberten zusammen mit preußischen und württembergischen Reichswehrverbänden München bis zum 2. Mai 1919 zurück. Im Laufe der Kämpfe kam es auf beiden Seiten zu Grausamkeiten, bei denen hunderte Menschen starben, in der Mehrzahl als Opfer der rechtsextremen Freikorps. Im März 1920 trat Hoffmann als Ministerpräsident des Freistaates Bayern zurück. Ihm folgte Gustav Ritter von Kahr als Ministerpräsident. Ende April zog er nach Kaiserslautern und kandidierte für das Amt des Oberbürgermeisters von Ludwigshafen am Rhein, unterlag aber in der Wahl. Hoffmann trat wieder in den Schuldienst ein, wurde am 6. Juni aber wieder in den Landtag gewählt, verzichtete aber bereits am 24. August 1920 auf das Mandat. 

Am 23. Oktober 1923 erklärte Hoffmann gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Wagner und Paul Kleefoot dem französischen General Adalbert François Alexandre de Metz, dass sie in der französisch besetzten Pfalz einen selbständigen Staat innerhalb des Deutschen Reiches bilden wollten. Der Versuch scheiterte und in der Folge wurde Hoffmann aus dem Schuldienst entlassen. Es folgte ein Antrag auf Aufhebung seiner Immunität als Reichstagsabgeordneter, der aber im Zusammenhang mit einer Amnestieregelung im Dawes-Plan nicht weiter verfolgt wurde. Nach seinem Tode wurde Hoffmanns Witwe vom bayerischen Ministerrat eine Pension verwehrt.

Ereignisse

24.12.1705 16.000 „Unterländer“ schlagen in Steinhöring ihr Hauptquartier auf

Steinhöring * Durch die Verstärkung aus dem nördlichen „Rentamt München“ ist die „Unterländer-Armee“ unter dem Kommando von Johannes Hoffmann auf 16.000 angewachsen.

Ihr Hauptquartier schlagen sie in Steinhöring bei Ebersberg auf.

Die „Kaiserliche Armee“ unter der Führung des „Generalwachtmeisters“ Georg Friedrich Freiherr von Kriechbaum muss sich bis nach Anzing zurück ziehen. 

26.12.1705 Der „Volksaufstand der Oberländer“ bricht zusammen

Steinhöring * Mit der „Münchner Mordweihnacht“ bricht der „Volksaufstand der Oberländer“ sofort zusammen. 

Der in Steinhöring stehende „Oberbefehlshaber der Unterländer“, Johannes Hoffmann, gibt daraufhin den Befehl zum Rückzug.

Nun machen sich in dem niederbaierischen Heerhaufen Unsicherheit, Angst und Diszplinlosigkeit breit.
Reihenweise begeben sich die „Unterländer Aufständischen“ auf den Weg nach Hause.

31.12.1705 Die Armee der „Unterländer Aufständischen“ zerfällt

Steinhöring * Von den 16.000 „Unterländer Aufständischen“ in Johannes Hoffmanns Truppe sind gerade noch 1.100 übrig geblieben.

03.07.1867 Johannes Hoffmann wird in Ilbesheim bei Landau/Pfalz geboren

Ilbesheim * Johannes Hoffmann, der spätere bayerische „Ministerpräsident“, wird in Ilbesheim bei Landau in der Pfalz geboren. 

08.11.1918 Eine Provisorische Bayerische Regierung wird gebildet

München-Kreuzviertel * Um 15:38 Uhr tritt der Provisorische Nationalrat des Volksstaatse Bayern zu seiner zweiten Sitzung zusammen, um eine Provisorische Bayerische Regierung zu wählen.  

