Personenverzeichnis

Rudolf Egelhofer

Rudolf Egelhofer, in einigen Quellen auch Eglhofer (* 13. April 1896 in München-Schwabing; † 3. Mai 1919 in München) war als Mitglied der zur Zeit seiner relativ kurzen politischen Aktivität erst wenige Monate bestehenden Kommunistischen Partei Deutschlands im April 1919 Stadtkommandant von München und Anführer der „Roten Armee“ der Münchner Räterepublik.

Ereignisse

13.04.1896 Rudolf Egelhofer wird in Schwabing geboren

München-Schwabing * Rudolf Egelhofer wird in Schwabing geboren. 

25.02.1919 Die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien

München * Bereits am ersten Tag fordert Max Levien als Delegierter des „Revolutionären Arbeiterrats“

  • die „sofortige Ausrufung der Räterepublik“,  
  • die „Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR“,  
  • die „Versendung wahrheitsgetreuer Flugblätter in fremden Sprachen“,  
  • die „Entfernung der Republikanischen Schutztruppe“,  
  • die „Bildung einer Roten Armee“ sowie  
  • die „Annullierung der Staatsschulden und Kriegsanleihen“.  

Unterstützt wird Levien von dem „Matrosen“ Rudolf Egelhofer, der von der „permanenten Proletarierversammlung“ im „Wagnersaal“ abgesandt wurde, an der mehr als 5.000 Menschen teilnehmen.  

Auch der „Anarchist“ Erich Mühsam schließt sich dieser Forderung an.  
Er ist der Überzeugung, dass der Ausgang des „Kongresses der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ von entscheidender Bedeutung für den künftigen Verlauf der „Weltrevolution“ ist.  

In den weiteren Beratungen kristallisieren sich die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien heraus.  

Die „SPD-Delegierten“ sprechen sich gegen eine „Räterepublik“ aus, setzen sich aber - anders als die Genossen um Erhard Auer - für die Verankerung der „Räte“ in der Verfassung ein.  

Die „KPD“ fordert dagegen die „Regierung der Volksbeauftragten“ und eine „Räterepublik“

13.04.1919 Die „Zweite Räterepublik“ oder „Kommunistische Räterepublik“ ausgerufen

München-Graggenau * Noch während am Hauptbahnhof gekämpft wird, kommen im „Hofbräuhaus“ die „Betriebs- und Soldatenräte“ zusammen. 

  • Sie rufen die „Zweite Räterepublik“ oder „Kommunistische Räterepublik“ aus,
  • erklären den „Provisorischen revolutionären Zentralrat“ für abgesetzt und
  • übertragen die gesamte gesetzgebende und vollziehende Gewalt einem 15-köpfigen „Aktionsausschuss“
    Dieser besteht aus Mitgliedern der KPD, der USPD und der SPD.

Der „Aktionsausschuss“ wählt einen vierköpfigen „Vollzugsrat“:

  • Eugen Leviné, Max Levien, xxx Dietrich und xxx Werner.
  • „Stadtkommandant“ wird der 23-jährige Rudolf Egelhofer.
  • Johann Dosch, ein steckbrieflich gesuchter Krimineller, wird neuer „Polizeipräsident“
14.04.1919 Der „Vollzugsrat“ hat den „Generalstreik“ ausgerufen

München * Erster Tag des „Generalstreiks“, den der „Vollzugsrat“ ausgerufen hat.

Er wird bis zum 22. April andauern. 

15.04.1919 Die „Rote Armee“ erringt ihren ersten Sieg

München - Dachau * Die alarmierte „Rote Armee“ lässt daraufhin

  • den Zugverkehr unterbrechen,
  • den Hauptbahnhof und den Bahnhofsplatz räumen und in einen Verteidigungszustand versetzen,
  • den Telefon- und Telegraphenverkehr einstellen und
  • alle Zubringerstraßen nach München durch Soldaten absperren.

Mit Lastwagen werden Angehörige der „Roten Armee“ nach Allach gebracht.
Ihnen gelingt es, die von der Gegenwehr völlig überraschten Regierungstruppen nach Karlsfeld zurückzudrängen.

Damit hat die „Rote Armee“ ihren ersten Sieg errungen. 

16.04.1919 Rudolf Egelhofer wird „Oberkommandierender der Roten Armee“

München * Rudolf Egelhofer wird „Oberkommandierender der Roten Armee“

16.04.1919 Ernst Toller setzt auf Verhandlungen mit den Angreifern

Dachau * Ernst Toller, der zwischenzeitlich zum „Abschnitts-Kommandanten“ der bei Dachau stationierten „Roten Armee“ ernannt worden ist, verweigert Rudolf Egelhofers Befehl, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. 
Toller will mit den Angreifern verhandeln.

Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, gelingt der „Roten Armee“ ein weiterer Sieg über die Regierungstruppen.  

Egelhofers Befehl, die gefangen gesetzten Offiziere standrechtlich zu erschießen, wird von Ernst Toller erneut verweigert.
Er setzt auch weiterhin auf Verhandlungen und die Vernunft beider Seiten.

Damit erreicht er zwar einen „Waffenstillstand“, der jedoch den Regierungstruppen die dringend notwendige Atempause verschafft, um sich zu sammeln und um den Gegenschlag vorzubereiten.
Außerdem ersuchen die „Weißen“ in Berlin um Verstärkung nach. 

