Münchner Revolutionsgeschichte 1918/19

01.04.1919

München * Die wöchentliche Fleischration wird von 300 Gramm auf 250 Gramm herabgesetzt. Schwerstarbeiter erhalten auch weiterhin eine Zulage von 120 Gramm Wurst.

Der neuernannte Staatskommissar für Ernährungswesen, Johann Wutzelhofer vom Bayerischen Bauernbund- BBB, stellt sein Programm vor. 

München-Graggenau * Hermine Körner übernimmt die Leitung des Münchner Schauspielhauses

Ruhrgebiet * 160.000 Arbeiter befinden sich im Ruhrgebiet im Streik

02.04.1919

München-Au * In einer Versammlung im Münchner-Kindl-Keller wird von den Teilnehmern die Forderung erhoben, sämtliche Mietshäuser des Stadtgebiets, mit Ausnahme der Einfamilienhäuser, zu enteignen. Zur Bekräftigung des Beschlusses will man ab 15. April keine Miete mehr bezahlen. 

03.04.1919

Augsburg * Seit Ende März werden die Forderungen nach einem Rätesystem wieder lauter.

Eine Versammlung in Augsburg fordert erneut

  • die Errichtung einer Räterepublik und
  • ein Bündnis mit den Sowjetrepubliken Ungarns und Russlands

München * Am Abend gibt Ministerpräsident Johannes Hoffmann bekannt, dass er den Landtag - entgegen bestehender Absprachen - für den 8. April einberufen wird. 

Anschließend reist das bayerische Regierungsoberhaupt nach Berlin. 

Weimar - Berlin * Die Mehrheitssozialdemokraten lehnen tief greifende Sozialisierungsmaßnahmen unter dem Eindruck

  • der harten Forderungen der Alliierten,
  • der Demobilmachungsprobleme und
  • der katastrophalen Ernährungslage ab.

Daraufhin tritt die Kommission zur Erarbeitung eines Sozialisierungskonzepts endgültig zurück. 

04.04.1919

Augsburg - München * In Augsburg rufen Arbeiterräte einen Generalstreik aus.

Eine Delegation der Augsburger Räte erscheint im Ministerrat und trägt ihre Forderung nach Ausrufung einer Räterepublik vor. Die SPD-Minister wollen in Abwesenheit des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann aber keine Entscheidung treffen. 

München-Kreuzviertel * Stellenlose Kaufleute demonstrieren vor dem Ministerium des Äußeren am Promenadeplatz, dem Montgelas-Palais

München * In einer Vertreterversammlung der Arbeiter-, Angestellten- und Beamten-Ausschüsse fordert Gustav Klingelhöfer die Proklamation der Räterepublik.

Eugen Leviné und Max Levien sprechen sich als Führer der kommunistischen Partei gegen die Räterepublik aus, obwohl sie diese bisher lautstark propagiert haben. 

München-Maxvorstadt * Auf einer vom Zentralrat einberufenen und gut besuchten Veranstaltung im Löwenbräukeller teilt Dr. Arnold Wadler mit, dass der Landtag am 8. April nicht zusammentreten wird.

München * Nachdem die Münchner Garnison erklärt, dass sie nicht zum Schutz des Landtags zur Verfügung stehen wird, entscheidet sich der Ministerrat mehrheitlich gegen eine Einberufung des Landtags

05.04.1919

München-Kreuzviertel * Bezugnehmend auf das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“ wird in einer Bekanntmachung der Staatsregierung das Führen bayerischer Adelstitel ausdrücklich verboten.

Das Gesetz wird durch die „Weimarer Verfassung“ vom 11. August wieder aufgehoben. 

München-Maxvorstadt * Die Soldaten des „1. Infanterie-Regiments“ beschließen die Umbenennung der „Marsfeld-Kaserne“ in „Kurt-Eisner-Kaserne“. 

Sie fordern vom „Zentralrat“

  • die sofortige „Proklamierung der Räterepublik“,
  • wollen als erstes Regiment der zu bildenden „Roten Armee“ geführt werden,
  • fordern die „Aufhebung der Offiziersvorrechte“,
  • die sofortige Einstellung der Gehaltszahlungen an Offiziere,
  • eine „Neuregelung des Mannschaftsversorgungsgesetzes unter Gleichstellung mit den Offizieren“ und
  • keine Entlassung der Soldaten, bevor nicht ausreichend Arbeitsstellen geschaffen sind.

Das „2. Infanterie-Regiment“ benennt seine Kaserne an der Lothstraße in „Karl-Liebknecht-Kaserne“ um.

München * Die „Kommunistische Partei“ spricht sich gegen die vom „Zentralrat“ geplante Ausrufung einer „Räterepublik“ aus. 

Denn, so seine Begründung:

  • Die Proklamation ist entweder eine bewusste Provokation, um die Idee der „Räterepublik“ zu diskreditieren, oder
  • der Versuch, bankrotter SPD-Führer, den Anschluss an die Massen zu gewinnen;
  • die Massen sind nicht aufgeklärt,
  • es gibt keinen eigenständigen bayerischen Weg der Revolution und die Kommunisten beanspruchen die Führung.
  • Es wäre nur eine „Diktatur des Zentralrates“ und eben nicht die von den Kommunisten angestrebte „Diktatur des Proletariats“

München * Am 5. und 6. April findet der „Gautag der Sozialdemokraten Südbayerns“ statt.

Die Versammelten erklären sich mit der Errichtung einer „Räterepublik“ einverstanden, wenn sich die drei sozialistischen Parteien [SPD, USPD und Kommunisten] an der Durchführung beteiligen.
Es geht ihnen um den Erhalt der „Errungenschaften der Revolution gegen alle Anschläge der Reaktion“

München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann wird in der Sitzung des „Ministerrats“ mit den Forderungen nach einer „Räterepublik“ konfrontiert. 

Hoffmann verweigert sich dem Ansinnen entschieden. 

München * In Massenversammlungen im „Hofbräuhaus“, im „Löwenbräukeller“, im „Münchner-Kindl-Keller“ und im „Wagner-Saal“ wird die vom „Zentralrat“ geplante „Räterepublik“ ebenfalls abgelehnt. 

Die Versammlungen fordern dagegen die Ausrufung einer „Räterepublik auf kommunistischer Grundlage nach russischem Vorbild“

06.04.1919

Nürnberg - München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann reist zum „Landesparteitag der SPD“ nach Nürnberg und kann dort die Genossen gegen die „Räterepublik“ mobilisieren. 

München * Bereits vor der „Ausrufung der Räterepublik Baiern“ informiert der „Zentralrat“ alle bayerischen Behörden über die bevorstehenden Maßnahmen telegraphisch und fordert die Beamten zur Mitarbeit auf. 

Denn am Abend entscheidet sich der „Zentralrat“ für die „Ausrufung der Räterepublik Baiern“, obwohl die KPD dieses Vorhaben ablehnt. 

Man glaubt dennoch, dass die Bevölkerung und die Armee geschlossen hinter diesem Systemwechsel steht. 

München * Ernst Schneppenhorst, der „Minister für Militärangelegenheiten“, soll den „Zentralrat“ über die strikte Ablehnung einer „Räterepublik“ informieren.

Doch Schneppenhorsts Zug verspätet sich.
Und bis er in München eintrifft ist Bayern bereits eine „Räterepublik“

07.04.1919

München * In der Nacht vom 6. auf den 7. April erfolgt im „Wittelsbacher Palais“ - mit Zustimmung von Vertretern der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und des „Revolutionären Arbeiterrates“ - die Proklamation der „Baierischen Räterepublik“.