Eisner schlägt folgende Zusammensetzung der Regierung vor:  

  • Das Ministerium des Äußeren und damit das Präsidium übernimmt Kurt Eisner selbst.  
  • Vizepräsident und Kultusminister wird der Mehrheitssozialdemokrat Johannes Hoffmann.  
  • Ebenfalls MSPD sind der Minister für militärische Angelegenheiten, Albert Roßhaupter, 
  • und der Justizminister Johannes Timm.  
  • Das Innenministerium erhält der Vorsitzende der bayerischen Mehrheitssozialdemokraten, Erhard Auer.  
  • Das Verkehrsministerium überträgt Eisner einem bürgerlichen Fachmann: Heinrich von Frauendorfer.  
  • Das Ministerium der Finanzen vertraut Eisner dem Professor für Staatswissenschaften, Edgar Jaffé an, der den Unabhängigen nahe steht.  
  • Das neu geschaffene Ministerium für soziale Angelegenheiten leitet der Unabhängige Sozialdemokrat Hans Unterleitner.  

Die Benennung Erhard Auers zum Innenminister ruft neben Beifall auch Unmutsäußerungen hervor. Bei der Abstimmung erhält Auer eine überwiegende Mehrheit.  

Eisner will mit Auers Ernennung seinen schärfsten Gegner unter Kontrolle bringen. Daneben ist ihm bewusst, dass die MSPD die Nichtbesetzung des Innenministeriums mit ihrem Vorsitzenden als Affront empfunden und sich möglicherweise mit der Bourgeoisie gegen die Revolutionsregierung verbünden würde. Auer dagegen kann der MSPD dadurch den Einfluss auf die kommenden Ereignisse sichern.  

Das Landwirtschaftsministerium wollte Eisner ursprünglich mit einem revolutionären Bauernbündler besetzen. Doch das kann Erhard Auer verhindern. Es wird nicht gebildet, da der MSPD-ler darin eine Beschneidung seines Ressorts sieht und er dem Eisner-nahen Bayerischen Bauernbund - BBB kein zusätzliches Machtinstrument an die Hand geben will. 

12.11.1918 Umfangreiche Forderungen des Bayerischen Volksschullehrervereins

München * Eine Abordnung des Bayerischen Volksschullehrervereins fordert bei Ministerpräsident Kurt Eisner und Kultusminister Johannes Hoffmann

  • ein freiheitliches Lehrergesetz,
  • die Aufhebung der geistlichen Schulaufsicht,
  • die Errichtung eines Lehrerrates und
  • die Durchführung eines demokratischen Schulprogramms
23.11.1918 Verhaltensmaßregelungen des Münchner Erzbischofs

München-Kreuzviertel * In einem von Erzbischof Michael von Faulhaber verfassten Grundsatzpapier fordert er seinen Klerus auf,

  • „jede positive Anerkennung der neuen Regierung in Bayern“ und
  • jeden direkten Kontakt mit dem neuen „Staatsminister für Unterricht und Kultus“, Johannes Hoffmann, „zu vermeiden“.  
  • „Der geistliche Stand kann und darf nicht daran denken, der tatsächlich bestehenden öffentlichen Gewalt gewalttätigen Widerstand entgegenzusetzen.  
  • Den öffentlichen Dank und den Abschiedsgruß an das Jahrhundertelang mit dem Bayernvolk verwurzelte Haus Wittelsbach und an die ehrwürdige Gestalt des Königs Ludwig III. müssen wir einem späteren Zeitpunkt vorbehalten“
07.12.1918 Ein Verweis für die Krawallmacher

München-Kreuzviertel * In der Ministerratssitzung sprechen sich der Justizminister Johannes Timm und der Kultusminister Johannes Hoffmann für die Verhaftung von Erich Mühsam und anderen aus.

Eisner entgegnet: „Es ist gar nichts Ernstes hinter der Sache gestanden. Auch Mühsam war nicht dafür [gemeint ist der Vorfall in Erhard Auers Wohnung], das Ganze war mehr faschingsartig“.

Die Regierung Eisner erlässt lediglich einen Verweis an die Krawallmacher

16.12.1918 Die geistliche Schulaufsicht wird abgeschafft

München-Kreuzviertel * Der Ministerrat billigt die von Kultusminister Johannes Hoffmann vorgelegte „Verordnung, betreffend Beaufsichtigung der Volksschule“.