Die „Weißen Truppen“ haben Dachau bedingungslos übergeben. 
Der „Roten Armee“ fallen mehrere Millionen Schuss Infanterie-Munition, 4 Geschütze, 3 Maschinen-Gewehre, Sanitätsfahrzeuge und anderes Material in die Hände. 
„Wir machten mehrere Hundert Gefangene, darunter 4 Offiziere. 
Wir beklagen 8 Tote und eine Zahl Verwundete. 
Unsere Arbeiter undTruppen schlugen sich hervorragend. 

Unsere Truppen sind über Dachau hinaus vorgestoßen“
heißt es in einem Flugblatt des „Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte Münchens“ vom 17. April. 

18.04.1919 Willy Weinberger wird „Stadtkommandant“

München * Karfreitag: Willy Weinberger wird „Stadtkommandant“

Er übernimmt diese Funktion von Rudolf Egelhofer. 

18.04.1919 Verschleppt ins „Zuchthaus Ebrach“

Erbrach * Karfreitag: Am Nachmittag erfährt das Mitglied des „Vollzugsrats“ Wilhelm Karl Duske, dass im „Zuchthaus Ebrach“ die gewaltsam entführten 13 „Linksradikalen“, darunter die acht Mitglieder des „Zentralrats“, wie die „Volksbeauftragten“ Dr. Franz Lipp und Fritz Soldmann, sowie der „Wohnungskommissar“ Dr. Arnold Wadler und der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam, einsitzen. 

Rudolf Egelhofer erklärt: „Wir können nichts weiter tun, als Hoffmann-Genossen festnehmen“.

20.04.1919 Finanzmittel für die „Räterepublik“ sollen beschafft werden

München - Budapest - Moskau - Wasserburg * Ostersonntag: Am Nachmittag fliegen Eugen Leviné, Wilhelm Reichart, der „Volksbeauftragte für das Militärwesen“ und der Student Karl Petermeier, der „Adjudant“ Rudolf Egelhofers, mit Ziel Budapest und Moskau ab. 

Sie wollen dort Finanzmittel für die „Räterepublik“ beschaffen. 

Der Flug endet jedoch bereits in Wasserburg am Inn, wo der Pilot unter Vortäuschung eines Motordefekts notlandet.

28.04.1919 Die „Betriebs- und Soldatenräte“ wählen einen neuen „Aktionsausschuss“

München-Graggenau * Von den „Betriebs- und Soldatenräten“ wird ein neuer zwanzigköpfiger „Aktionsausschuss“ gewählt. 

Ernst Toller, Gustav Klingelhöfer und Rudolf Egelhofer kandidieren nicht für dieses Gremium. 

Der gewählte „Aktionsausschuss“ besteht aus 15 „Betriebsräten“ und fünf „Soldatenräten“.
Unter ihnen ist kein Kommunist.

28.04.1919 Die „Diktatur der Roten Armee“ beginnt

München-Graggenau* Unmittelbar vor der Wahl wird das „Hofbräuhaus“ von Einheiten der „Roten Armee“ umstellt.

  • Diese fordern  die sofortige Beseitigung der Polizei und
  • die Ausstattung des „Oberkommandos der Roten Armee“ mit allen Vollmachten, „um den erfolgreichen Kampf gegen die Weiße Garde und besonders gegen die innere Reaktion führen zu können“.

Durch die nun beginnende „Diktatur der Roten Armee“ unter ihrem „Oberkommandierenden“ Rudolf Egelhofer ist die Wahl des neuen „Aktionsausschusses“ mehr oder weniger gegenstandslos geworden. 

29.04.1919 Rudolf Egelhofer ruft den sofortigen Generalstreik aus

München - Schleißheim - Starnberg * Rudolf Egelhofer, der Oberkommandierende der Roten Armee, ruft den sofortigen Generalstreik aus.

Denn:

  • in Schleißheim stehen schon die „Söldner des Kapitalismus“,  
  • in Starnberg haben die „weißgardistischen Hunde die Sanitätsmannschaften niedergemetzelt“, deshalb
  • „Alle Mann zu den Waffen! Zeigt der weißen Garde, wie die Rote Armee zu siegen versteht!“
29.04.1919 Egelhofers geplante Geiselnahme wird mit Stimmenmehrheit abgelehnt

München * Der Oberkommandierende der Roten Armee, Rudolf Egelhofer, stellt in der Sitzung der Stadtkommandur den Antrag, die „Angehörigen der Bourgeoisie“ auf der Theresienwiese zusammenzutreiben und beim Einmarsch der „Weißen Truppen“ zu erschießen. 

Der Antrag wird mit 7 zu 6 Stimmen abgelehnt. 

30.04.1919 Das Dienstauto des geflohenen päpstlichen „Nuntius“ beschlagnahmt

München *Auf schriftlichen Befehl Rudolf Egelhofers hin, wird das Dienstauto des inzwischen geflohenen päpstlichen „Nuntius“ Eugenio Pacelli beschlagnahmt. 

Der Wagen ist jedoch nicht fahrbereit.

02.05.1919 Rudolf Egelhofer wird aufgegriffen und verhaftet

München * Der Oberbefehlshaber der „Roten Armee“, Rudolf Egelhofer, wird in der Wohnung der Ärztin Dr. Hildegard Menzi, wo er zur Untermiete wohnt, aufgegriffen und verhaftet.

Er wird im Keller der Residenz eingesperrt. 

03.05.1919 Rudolf Egelhofer wird erschossen

München-Graggenau * Der im Keller der Residenz inhaftierte Rudolf Egelhofer wird in aller Frühe zum Verhör geholt.

Wenig später ist er tot - erschossen. 




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