Dieser Vorgang wird als „3. Revolution“, als „Räterepublik des Zentralrats“ oder - von den Kommunisten - auch als „Scheinräterepublik“ bezeichnet.

Die „Regierung Hoffmann“ hat sich - wahrscheinlich unter dem Einfluss der Parteileitung in Berlin - im letzten Moment gegen die „Ausrufung“ entschieden.

Durch den Boykott der Kommunisten und den Rückzug der SPD fallen den Mitgliedern des „Revolutionären Arbeiterrats“ und der USPD eine Schlüsselrolle zu. 

München - Nürnberg - Bamberg * Ministerpräsident Johannes Hoffmann begibt sich zunächst nach Nürnberg und später nach Bamberg, wo er mit dem Landtag und den noch verbliebenen SPD-Ministern Unterschlupf finden wird.

Bis zum 16. August 1919 ist Bamberg der bayerische Regierungssitz.
Untergebracht ist die Regierung in der ehemaligen „Fürstbischöflichen Neuen Residenz“ am Domplatz. 

München * Angehörige der „Gruppe sozialistischer Akademiker“ gründen einen „Revolutionären Hochschulrat“
Er beseitigt den am 5. April gegründeten und aus drei Sudenten bestehenden „Provisorischen Studentenrat der Universität München“.

Der „Revolutionäre Hochschulrat“

  • will die Universität sofort schließen,
  • die bisherige Universitätsverfassung aufheben und
  • einen „Revolutionären Senat“ bilden. 
  • Sämtliche Lehrkräfte der Universität sollen entlassen und
  • eine völlig neue „Hochschule“ durch Neuberufungen geschaffen werden.

Für den nächsten Tag wird eine „allgemeine Studentenversammlung“ ins „Auditorium Maximum“ der Universität München einberufen. 

München - Freistaat Bayern * Die „Räterepublik Baiern“ wird es lediglich ganze sechs Tage - bis zum 13. April - geben. 

Bayernweit folgen zahlreiche Städte dem Beispiel Münchens, doch nur an wenigen Orten haben die „Räterepubliken“ bestehen über den 10. April hinaus. 

  • München * Die „Ausrufung der Räterepublik Baiern“ funktioniert in den Behörden reibungslos, 
  • die Besetzung und Übernahme der Zeitungsverlage geht überwiegend friedlich und widerstandslos vonstatten, 
  • Polizei und Militär verhalten sich ruhig und bekennen sich zur „Räterepublik“
  • KPD und MSPD bleiben bei ihrer abwartenden Haltung und stellen sich den Ereignissen nicht entgegen. ​

München * Die „Münchner Rote Fahne“ bezeichnet die „Räterepublik“ als Kompromiss. 

Die Zeitung protestiert, dass durch die „Proklamierung einer Scheinräterepublik“ der „Gedanke des Rätesystems“ verwässert oder erwürgt wird. 

Sie fordert die „Errichtung einer kommunistischen Räterepublik“, da nur sie „die Arbeiterschaft aus aller Not und allem Elend befreien kann“.

München * Der im „1. Kabinett Hoffmann“ für „Handel und Gewerbe“ zuständige Minister Josef Simon von der USPD tritt von dieser Funktion zurück. 

„Nachdem in München die Räterepublik ausgerufen ist, das Ministerium Hoffmann den Kampf gegen das Rätesystem proklamierte, ist mein Verbleiben in diesem Ministerium unmöglich“.

München - Nürnberg * Die „Regierung Hoffmann“ verlegt ihren Sitz nach Nürnberg.

München * Der 7. April wird zum „Nationalfeiertag“ erklärt.

München * Die „Baierische Räterepublik“ lehnt die Zusammenarbeit mit der „Reichsregierung“ ab und bezeichnet diese als „verächtliche Regierung Ebert, Scheidemann, Noske, Erzberger, weil diese unter der Flagge einer sozialistischen Republik das imperialistisch-kapitalistisch-militärische Geschäft des in Schwachheit zusammengebrochenen deutschen Kaisertums unterstützt“.

München * In der „Räteregierung“, also dem „Rat der Volksbeauftragten“, sitzen keine Mehrheitssozialdemokraten, wohl aber im „Revolutionären Zentralrat“.

Führende Funktionen haben die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam.
Ihre geringe politische Erfahrung betrachten sie nicht als Mangel, da sie den herrschenden Konventionen der Politik ja sowieso ablehnend gegenüberstehen.
Deshalb wird die „Erste Räterepublik“ häufig auch abschätzend als „Literatenrepublik“ bezeichnet.

  • Oberster Repräsentant der „Baierischen Räterepublik“ ist Ernst Toller, der zum linken Flügel der USPD zählt und deren Vorsitzender er ist.
  • Das Amt des „Volksbeauftragten für Finanzen“ übernimmt Silvio Gesell,
  • „Volksbeauftragter für Volkswohlfahrt“ wird August Hagemeister und
  • „Volksbeauftragter für Volksaufklärung“ wird der „Anarchist“ Gustav Landauer.

Der Bayerische Landtag wird als „unfruchtbares Gebilde des überwundenen bürgerlich-kapitalistischen Zeitalters“ für aufgelöst erklärt und  die sofortige Gründung einer „Roten Armee“ angekündigt. 

Bamberg - München * Die „Regierung Hoffmann“ lässt am Abend ein Flugblatt mit folgendem Inhalt über München abwerfen: 

„Die Regierung des Freistaates Bayern ist nicht zurückgetreten.
Sie hat ihren Sitz von München verlegt.
Die Regierung ist und bleibt die einzige Inhaberin der Gewalt in Bayern und ist allein berechtigt, rechtswirksame Anordnungen zu erlassen und Befehle zu erteilen“

08.04.1919

München-Maxvorstadt * Im Auditorium Maximum der Münchner Universität stellt der Revolutionäre Hochschulrat seine am Tag zuvor gefassten Forderungen vor. Die allgemeine Studentenversammlung verweigert allerdings ihre Zustimmung zu den Maßnahmen. 

München * Über Flugblätter lässt der Vollzugsausschuss des Soldatenrats München erklären, dass die Kasernenräte sämtlicher Münchner Truppenteile hinter der Räterepublik stehen. 

München * Es fehlt der Räterepublik Baiern ein klares Regierungsprogramm. Entscheidungen werden individuell getroffen. Diese widersprechen sich teilweise oder heben sich sogar gegenseitig auf.

Ernst Niekisch, der Vorsitzende des Zentralrats, gibt schon am zweiten Tag völlig entnervt auf. Der 25-jährige Anarchist und Schriftsteller Ernst Toller wird sein Nachfolger. 

Moskau - Belgrad * Die Räterepubliken in Russland und Ungarn begrüßen in Telegrammen die Errichtung der Baierischen Räterepublik

München * Dr. Arnold Wadler, der Volkskommissar für das Wohnungswesen ordnet die Beschlagnahme und Rationierung der Wohnräume in ganz Bayern an.

München * Die Arbeiter des Maffei-Werkes werden bewaffnet. Damit beginnt die vom Provisorischen Revolutionären Zentralrat angeordnete Bewaffnung des Proletariats.  

Berlin * Der zweite Kongress der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte tagt bis zum 14. April in Berlin.

  • Er lehnt die Einführung eines reinen Rätesystems als Alternative zur parlamentarischen Demokratie mit großer Mehrheit ab.
  • Ein Antrag, der eine gleichberechtigte „Kammer der Arbeit“ neben den Reichstag stellen möchte, wird dagegen angenommen. 

Vom Grundgedanken einer Demokratisierung der Betriebs- und Wirtschaftsverfassung werden nur die Betriebsräte übrig bleiben. 