Darin wird ab 1. Januar 1919 die geistliche Schulaufsicht abgeschafft und Übergangsregelungen für die Zeit bis dahin festgeschrieben.

  • Die Ortsschulaufsicht geht vom Ortspfarrer auf den Bürgermeister über.
  • Darüber hinaus wird ein freireligiöser Sittenunterricht eingeführt und
  • der Zwang zur Teilnahme am Religionsunterricht abgeschafft.

Damit sind zentrale kulturpolitische Forderungen der Sozialdemokratie der letzten Jahrzehnte erfüllt. 

01.01.1919 „Geistliche Schulaufsicht“ abgeschafft

München * Die „Verordnung, betreffend Beaufsichtigung der Volksschule“ tritt in Kraft.

Darin wird die „geistliche Schulaufsicht“ abgeschafft. 

17.01.1919 Verbot eines „religionslosen Moralunterrichts“ aufgehoben

München-Kreuzviertel * „Kultusminister“ Johannes Hoffmann hebt das im Jahr 1914 erlassene Verbot der Erteilung eines öffentlich organisierten „religionslosen Moralunterrichts“ auf. 

29.01.1919 Die Freisinger Erklärung der bayerischen Bischöfe

Freising * Für Bischof Michael von Faulhaber ist Johannes Hoffmann ein „ausgesprochener Kulturkämpfer und Kirchenhasser“

In ihrer „Freisinger Erklärung“ fassen die Bischöfe ihren „flammenden Protest“ zusammen und prangern in einem Hirtenbrief die Maßnahme als „Fehdehandschuh gegen den Herrn selbst“ an. 

Der „Hirtenbrief“ beginnt so:
„Herodes der Kindermörder ließ die unschuldigen Kinder von Bethlehem hinschlachten. 
Unbekümmert um das Weinen und Wehklagen der Mütter, unbekümmert um das Todeswimmern der sterbenden Kinder, ließ er an wehrlosen Kindern seine Wut aus, um mit ihnen den neugebornen König der Juden, den vermeintlichen Anwärter seines Thrones aus dem Weg zu schaffen“

In einer extrem polemischen und ehrverletzenden Art geht es weiter:
„Geliebte Erzdiözesanen!
Am letzten Montag ist im Volksstaate Bayern eine Verordnung ergangen, die vor dem Richterstuhl Gottes schwerer wiegt als der Blutbefehl des Herodes.
Durch eine Verordnung des Unterrichtsministers wurde der Religionsunterricht in allen bayerischen Schulen als Pflichtfach abgesetzt und als Wahlfach der Willkür der Eltern und Vormünder ausgeliefert“
.

21.02.1919 „Militärminister“Albert Roßhaupter kommt in „Schutzhaft“

München-Kreuzviertel * „Kultusminister“ Johannes Hoffmann tritt von seinem Amt zurück.  

Albert Roßhaupter, der „Minister für militärische Angelegenheiten“, wird in „Schutzhaft“ genommen.  

25.02.1919 Der „Kongress der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ tagt

München-Kreuzviertel * Vor dem schwarz und rot umflorten Bildnis Kurt Eisners und unter teils chaotischen Verhältnissen tagen die „Delegierten der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ bis zum 8. März 1919 im Münchner „Landtagsgebäude“.  

Radikale linke Gruppierungen, die im Plenum klar in der Minderheit sind, versuchen durch Versammlungen und Demonstrationen sowie durch massive Störungen von den Tribünenplätzen aus die Entscheidungen der Delegierten zu beeinflussen.  

Am „Rätekongress“ nimmt Johannes Hoffmann nicht teil, weil er sich gegen eine mögliche „Räteregierung“ stellt.  
Im Gegenzug lehnt der „Rätekongress“ Hoffmann als neuen „Kultusminister“ ab. 

17.03.1919 Johannes Hoffmann (SPD) einstimmig zum Ministerpräsidenten gewählt

München-Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ tritt unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu seiner ersten Sitzung seit dem 21. Februar zusammen.  

Eine neue Regierung unter dem Vorsitz des Mehrheitssozialdemokraten Johannes Hoffmann wird eingesetzt und mit einem „Ermächtigungsgesetz“ mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet. 

18.03.1919 Die neue bayerische Regierung wird bekannt gegeben

München-Kreuzviertel * Die neue bayerische Regierung wird bekannt gegeben:

  • Ministerpräsident Johannes Hoffmann [SPD] übernimmt das Ministerium des Äußeren sowie das Ministerium für Unterricht und Kultus,
  • Fritz Endres [SPD] wird Justizminister,
  • Martin Segitz [SPD] übernimmt das Ministerium des Inneren,
  • Staatsrat von Merkel übernimmt in Vertretung das Finanzministerium,
  • Heinrich Ritter von Frauendorfer [Parteilos] leitet das Verkehrsministerium,
  • Hans Unterleitner [USPD] steht an der Spitze des Ministeriums für Soziale Fürsorge,
  • Josef Simon [USPD] übernimmt das Ministerium für Handel und Gewerbe,
  • Martin Steiner [Bayerischer Bauernbund] führt das Landwirtschaftsministerium und
  • Ernst Schneppenhorst wird Minister für militärische Angelegenheiten.

Mit großer Mehrheit wird das Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels angenommen.

Danach vertagt sich der Landtag wieder. 

Die Koalitionsregierung wird von Anfang an von der revolutionären Arbeiterschaft abgelehnt und kann auch im weiteren Verlauf kein Vertrauen gewinnen, weil sie sich gegen Zugeständnisse in der Rätefrage sperrt und von ihr „keine ernsthafte Sozialsierungspolitik“ zu erwarten ist. 

03.04.1919 Johannes Hoffmann beruft den Landtag für den 8. April ein

München * Am Abend gibt Ministerpräsident Johannes Hoffmann bekannt, dass er den Landtag - entgegen bestehender Absprachen - für den 8. April einberufen wird. 

Anschließend reist das bayerische Regierungsoberhaupt nach Berlin. 

04.04.1919 Forderungen nach Ausrufung einer „Räterepublik“

München-Kreuzviertel * Eine Delegation der Augsburger „Räte“ erscheint im Ministerrat und trägt ihre Forderung nach Ausrufung einer „Räterepublik“ vor.  

Die SPD-Minister wollen in Abwesenheit des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann aber keine Entscheidung treffen. 

05.04.1919 Ministerpräsident Johannes Hoffmann verweigert sich einer „Räterepublik“

München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann wird in der Sitzung des „Ministerrats“ mit den Forderungen nach einer „Räterepublik“ konfrontiert. 

Hoffmann verweigert sich dem Ansinnen entschieden. 

06.04.1919 Der „SPD-Landesparteitag“ spricht sich gegen die „Räterepublik“ aus

Nürnberg - München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann reist zum „Landesparteitag der SPD“ nach Nürnberg und kann dort die Genossen gegen die „Räterepublik“ mobilisieren. 

07.04.1919 Die Mitglieder des „Zentralrats“ rufen die „Räterepublik Baiern“ aus

München * In der Nacht vom 6. auf den 7. April erfolgt im „Wittelsbacher Palais“ - mit Zustimmung von Vertretern der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und des „Revolutionären Arbeiterrates“ - die Proklamation der „Baierischen Räterepublik“.

Dieser Vorgang wird als „3. Revolution“, als „Räterepublik des Zentralrats“ oder - von den Kommunisten - auch als „Scheinräterepublik“ bezeichnet.

Die „Regierung Hoffmann“ hat sich - wahrscheinlich unter dem Einfluss der Parteileitung in Berlin - im letzten Moment gegen die „Ausrufung“ entschieden.