09.04.1919

München * Zugverbindungen werden unterbrochen und damit der Nachschub von Lebensmitteln und Kohle unterbunden. 

Braunschweig * In Braunschweig wird die „Räterepublik“ ausgerufen. 

München * Führende Männer der gemäßigten politischen Linken planen, die kommunistischen Führer der Räterepublik und die „Ausländer und Juden“ zu verhaften. 

Zusammen mit Carl Gandorfer, dem „Polizeipräsidenten“ Josef Staimer und „Stadtkommandant“ Oskar Dürr will der „Volksbeauftragte der Justiz“, Konrad Kübler, gegen die Kommunisten gewaltsam vorgehen. 

München - Bayern - Berlin - Leipzig - Frankfurt - Hamburg * Den telefonischen Verkehr mit München haben inzwischen Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg, Würzburg, Berlin, Hof, Leipzig, Frankfurt und Hamburg eingestellt. 

München * Um 23 Uhr beschließt der „Rat der Revolutionären Betriebsobleute“ und der „Rat der Revolutionären Soldatenvertreter“ die sofortige Abdankung des „Zentralrats“ und seine eigene Einsetzung als Träger der gesamten Gewalt.

Bamberg - München * Flugzeuge werfen am Nachmittag Flugblätter der inzwischen nach Bamberg übersiedelten „Regierung Hoffmann“ über München ab. 

In diesem wird mitgeteilt, dass die Bauernschaft Frankens, der Oberpfalz und des Rieses vom 8. April an eine Lebensmittelsperre über München und Augsburg verhängt haben. 

München * Ein Anschlag des „Zentralrats“ gibt bekannt, dass „Der revolutionäre Bankrat für Baiern“ in München „Vertrauensleute“ bestimmt hat, die „die Auszahlung von Geldern bei den Banken zu überwachen haben, um zu verhindern, dass landesverräterische Kapitalisten ihr Geld ins Ausland verbringen“

Damit soll die „Kapitalflucht“ unterbunden werden. 

München * Der „Kellner“ und  Mitglied des „Vollzugsausschusses des Landessoldatenrats“, Wilhelm Reichart, wird einvernehmlich zwischen dem „Provisorischen Revolutionären Zentralrat“ und den „Kasernenräten“ zum „Volksbeauftragten für das Militärwesen“ ernannt.   

Er wird das Amt bis zum 13. April ausüben.

10.04.1919

Bamberg * Dr. Fritz Gerlich flieht mit gefälschten Papieren nach Bamberg, wo sich auch die „Bayerische Regierung“ aufhält.

Er stellt die Verbindung zu „Reichswehrminister“ Gustav Noske her und agiert als Redner vor den Freikorps für die „Befreiung Münchens von der Räteregierung“.

München-Schwabing * Um 10 Uhr beginnt im „Städtischen Wehramt“ an der Winzererstraße die Werbung für die „Rote Armee“ der „Räterepublik Baiern“.  

  • Jeder Angehörige der „Roten Armee“ erhält bei freier Verpflegung, Unterkunft und Kleidung eine Tageslöhnung von 7.- Mark.  
  • Verheiratete (Selbstverpfleger) erhalten zusätzlich 7,50 Mark.
  • Eintretende Erwerbslose haben nach dem Austritt aus der „Roten Armee“ Anspruch auf „Arbeitslosenfürsorge“

Ingolstadt * Der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Ernst Schneppenhorst, und das „Freikorps Epp“, mit Franz Xaver Ritter von Epp an der Spitze gegenrevolutionärer Truppenverbände, ziehen in Ingolstadt ein. 

München * Ernst Toller redet im „Hofbräuhaus“ vor den „Betriebsräten“.

Er erklärt zu der am Vorabend vom „Rat der Revolutionären Betriebsobleute“ und vom „Rat der Revolutionären Soldatenvertreter“ beschlossenen sofortigen Abdankung des „Zentralrats“ und seiner eigenen Einsetzung als Träger der gesamten Gewalt, dass

  • die Kommunisten aus wirtschaftlichen, politischen und militärischen Gründen nicht in der Lage sind, die Herrschaft anzutreten und auf Dauer zu behaupten und
  • der „Bauernrat“ einer „kommunistischen Räterepublik“ jede Unterstützung verweigern würde. 

München * Am Abend wird in der „Chirurgischen Klinik“ ein Anschlag auf Erhard Auer verhindert. 

Die bewaffneten Eindringlinge können überwältigt und verhaftet werden. 

München * Der „Verein der Staatsbürger jüdischen Glaubens“ wehrt sich in Erklärungen gegen die in Flugblättern erhobenen Vorwürfe, dass die Juden die eigentlichen Triebkräfte der Revolution sind.

München * Der „Verband sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Baierns“ gibt folgende Erklärung ab:  

  • „Die Räterepublik ist ausgerufen. Das Volk hat die Macht übernommen. Der Kapitalsmus wird vernichtet. 
  • Frei soll die Schule sein. Das Zerrbild des Armen, abhängigen Schulmeisters ist für immer vernichtet. 
  • Jetzt sind auch wir frei von Kirche und Juristerei. 
  • Helft mit am Siege der Räterepublik!“ 

Berlin - Freistaat Bayern * Der Versuch, die Stadt und die „Räteregierung“ über „Sanktionsmaßnahmen“ auszuhungern, nimmt immer konkretere Formen an:  

  • Die „Reichsbank“ hat die Zahlungsüberweisungen nach Bayern eingestellt. 
    Damit wird auch die Belieferung der Banken mit Banknoten wird unterbunden. 
  • Die „Sparkasse“ ist für den Publikumsverkehr geschlossen.
  • Die „Bayerische Hypotheken- und Wechselbank“ hat auf Anweisung der Preußischen Regierung die bei ihr liegenden Depots von 80 Millionen Mark nach Berlin geschickt. 

Allgäu - München * Nachdem die Milchlieferungen aus dem Allgäu vollständig ausgeblieben sind, kann in den Münchner „Kaffeehäusern“ keine Milch verabreicht werden. 

München * Der „Revolutionäre Zentralrat“ gibt die Einsetzung von „Revolutionstribunalen“ und deren Zusammensetzung bekannt. 

Ruhrgebiet * Am Generalstreik im Ruhrgebiet beteiligen sich 307.000 Beschäftigte. Das sind 73 Prozent aller Zechenbelegschaften der Region. 

11.04.1919

Bamberg - München * Der Kommandant der Republikanischen Schutztruppe, Alfred Seyffertitz, arbeitet gemeinsam mit Ministerpräsident Johannes Hoffmann und dem Minister für militärische Angelegenheiten, Ernst Schneppenhorst, Pläne für einen Putsch gegen die Räteregierung aus. 

Dieser soll - so die Absprache - in der Nacht vom 15. zum 16. April erfolgen. 

München * Gustav Landauer, der „Volksbeauftragte für Volksaufklärung“, führt in der kurzen Zeit der (sozialistischen) „Räterepublik Baiern“ einige Sozialreformen im Bildungsbereich dazu.
Dazu gehört

  • die „Abschaffung der Prügelstrafe“,
  • die „Abschaffung des Zölibats für Lehrerinnen“ und
  • eine „Neugliederung des Schulsystems“

Bamberg * Ministerpräsident Johannes Hoffmann, die Minister und die „Landessekretariate“ der einzelnen Parteien sind inzwischen vollständig nach Bamberg übergesiedelt. 

In den nächsten Tagen soll sich hier auch der „Ältesten-Ausschuss“ zusammenfinden und über die „Einberufung des Landtags“ einen Beschluss fassen.  