Durch den Boykott der Kommunisten und den Rückzug der SPD fallen den Mitgliedern des „Revolutionären Arbeiterrats“ und der USPD eine Schlüsselrolle zu. 

07.04.1919 Ministerpräsident Hoffmann geht nach Nürnberg, später nach Bamberg

München - Nürnberg - Bamberg * Ministerpräsident Johannes Hoffmann begibt sich zunächst nach Nürnberg und später nach Bamberg, wo er mit dem Landtag und den noch verbliebenen SPD-Ministern Unterschlupf finden wird.

Bis zum 16. August 1919 ist Bamberg der bayerische Regierungssitz.
Untergebracht ist die Regierung in der ehemaligen „Fürstbischöflichen Neuen Residenz“ am Domplatz. 

11.04.1919 Pläne für einen Putsch gegen die „Räteregierung“ werden geschmiedet

Bamberg - München * Der Kommandant der „Republikanischen Schutztruppe“, Alfred Seyffertitz, arbeitet gemeinsam mit Ministerpräsident Johannes Hoffmann und dem „Minister für militärische Angelegenheiten“, Ernst Schneppenhorst, Pläne für einen Putsch gegen die „Räteregierung“ aus. 

Dieser soll - so die Absprache - in der Nacht vom 15. zum 16. April erfolgen. 

12.04.1919 Sämtliche Fernsprechleitungen nach Südbayern gekappt

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ kappt sämtliche Fernsprechleitungen nach Südbayern. 

Um ihre Informationen weiterzugeben, lässt die Regierung Flugblätter über München abwerfen. 

12.04.1919 Die Kommunisten bestreiten den Führungsanspruch des „Zentralrats“

München * Die „Räterepublik Baiern“ ist nicht nur bei den bürgerlich-konservativen Kräften umstritten, sondern insbesondere bei den Kommunisten. 

Sie bestreiten den Führungsanspruch des „Zentralrats“

13.04.1919 „Vertraulich! Nicht auf bayr. Boden mitnehmen!“

Ohrdruf * Die „Werbezentrale des Freikorps Epp“ veröffentlicht ein Flugblatt mit folgendem Inhalt:

„Vertraulich! Nicht auf bayr. Boden mitnehmen! 

Ministerpräsident Hoffmann hat das Versprechen gegeben, dass die Werbung für das Freikorps zwar nicht offiziell erlaubt würde, dass aber weitere Schwierigkeiten den Werbern nicht gemacht werden sollten. [...] 

Es ist anzunehmen, dass dagegen der bayr. Mil. Minister alles versuchen wird, um die Werbung zu hemmen“

14.04.1919 Die „Regierung Hoffmann“ arbeitet mit Rechtsextremisten zusammen

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ setzt auf das neu eingerichtete „Propagandaministerium“ und die Zusammenarbeit mit bekennenden „Rechtsextremisten“.

Im Regierungsorgan „Freistaat“ werden die „Räteanhänger“ aufs übelste diffamiert und als „ausländische Juden“, „land- und rassenfremde Elemente“ sowie als „Terroristen“ diffamiert“.

Ernst Toller gibt daraufhin im Auftrag des „Zentralrats“ ein Flugblatt an die „Bürger der Räterepublik“ heraus.
In diesem macht er auf die antisemitischen Hintergründe aufmerksam und fordert die Bevölkerung zum Widerstand dagegen auf. 

14.04.1919 Die „Regierung Hoffmann“ organisiert den Einsatz von Freiwilligen

Bamberg * Die in Bamberg sitzende bayerische „Regierung Hoffmann“ organisiert mit Flugblättern den Einsatz von Freiwilligen.

Um 17:30 Uhr wird das nachstehende Flugblatt über München abgeworfen:
„In München rast der russische Terror, entfesselt von landfremden Elementen.
Diese Schmach darf keinen Tag, keine Stunde weiter bestehen. [...].
Ihr Männer der bayerischen Berge, des bayerischen Hochlandes, des bayerischen Waldes, erhebt Euch wie ein Mann. [...].  
Ein grüner Buschen am Hute und die weißblaue Binde am Arm ist Euer Erkennungszeichen.
Die Bahn befördert Euch zu den Sammelpunkten. [...].