München-Ludwigsvorstadt * Im Gasthaus „Zum Steyrer“ in der Schützenstraße kommt es gegen 15 Uhr zueiner Rauferei, bei der ein Angehöriger der „Bahnhofswache“ Prügel bezieht. 

Die herbeigeeilte „Republikanische Schutztruppe“ greift ein, muss aber vor der aufgebrachten Volksmenge den Rückzug antreten.  
Daraufhin versucht die Menge den Hauptbahnhof zu stürmen.

Gegen 16:45 Uhr kann das herbeigerufene „Leibregiment“ mit Schreckschüssen den Bahnhofsplatz räumen und später den Hauptbahnhof besetzen.   

Mindestens neun Personen, darunter eine Frau und ein Kind, werden verletzt.

München-Maxvorstadt * Das „Revolutionstribunal“ befindet sich im „Justizpalast“ und nimmt seine Tätigkeit auf.

München * Der „Sozialdemokratische Verein München“ hat eine Urabstimmung zur „Räterepublik“ durchgeführt. 
Knapp ein Drittel der Mitglieder beteiligt sich daran. 

Das Ergebnis ist gespalten.
Eine Hälfte spricht sich für, die andere gegen die „Räterepublik“ aus. 

München * Um 19 Uhr ordnet der „Provisorische Revolutionäre Zentralrat“ die „Entwaffnung der Bourgeoisie“ an. 

Die bürgerliche Bevölkerung muss innerhalb von 24 Stunden die in ihrem Besitz befindlichen Waffen abliefern.

München * Das „Gemeindekollegium“ lehnt in einer geheimen Sitzung die „Räterepublik“ ab.

Regensburg - Straubing * Auch Regensburg und Straubing stellen den Fernsprechverkehr mit München ein.

München * Bereits am frühen Morgen finden sich viele Kunden vor den Banken ein und wollen ihr Geld abholen.

12.04.1919

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ kappt sämtliche Fernsprechleitungen nach Südbayern. 

Um ihre Informationen weiterzugeben, lässt die Regierung Flugblätter über München abwerfen. 

München * Die „Räterepublik Baiern“ ist nicht nur bei den bürgerlich-konservativen Kräften umstritten, sondern insbesondere bei den Kommunisten. 

Sie bestreiten den Führungsanspruch des „Zentralrats“

Berlin - Bamberg * In einem Telegramm fordert der „Reichspräsident“ Friedrich Ebert vom bayerischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, dass die „Wiederherstellung des früheren Zustandes in Bayern baldigst erfolgt, zumal da nach neueren mir zugegangenen Nachrichten aus München man dort anfängt, sich an die Räteregierung zu gewöhnen. 
Wenn die wirtschaftlichen Maßnahmen, welche Sie in Aussicht genommen haben, nicht in kürzester Zeit zum Ziel führen, erscheint mir als einzige Lösung militärisches Vorgehen“.  

Damit ist das Schicksal der bayerischen Revolution besiegelt.

Eine Niederschlagung nach dem Beispiel des „Spartakus-Aufstandes“ in Berlin ist naheliegend. 

München-Graggenau * Die Vertreter der sozialistischen Parteien beschließen im „Hofbräuhaus“ - nach zahlreichen Kompromissen gegenüber der KPD - die Zusammenarbeit. 

Dabei ist immer unklar, ob und inwieweit sich die Kommunisten an die Zusagen gebunden fühlen und ob sie überhaupt ein ernsthaftes Interesse an der Zusammenarbeit haben oder einfach nur auf Zeit spielen. 

München * In der gleichen Nacht beginnt parallel daneben eine „Verhaftungskommission des Zentralrats“ Geiseln aus der Münchner Bürgerschaft festzunehmen. 

In der Nacht zum 13. April wird von Alfred von Seiffertitz, Franz Guttmann, Emil Aschenbrenner und Walter Löwenfeld eine umfangreiche Liste von festzunehmenden Personen aufgestellt. Die Regierung in Bamberg lässt ihnen dabei größtmögliche Freiheit. 

Es sollten aber hauptsächlich Leute verhaftet werden, „die entweder als Haupträdelsführer mitgewirkt hätten, oder von denen bekannt und anzunehmen war, dass sie zu den Haupthetzern gehörten“.  

München * Der „Zentralrat“ veranstaltet in sechs Sälen Münchner Brauereien Massenversammlungen zum Thema „Das Gebot der Stunde“.  

München * Der „Hochschulrat“ verfügt die „Schließung der Universität“ für den nächsten Tag. 

13.04.1919

München * Angehörige der „Republikanischen Schutztruppe“ unter der Führung von Alfred von Seyffertitz dringen - entgegen der ursprünglichen Abmachung - gewaltsam in das „Wittelsbacher Palais“ ein und nehmen 13 Personen fest. 

Darunter befinden sich acht Mitglieder des „Zentralrats“, wie die „Volksbeauftragten“ Dr. Franz Lipp und Fritz Soldmann, sowie der „Wohnungskommissar“ Dr. Arnold Wadler und der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam.

Die Gefangenen werden sofort mit der Bahn nach Eichstätt gebracht und dort in der „Willibaldsburg“ inhaftiert. 

Ohrdruf * Die „Werbezentrale des Freikorps Epp“ veröffentlicht ein Flugblatt mit folgendem Inhalt:

„Vertraulich! Nicht auf bayr. Boden mitnehmen! 

Ministerpräsident Hoffmann hat das Versprechen gegeben, dass die Werbung für das Freikorps zwar nicht offiziell erlaubt würde, dass aber weitere Schwierigkeiten den Werbern nicht gemacht werden sollten. [...] 

Es ist anzunehmen, dass dagegen der bayr. Mil. Minister alles versuchen wird, um die Werbung zu hemmen“

München * Fünf mit Handgranaten und Pistolen bewaffnete Soldaten, die sich als „Beauftragte der Militärpolizei“ ausgeben, dringen an diesem „Palmsonntag“, um 1:30 Uhr, in das „Erzbischöfliche Palais“ ein, um Michael von Faulhaber zu verhaften.  

Die Soldaten durchsuchen das ganze Gebäude, können den Kardinal aber nicht finden, weil sich dieser bereits seit dem 11. April in Freising aufhält. 

München * Zwischen 2 und 3 Uhr nimmt die „Verhaftungskommission des Zentralrats“ Geiseln aus der Münchner Bürgerschaft und dem Adel fest. 

Die Festgenommenen werden in die Polizeidirektion gebracht. 

Unter den Verhafteten befindet sich auch der „Bahnhofskommandant“  Emil Aschenbrenner, der aber später von seinem Stellvertreter wieder befreit wird und sich danach umgehend zum Hauptbahnhof begibt. 

München * Noch in der Nacht besetzt der „Aktionsausschuss“ alle öffentlichen Gebäude und die Standquartiere der „Republikanischen Schutztruppe“ (Luitpold-Gymnasium, Kirchenschule und Stielerschule).

Damit ist am Abend des „Palmsonntag“ nicht die Wiedereinsetzung der „Regierung Hoffmann“, sondern die Übernahme der Regierung durch die Kommunisten erreicht. 

München * Der „Generalstreik“ wird für den nächsten Tag ausgerufen und bürgerliche Zeitungen mit einem Erscheinungsverbot belegt. 

Flugblätter verkünden: 
„Es lebe das revolutionäre Internationale Proletariat! 
Es lebe die Weltrevolution!“

München-Graggenau * Noch während am Hauptbahnhof gekämpft wird, kommen im „Hofbräuhaus“ die „Betriebs- und Soldatenräte“ zusammen. 