Die Münchner Schmach muss verschwinden.
Das ist bayerische Ehrenpflicht“

19.04.1919 Ein Regierungs-Telegramm geht an alle Pfarrämter Bayerns

Bamberg * Karsamstag: Ministerpräsident Johannes Hoffmann lässt in seinem Auftrag auf Staatskosten vom „Bischöflichen Generalvikariat Bamberg“ folgendes Telegramm an alle Pfarrämter Bayerns übermitteln:

„Ein Haufen von Ausländern hat sich der Hauptstadt München bemächtigt, übt daselbst eine Schreckensherrschaft aus und bedroht von dorther die Provinzen, namentlich die Landbevölkerung, mit Raub und Brandstiftung.
Die rechtmäßig bestehende Regierung hat einen Aufruf zur Bildung von Freikorps ergehen lassen.
Von seinem Erfolg hängt Wohl und Wehe des Vaterlandes ab. 

Wir ersuchen die Geistlichkeit, durch Hausbesuche und auch von der Kanzel aus kräftigst dafür einzutreten, dass möglichst viele tüchtige Gemeindeangehörige dem Rufe folgen. [...]“.

30.04.1919 Flugblätter über München: „Kopf hoch und Mut! Hilfe naht“

München * Über München kreisende Flugzeuge werfen Flugblätter mit Durchhalteparolen ab:
„[...] Kopf hoch und Mut! Hilfe naht, die Euch vom russischen Terror und Schrecken des Bolschewismus befreien wird“.

Ein anderes Flugblatt informiert darüber, dass München von bayerischen Truppen umstellt ist und fordert die Bevölkerung auf:  
„Hört die Stimme der Vernunft! Lasst ab vom bewaffneten Widerstand.
Meidet die Straßen und Plätze, damit das Blut Unschuldiger nicht vergossen wird.
Die Truppen der Regierung brechen schonungslos jeden bewaffneten Widerstand, um der Not Aller ein Ende zu machen.  
Lebensmittel, Kohlen, Rohstoffe stehen zur Einfuhr nach München bereit.
gez. Hoffmann, Ministerpräsident“ 

Handzettel mit folgendem Inhalt werden verteilt:
„Die Weiße Garde steht vor den Toren Münchens!
Nieder mit den Hunden der Weißen Garde!“ 

30.04.1919 Der neue „Aktionsausschuss“ will die Waffen niederlegen

München - Bamberg * Der neue „Aktionsausschuss“ wendet sich an Ministerpräsident Johannes Hoffmann und erklärt sich bereit, die Waffen niederzulegen.
Voraussetzung ist, dass die „Weißen Truppen“ die Stadt nicht betreten werden.
Ministerpräsident Hoffmann lehnt das Ansinnen mit den Worten ab:

„Bedingung ist unannehmbar.
Legt die Waffen nieder, jeder Widerstand ist nutzlos“

02.05.1919 Das „Freikorps Werdenfels“ beteiligt sich an den „Säuberungsmaßnahmen“

München-Giesing * Das „Freikorps Werdenfels“ wird um 10 Uhr in Großhesselohe ausgeladen und beteiligt sich bis zum 6. Mai an den „Säuberungsmaßnahmen“ in Harlaching und Giesing, die als „Hochburg kommunistischer Verseuchung und Verhetzung“ angesehen werden. 

Nach der Ankunft in München wird das „Freikorps Werdenfels“ dem „Bayerischen Schützenkorps“ unter Führung von Oberst Franz-Xaver Ritter von Epp als „Reserve“ zugeteilt.