  • Sie rufen die „Zweite Räterepublik“ oder „Kommunistische Räterepublik“ aus,
  • erklären den „Provisorischen revolutionären Zentralrat“ für abgesetzt und
  • übertragen die gesamte gesetzgebende und vollziehende Gewalt einem 15-köpfigen „Aktionsausschuss“
    Dieser besteht aus Mitgliedern der KPD, der USPD und der SPD.

Der „Aktionsausschuss“ wählt einen vierköpfigen „Vollzugsrat“:

  • Eugen Leviné, Max Levien, xxx Dietrich und xxx Werner.
  • „Stadtkommandant“ wird der 23-jährige Rudolf Egelhofer.
  • Johann Dosch, ein steckbrieflich gesuchter Krimineller, wird neuer „Polizeipräsident“

München * Gegen 16 Uhr bewegt sich ein gewaltiger Demonstrationszug durch die Bayerstraße in Richtung Hauptbahnhof.

Die Belagerer stürmen ab etwa 18 Uhr den Hauptbahnhof. 

Nach einer mehrstündigen Schießerei, bei der die Angreifer sogar Minenwerfer einsetzen, geben die „Putschisten“ von der „Republikanischen Schutztruppe“ gegen 21 Uhr auf.
Ihre Anführer fliehen mit einer Lokomotive nach Ulm.
Der Rest der Bahnhofsbesatzung kann durch unterirdische Gänge entkommen.

Zurück bleiben 21 Tote und über achtzig Verletzte. 

Und die Erkenntnis, dass der erste militärische Schlag gegen die „Räterepublik“ gescheitert ist und die gewählte „Regierung Hoffmann“ eine bittere Niederlage einstecken musste.

München-Theresienhöhe * Kommunistische Arbeiter und Soldaten besetzen das „Waffendepot“ in der Ausstellungshalle auf der „Theresienhöhe“.

München-Maxvorstadt * Die „Republikanische Schutztruppe“ verschanzt sich im Hauptbahnhof und wartet auf „Militärminister“ Ernst Schneppenhorst, der mit 600 Soldaten in Ingolstadt auf seinen Einsatzbefehl wartet. 

Da aber sein Verbindungsmann von der „Roten Armee“ abgefangen wird, wartet Schneppenhorst vergebens auf den Befehl zum Eingreifen.

Sechzig Mann vom „2. Pionier-Batallion“ in Fürstenfeldbruck werden noch vor ihrem Einsatz in München entwaffnet.
Einzelne treten zur „Roten Armee“ über, die anderen gehen wieder nach Fürstenfeldbruck zurück.

Die von der „Thule-Gesellschaft“ angebotenen „mehrere hundert Mann“ Unterstützung reduzieren sich auf insgesamt zehn Personen.

So aber hat die „Republikanische Schutztruppe“ keine Chance gegen die anstürmenden „Räterepublikaner“, besonders als die KPD am Nachmittag ihre Anhänger zum Widerstand aufruft. 

München-Theresienwiese * Auf Massenversammlungen am Vormittag auf der „Theresienwiese“ haben sich bereits Teile des „1. und 2. Infanterie-Leibregiments“ mit der demonstrierenden Arbeiterschaft solidarisch erklärt.

München * Anschläge - mit der Unterschrift „Die Garnison München“ - verkünden die „Verhängung des Kriegszustandes über München“.

Die Entscheidung fällt, nachdem das „Leibregiment“ erklärt, dass es sich in der ganzen Auseinandersetzung „neutral“ verhalten will und eine Unterstützung der „Republikanischen Schutztruppe“ ablehnen.

München * Um 9 Uhr treffen sich Vertreter der gemäßigten Parteien beim „Kommandanten der Republikanischen Schutztruppe“, Alfred von Seyffertitz, zu einer Lagebesprechung.
Sie wenden sich gegen dessen Forderung nach „Standrecht und Militärdiktatur“.

Am Vormittag des „Palmsonntags“ scheint der Handstreich geglückt. 

Doch während in der ganzen Stadt die Absetzung des „Zentralrats“ und die „Rückkehr der Regierung“ plakatiert wird, rufen die Anhänger der „Räterepublik“ zum Widerstand auf. 

Erste Schüsse fallen.

14.04.1919

Straubing * Karl Gandorfer wird von Angehörigen der in Bayern eindringenden Regierungstruppen verhaftet und ins „Zuchthaus Straubing“ gebracht. 

Bamberg * Die in Bamberg sitzende bayerische „Regierung Hoffmann“ organisiert mit Flugblättern den Einsatz von Freiwilligen.

Um 17:30 Uhr wird das nachstehende Flugblatt über München abgeworfen:
„In München rast der russische Terror, entfesselt von landfremden Elementen.
Diese Schmach darf keinen Tag, keine Stunde weiter bestehen. [...].
Ihr Männer der bayerischen Berge, des bayerischen Hochlandes, des bayerischen Waldes, erhebt Euch wie ein Mann. [...].  
Ein grüner Buschen am Hute und die weißblaue Binde am Arm ist Euer Erkennungszeichen.
Die Bahn befördert Euch zu den Sammelpunkten. [...].

Die Münchner Schmach muss verschwinden.
Das ist bayerische Ehrenpflicht“

Berlin - Bamberg - München * Die Vergeltungsmaßnahmen gegen die bayerische „Räterepublik“ können beginnen.

  • „Reichswehrminister“ Gustav Noske übernimmt den Oberbefehl über die Aktion.
  • „Generalleutnant“ Ernst Friedrich Otto von Oven erhält den Oberbefehl über die „Invasionstruppen“.
  • „General“ Arnold Ritter von Möhl erhält den Titel „Bayerischer Oberbefehlshaber“, bleibt aber Statist ohne Befehlsgewalt. 

München * Erster Tag des „Generalstreiks“, den der „Vollzugsrat“ ausgerufen hat.

Er wird bis zum 22. April andauern. 

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ setzt auf das neu eingerichtete „Propagandaministerium“ und die Zusammenarbeit mit bekennenden „Rechtsextremisten“.

Im Regierungsorgan „Freistaat“ werden die „Räteanhänger“ aufs übelste diffamiert und als „ausländische Juden“, „land- und rassenfremde Elemente“ sowie als „Terroristen“ diffamiert“.

Ernst Toller gibt daraufhin im Auftrag des „Zentralrats“ ein Flugblatt an die „Bürger der Räterepublik“ heraus.
In diesem macht er auf die antisemitischen Hintergründe aufmerksam und fordert die Bevölkerung zum Widerstand dagegen auf. 

München * Die Münchner Bürger müssen innerhalb von 12 Stunden jede Art von Waffen bei der „Stadtkommandantur“ abgeben. Im Weigerungsfall wird mit Erschießung gedroht. 

Andererseits werden die Arbeiter von den neuen Machthabern bewaffnet.
Die Bewaffnung erfolgt in den Betrieben.
Die Arbeiter müssen die Waffen immer bei sich tragen.

München * Johann Dosch, der neue „Polizeipräsident“, nimmt mit acht Mitgliedern der „Roten Armee“ auf eigene Faust Hausdurchsuchungen vor.

Er beschlagnahmt dabei Gegenstände im Wert von rund 100.000 Mark.

München-Haidhausen * Am Ostbahnhof werden elf aus Rosenheim stammende Bürger als Geiseln genommen.

Sie sollen im Austausch für mehrere kommunistische Geiseln, die in Rosenheim inhaftiert sind, übergeben werden. 

München * Das Erscheinen der Münchner Zeitungen wird verboten.