09.05.1919 Dankschreiben des Ministerpräsidenten an die „Weißen Truppen

München * Im Regierungsorgan „Freistaat“ wird ein Dankschreiben des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann an General Ernst Friedrich Otto von Oven veröffentlicht.

„Für die umsichtige Leitung und Durchführung der zur Befreiung Münchens aus der Hand der Bolschewisten notwendigen militärischen Operationen spreche ich [...] den herzlichsten Dank aus.
Größte Anerkennung gebührt den aus allen Gauen Deutschlands herbeigeeilten Truppen, die in selbstloser Opferbereitschaft unserm bedrängten Bayernlande und dem ganzen Reiche den größten Dienst erwiesen. [...].
Der Gefallenen gedenken wir in tiefer Trauer und ehrender Anerkennung“

17.01.1920 Der Eisner-Mörder wird zu „lebenslanger Festungshaft“ begnadigt

München * Der mehrheitlich konservative „Ministerrat“ tritt zu einer Sitzung zusammen, um die „Begnadigung“ des Mörders Graf Anton von Arco auf Valley zu beschließen. 

Der Beschluss erfolgt in Abwesenheit des „Ministerpräsidenten“ und Eisner-Nachfolgers Johannes Hoffmann, eines „königlich-bayerischen“ Sozialdemokraten, der nicht ohne Unverständnis für die Tat ist.

In der Sitzung äußert „Justizminister“ Ernst Müller-Meiningen den aufschlussreichen Satz: „Ich würde mich vor meinen Kindern schämen, einen Mann wie Arco ins Zuchthaus zu schicken“.  

Da eine „Zuchthausstrafe“ als die schärfste Haftart angesehen wird, begnadigt man den Grafen Arco zu einer „lebenslangen Festungshaft“, der komfortabelsten Art des Freiheitsentzugs, die gleichzeitig als ehrenvoll gilt.
Bei dieser „Begnadigung“ bezieht man sich ausdrücklich auf die erst am Vortag selbst formulierte Achtungsbezeugung vor dem „Mörder eines amtierenden Ministerpräsidenten“.  

Anton Graf von Arco auf Valley tritt als erster „Festungshäftling“ seine „Luxushaft“ in Landsberg am Lech an. 

13.03.1920 Der Berliner „Kapp-Putsch“führt zum Rücktritt der bayerischen Regierung

Berlin * In Berlin findet der rechtsradikale „Kapp-Putsch“ statt. 

Parallel dazu fordern in München der „Regierungspräsident von Oberbayern“ Gustav von Kahr, „Polizeipräsident“ Ernst Pöhner und „Wehrkreiskommandant“ Arnold von Möhl den von der „SPD“ gestellten bayerischen „Ministerpräsidenten“ Johannes Hoffmann zum Rücktritt auf. 

Was in Berlin scheitert, gelingt in München.
Gustav Ritter von Kahr bildet - unter Beteiligung der „Bayerischen Volkspartei“ - eine rechtskonservative Regierung, die alle rechtsextremen Gruppierungen sowie militanten Verbände fördert und schützt. 

„Ministerpräsident“ von Kahr lernt zu dieser Zeit auch Adolf Hitler kennen, den er als „Trommler“ für die „nationale Sache“ einspannen will, um mit seiner Hilfe den „Kommunismus“ und den „Marxismus“ abzuwehren und um die „gestörte Ordnung“ in Deutschland wieder ins rechte Lot zu bringen. 

Die rechtsradikalen Verbände können umgekehrt von Bayern aus ihren ideellen Boden vorbereiten.
Gustav von Kahr ist die Integrationsfigur all jener Kräfte in Bayern, die durch einen „Staatsstreich“ die „parlamentarische Demokratie“ abschaffen und die „staatliche Unabhängigkeit Bayerns“ von Berlin vorbereiten wollen.

15.12.1930 Johannes Hoffmann stirbt nach einer Operation in Berlin

Berlin * Johannes Hoffmann, der ehemalige bayerische „Ministerpräsident“, stirbt nach einer Operation in Berlin. 




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