Ersatzweise werden ab dem nächsten Tag „Mitteilungen des Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte“ gedruckt und kostenlos an die Bevölkerung verteilt. 

15.04.1919

München * Der mit 21 Vorstrafen behaftete Hans Köberl, bisher „stellvertretender Polizeipräsident“, übernimmt von Johann Dosch das Amt des „Polizeipräsidenten“

Dosch wird nun sein Stellvertreter. 

München - Dachau * Die alarmierte „Rote Armee“ lässt daraufhin

  • den Zugverkehr unterbrechen,
  • den Hauptbahnhof und den Bahnhofsplatz räumen und in einen Verteidigungszustand versetzen,
  • den Telefon- und Telegraphenverkehr einstellen und
  • alle Zubringerstraßen nach München durch Soldaten absperren.

Mit Lastwagen werden Angehörige der „Roten Armee“ nach Allach gebracht.
Ihnen gelingt es, die von der Gegenwehr völlig überraschten Regierungstruppen nach Karlsfeld zurückzudrängen.

Damit hat die „Rote Armee“ ihren ersten Sieg errungen. 

München-Giesing * Eine Gruppe Giesinger Mieter verweigert - bis zum Einmarsch der Regierungstruppen - die Bezahlung ihrer Miete. 

München-Maxvorstadt - Eichstätt - Ebrach * Die von der „Republikanischen Schutztruppe“ im „Wittelsbacher Palais“ festgenommenen Personen, darunter der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam, werden von der Eichstätter „Willibaldsburg“ ins „Zuchthaus Ebrach“ gebracht und dort in „Isolierhaft“ verwahrt. 

Dachau * Als die Truppen der bayerischen „Exil-Regierung“ in Dachau einrücken, wird der amtierende „Arbeiter- und Bauernrat“ beim zuständigen „Major“ vorstellig und fordert diesen zum Abzug vom „Schlossberg“ auf, da sonst Dachau sonst beschossen werden könnte.

Der „Major“ kommt der Aufforderung umgehend nach. 

München * Plakatanschläge der „Räteregierung“ waren vor dem „Geldhamstern“ und vor „Lebensmittelwucher“

München * Emil K. Maenner wird zum Nachfolger von Silvio Gesell als „Volksbeauftragten für Finanzwesen“ ernannt. 

München * Ein „Revolutionärer Zentralschülerrat“, bestehend aus Schülern der Münchner „Mittelschulen“, wird gegründet. 

München - Dachau * In München trifft die Meldung über das Anrücken einer 800 Mann starken „Regierungstruppe“ aus Richtung Dachau kommend ein. 

16.04.1919

Straubing * Karl Gandorfer wird nach zwei Tagen aus der Haft im Zuchthaus Straubing entlassen. 

Dachau * Ernst Toller, der zwischenzeitlich zum Abschnitts-Kommandanten der bei Dachau stationierten Roten Armee ernannt worden ist, verweigert Rudolf Egelhofers Befehl, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. Toller will mit den Angreifern verhandeln. Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, gelingt der Roten Armee ein weiterer Sieg über die Regierungstruppen.  

Egelhofers Befehl, die gefangen gesetzten Offiziere standrechtlich zu erschießen, wird von Ernst Toller erneut verweigert. Er setzt auch weiterhin auf Verhandlungen und die Vernunft beider Seiten. Damit erreicht er zwar einen Waffenstillstand, der jedoch den Regierungstruppen die dringend notwendige Atempause verschafft, um sich zu sammeln und um den Gegenschlag vorzubereiten. Außerdem ersuchen die Weißen in Berlin um Verstärkung nach. 

Die Weißen Truppen haben Dachau bedingungslos übergeben. Der Roten Armee fallen mehrere Millionen Schuss Infanterie-Munition, 4 Geschütze, 3 Maschinen-Gewehre, Sanitätsfahrzeuge und anderes Material in die Hände. „Wir machten mehrere Hundert Gefangene, darunter 4 Offiziere. Wir beklagen 8 Tote und eine Zahl Verwundete. Unsere Arbeiter undTruppen schlugen sich hervorragend. Unsere Truppen sind über Dachau hinaus vorgestoßen“heißt es in einem Flugblatt des Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte Münchens vom 17. April. 

München * Rudolf Egelhofer wird Oberkommandierender der Roten Armee

München * Die Räteregierung teilt mit, dass München militärisch keine Gefahr droht. Die Weiße Garde wird bei Dachau in Schach gehalten. 

München * Die Stadt ist noch immer von der Außenwelt abgeschlossen. Es gibt keinen Post-, Eisenbahn-, Nachrichten- und Geldverkehr. Weder Lebensmittel noch Kohlen werden nachgeliefert. 

Bamberg - München * Die Regierung Hoffmann lässt Flugblätter über der Stadt abwerfen. Unter der Überschrift „In München rast der russische Terror“ fordert sie die Bevölkerung des Freistaats Bayern zur Befreiung Münchens mit Waffengewalt auf. 

München * In einem Anschlag der Wirtschaftskommission des Vollzugsrats heißt es: „Wer sein Geschäft böswillig schließt, wird sofort dem Revolutionstribunal übergeben und sein Geschäft wird nationalisiert“. Diese Anordnung gilt für Lebensmittelgeschäfte, Speditionen, Apotheken, Drogerien, Konditoreien und Cafés. 

München * Die Unternehmer werden angewiesen, Lohn für den Streik zu zahlen. Es ist inzwischen der dritte Tag des Generalstreiks

München * Der Schriftsteller Willy Weinberger wird stellvertretender Stadtkommandant von München. 

München * Die seit über einhundert Jahren am bayerischen Königshof durchgeführte, zeremonielle Fußwaschung an zwölf „armen alten Männern aus ganz Bayern“ findet erstmals nicht statt. 

München-Maxvorstadt * Die Mitglieder des Revolutionstribunals werden im Justizpalast von Soldaten festgenommen und in Haft genommen. 

München * Auf Anordnung des Revolutionären Bankrats werden die Safes der Münchner Banken geöffnet. Der Gold- und Papiergeldvorrat der Reichsbank wird beschlagnahmt. 

München-Kreuzviertel * 110 Millionen Mark wurden in der Firma Parcus am Promenadeplatz vom Betriebsrat mit den Originalplatten gedruckt. Sie werden jetzt ausgegeben. 

Berlin * Im Preußischen Kriegsministerium findet eine Besprechung - ohne bayerische Vertreter - statt. Es wird beschlossen, dass sich beim „Marsch auf München“ - neben bayerischen und württembergischen Verbänden - auch preußische Truppen beteiligen werden. 

Dachau * Bei der Roten Armee ist jeder systematische Dienst als Militarismus und „Ludendorfferei“ verpönt. Es gibt keine Befehle, nur Anweisungen. Militärische Titel werden bewusst nicht geführt. Dennoch geht es auch in dieser Truppe recht diszipliniert zu. 

München * Gustav Landauer schreibt an den Aktionsausschuss: „Ich habe mich um der Sache der Befreiung und des schönen Menschenlebens willen der Räterepublik zur Verfügung gestellt; als der alte Zentralrat von einer Organisation ersetzt worden war, die vom Vertrauen der Münchner Arbeiterschaft getragen zu sein schien. Sie haben meine Dienste bisher nicht in Anspruch genommen.

Inzwischen habe ich Sie am Werke gesehen, habe Ihre Aufklärung, Ihre Art den Kampf zu führen, kennengelernt. Ich habe gesehen, wie im Gegensatz zu dem, was Sie ,Schein-Räte-Republik‘ nennen, Ihre Wirklichkeit aussieht. Ich verstehe unter dem Kampf, der Zustände schaffen will, die jedem Menschen gestatten, an den Gütern der Erde und der Kultur teilzunehmen, etwas anderes als Sie.

Ich stelle also fest - was schon vorher kein Geheimnis war - , dass die Abneigung gegen eine gemeinsame Arbeit gegenseitig ist. Der Sozialismus, der sich verwirklicht, macht sofort alle schöpferischen Kräfte lebendig; in Ihrem Werke aber sehe ich, dass Sie auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiet […] sich nicht darauf verstehen“

17.04.1919

Berlin * Gründonnerstag: Reichswehrminister Gustav Noske beschließt den Einsatz von Reichswehrverbänden gegen München.

München * Der Vollzugsrat wirft Ernst Toller vor, dass er die Verteidigungslinie bei Dachau allzu leichtfertig preisgegeben habe. 

München * Gründonnerstag: Der Volksbeauftragte für Finanzen, Emil K. Maenner, lässt eine Woche lang über 10.000 Safes auf Bargeld kontrollieren. 

Das Ergebnis ist niederschmetternd. Nur etwas über 50.000 Mark können sichergestellt werden. 

München * Gründonnerstag: Gegen die am 13. April im Wittelsbacher Palais festgenommenen Personen, darunter Erich Mühsam, wird erst jetzt ein offizieller Haftbefehl erlassen. 

Eine schriftliche Haftanordnung des Staatsanwalts lag bis zu diesem Zeitpunkt nicht vor. 

München * Gründonnerstag: Willy Weinberger wird Stellvertretender Stadtkommandant.

Weimar * Bernhard Dernburg, DDP, übernimmt im Kabinett Scheidemann von Eugen Schiffer, DDP, die Funktionen des stellvertretenden Reichsministerpräsidenten [= stellvertretender Reichskanzler] und des Finanzministers

18.04.1919

München * Karfreitag: An diesem fünften Tag des Generalstreiks dürfen die Friseurgeschäfte auf Anordnung der Streikkommission wieder öffnen. 

München * Willy Weinberger wird Stadtkommandant. Er übernimmt diese Funktion von Rudolf Egelhofer. 

München - Ebrach * Am Nachmittag erfährt das Mitglied des Vollzugsrats Wilhelm Karl Duske, dass im Zuchthaus Ebrach die gewaltsam entführten 13 Linksradikalen, darunter die acht Mitglieder des Zentralrats, wie die Volksbeauftragten Dr. Franz Lipp und Fritz Soldmann, sowie der Wohnungskommissar Dr. Arnold Wadler und der Münchner Arbeiterrat Erich Mühsam, einsitzen. 

Rudolf Egelhofer erklärt: „Wir können nichts weiter tun, als Hoffmann-Genossen festnehmen“.

München * Die Kasernenräte werfen aus fahrenden Autos gegen die Regierung Hoffmann gerichtete Flugblätter ab. 

München * Victor Klemperer, der für die Münchner Räterepublik nicht das Geringste übrig hat und die Ereignisse als „Tragikomödie“ betrachtet, schreibt in sein Revolutionstagebuch. „Gestern nachmittag lernte ich Gustav Landauer kennen, der einige Tage das Schicksal und speziell das geistige Schicksal Münchens – er selbst hoffte: Bayerns – bedeutet hat.

Nur die lang herabfallenden Haare verrieten den Sonderling: sonst macht der hagere Mann mit dem ergrauenden Vollbart einen völlig kultivierten, weder revolutionären noch proletarischen Eindruck; die großen braunen Augen blicken viel eher gütig als fanatisch, Stimme und Ausdrucksweise sind von geschliffener Milde“

19.04.1919

Bamberg * Karsamstag: Ministerpräsident Johannes Hoffmann lässt in seinem Auftrag auf Staatskosten vom „Bischöflichen Generalvikariat Bamberg“ folgendes Telegramm an alle Pfarrämter Bayerns übermitteln:

„Ein Haufen von Ausländern hat sich der Hauptstadt München bemächtigt, übt daselbst eine Schreckensherrschaft aus und bedroht von dorther die Provinzen, namentlich die Landbevölkerung, mit Raub und Brandstiftung.
Die rechtmäßig bestehende Regierung hat einen Aufruf zur Bildung von Freikorps ergehen lassen.
Von seinem Erfolg hängt Wohl und Wehe des Vaterlandes ab. 

Wir ersuchen die Geistlichkeit, durch Hausbesuche und auch von der Kanzel aus kräftigst dafür einzutreten, dass möglichst viele tüchtige Gemeindeangehörige dem Rufe folgen. [...]“.

München * Karsamstag und Sechster Tag des „Generalstreiks“: Die „Zivile Sicherheitswache“, bestehend aus organisierten Arbeitern, übernehmen den „Sicherheitsdienst“ anstelle der suspendierten und entwaffneten Polizeiwachleute. 

München * Die Belieferung mit Lebensmitteln ist extrem mangelhaft. 

Das Angebot reicht nur teilweise für die ausgegebenen „Lebensmittelkarten“.
Selbst der „Viktualienmarkt“ wird nur sehr schlecht beliefert. 

München * Karsamstag: Flugzeuge werfen Flugblätter der „Regierung Hoffmann“ ab. 

Diese stellen baldige Hilfe in Aussicht.

München * Karsamstag: Die Stadtverwaltung darf nach über fünftägiger zwangsweiser Stilllegung den Straßenbahnbetrieb wieder aufnehmen. 

Damit sollen Einnahmen sichergestellt werden.

München * Karsamstag: Blumengeschäfte und Theater, nicht jedoch Kinos, dürfen - trotz des „Generalstreiks“ - wieder öffnen.

20.04.1919

Augsburg * Ostersonntag: Augsburg kapituliert, nachdem sich die Arbeiter drei Tage erbittert gewehrt haben.

Dadurch können die „Weißen Truppen“ den strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt einnehmen.
Eine für die Eroberung Münchens wichtige Voraussetzung. 

München * Ostersonntag: Die „Regierung Hoffmann“ lässt über München Flugblätter abwerfen. 

In der Überschrift heißt es: „Münchner! Habt noch wenige Tage Geduld!“ 

München-Kreuzviertel * Ostersonntag: Ein weiterer Versuch Kardinal Michael von Faulhaber zu verhaften misslingt. 

München - Budapest - Moskau - Wasserburg * Ostersonntag: Am Nachmittag fliegen Eugen Leviné, Wilhelm Reichart, der „Volksbeauftragte für das Militärwesen“ und der Student Karl Petermeier, der „Adjudant“ Rudolf Egelhofers, mit Ziel Budapest und Moskau ab. 

Sie wollen dort Finanzmittel für die „Räterepublik“ beschaffen. 

Der Flug endet jedoch bereits in Wasserburg am Inn, wo der Pilot unter Vortäuschung eines Motordefekts notlandet.

21.04.1919

München * Ostermontag: Die „Versammlung der Betriebsräte“ im „Festsaal des Hofbräuhauses“ beschließt, den „Generalstreik“ auf Dienstag auszuweiten und diesen Tag zur „Demonstration der Macht des Proletariats“ zu nutzen.

Abgelehnt wird der Vorschlag von Eugen Leviné, die „Massendemonstration“ mit einer Schlusskundgebung in der rot ausgekleideten „Frauenkirche“ zu beenden.

München * Ostermontag: Emil K. Maenner, der „Volksbeauftragte für Finanzen“ und Towia Axelrod, der als „Politischer Kommissar“ dem „Vollzugsrat“ angehört und zugleich „Stellvertretender Volksbeauftragter für Finanzen“ ist, ordnen an, dass bei den Geldinstituten wöchentlich nicht mehr als 600 Mark abgehoben werden dürfen. 

22.04.1919

München * Um 11 Uhr beginnt an diesem neunten Tag des „Generalstreiks“ die „Demonstration des Proletariats“ mit einer großen „Truppenschau“, die zugleich der Massenmobilisierung in München dient.
Rund 12 bis 15.000 bewaffnete Angehörige der „Roten Armee“ marschieren mit.  

Um 15 Uhr finden in den größten Münchner Sälen elf „Massenversammlungen“ statt, auf denen Mitglieder des „Vollzugsrats“ Reden halten.

Um 17 Uhr setzt sich ein großer „Demonstrationszug“ in Bewegung, der von der „Theresienwiese“ durch die Innenstadt bis zum „Siegestor“ zieht und sich schließlich vor dem „Wittelsbacher Palais“ auflöst.

Ernst Toller warnt - trotz der erzielten Siege gegen die „Weißen Truppen“ bei Dachau - vor einer Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzungen.
Er will lieber mit Vertretern der in Bamberg tagenden „Regierung Hoffmann“ verhandeln. 

München * Mit dem „Roten Tag von München“ endet der neuntägige „Generalstreik“

München-Maxvorstadt * Am frühen Morgen wird Pfarrer Hans Meiser, der spätere „Landesbischof der evangelischen Kirche“, mit zwölf weiteren Personen als Geisel verhaftet und zunächst in die „Guldeinschule“, später auf die Polizeiwache in der Astallerstraße gebracht. 

Durch Bestechung eines Postens können die Geiseln Kontakt mit einem Mitglied des „Vollzugsrats“ aufnehmen, der die Verhaftung als Eigenmächtigkeit der Soldaten erklärt und die Geiseln ab 18 Uhr wieder in die Freiheit entlässt. 

Bei Hans Meiser dauert die Entlassung am längsten, weil er als Geistlicher dem „System Kirche“ angehört, das gegen die „Räterepublik“ eingestellt ist. 

München * „Polizeipräsident“ Hans Köberl und sein Stellvertreter Johann Dosch werden abgesetzt und verhaftet. 

Neuer Chef im „Polizeipräsidium“ wird der ebenfalls vorbestrafte „Dentist“ Johann Clemens Waldschmidt.

23.04.1919

München * Der „Revolutionäre Hochschulrat“ ordnet an, dass die Vorlesungen des „Sommersemesters“ nicht vor dem 1. Juli beginnen. 

Berlin * „Reichswehrminister“ Gustav Noske [SPD] ordnet den Angriff Münchens durch zwei große militärische Einheiten an und übernimmt für die Aktion selbst die Oberleitung.

  • Die an der bayerischen Nordgrenze stehenden  „Preußischen Hilfstruppen“ unter Generalleutnant Ernst von Oven und
  • die „Württembergischen Einheiten“ sowie die noch zu sammelnden „bayerischen Verbände“ und das „Bayerische Schützenkorps“ bei Augsburg-Ulm.

Im Verlauf des Angriffs auf München will Noske sämtliche beteiligten Streitkräfte Generalleutnant Ernst von Oven unterstellen.  

Arnold Ritter von Möhl soll spätestens nach der „Eroberung und Sicherung Münchens“ die Befehlsgewalt - zumindest über die bayerischen Truppen - übernehmen.  

München * „Polizeipräsident“ Johann Clemens Waldschmidt wird nach nur knapp einem Tag durch den „Installateur“ Ferdinand Mairgünther, dem Schriftleiter der „Münchner Roten Fahne“, abgelöst. 

München * Regierungstreue Flugzeugbesatzungen werfen wieder Flugblätter über München ab, die zum Durchhalten auffordern. 

24.04.1919

München * Der Kommunist Dr. Rudolf Schollenbruch wird „Armeearzt“ und gleichzeitig zum „Volksbeauftragten für das Gesundheitswesen“ ernannt.

München * Um den Missstand der Zahlungsmittelnot zu beheben, wird mit den noch vorhandenen Druckplatten für Zwanzigmarkscheine neues Papiergeld gedruckt. 

Das Notenpapier reicht allerdings gerade Mal für 10 Millionen Mark.

München * Willy Weinberger wird wieder „Stellvertretender Stadtkommandant“

Neuer „Stadtkommandant“ ist nun Max Mehrer.

Bamberg * „Der Freistaat“, das amtliche Organ der in Bamberg residierenden Regierung Hoffmann, gibt bekannt: „Wegen Kohlenmangel muss ab heute der Personenverkehr auf den bayerischen Staatseisenbahnen eingestellt werden“

Ruhrgebiet * Noch immer streikt ein Drittel der Belegschaften im Ruhrgebiet. 

25.04.1919

München - Bamberg - Freistaat Bayern * In Flugblättern der Regierung Hoffmann wird zum Eintritt in die Freikorps und in die Volkswehr aufgerufen. 

Bamberg * Die Regierung Hoffmann beschließt von Bamberg aus für das rechtsrheinische Bayern das Standrecht.

München * Die Betriebsräte beschließen, dass Kleinkunstbühnen, Cafés und Weinlokale wieder bis zur Polizeistunde geöffnet haben dürfen. Bars und Animierkneipen müssen dagegen geschlossen bleiben. Auch das Kuchenverbot besteht weiterhin.

München * Auch die Rote Armee verstärkt ihre Anwerbeaufrufe und begründet das mit dem Heranrücken der Regierungstruppen.

Freistaat Bayern * 35.000 bayerische, württembergische und norddeutsche Soldaten marschieren in Richtung München. Das ist die größte militärische Operation der Nachkriegszeit. 

Berlin * Die Spitzen der Gewerkschaft beschließen nahezu einstimmig eine Resolution, in der sie sich zu einem Mitbestimmungsrecht der Arbeiter bekennen. 

26.04.1919

München * Die Versorgung Münchens mit Milch ist nahezu eingestellt. 

Selbst an Kranke kann nur noch bei unmittelbarer Lebensgefahr Milch abgegeben werden.

München * Die neu gedruckten Zwanzigmarkscheine haben eine Seriennummer (Serie B, Nummern über 800.000). 

Die „Regierung Hoffmann“ lässt über München Flugblätter abwerfen, in denen sie diese Scheine für „wertlos“ erklärt. 

München * Auf einer „Versammlung der Betriebsräte“ brechen bei Fragen des weiteren Vorgehens der Verteidigung die seit längerer Zeit bestehenden politischen Differenzen zwischen

den „Kommunisten“,

  • dem „Vorsitzenden des Vollzugsrats“ Eugen Leviné, dem „Mitglied des Vollzugsrats“ Max Levien und dem „Politischen Kommissar“ Towia Axelrod einerseits und

den „Unabhängigen Sozialdemokraten“,

  • Emil K. Maenner, Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer, offen zutage.

Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Folge die drei Letztgenannten von ihren Ämtern zurücktreten.

  • Der „Volksbeauftragte für Finanzen“, Emil K. Maenner, erklärt, dass er nicht mehr für Handlungen bereitsteht, die „politischem Diebstahl“ gleichkommen
    und keine Lust mehr hat, in einem „Marionettentheater“ zu sitzen.
  • Der „Kommandeur des Truppenabschnitts I (Dachau)“, Ernst Toller, betrachtet die jetzige „Räteregierung“ als ein „Unheil für das werktätige Volk“, weil die führenden Männer nur zerstören, ohne das geringste aufzubauen.
    Deshalb kann er eine weitere Zusammenarbeit mit dem „Vollzugsausschuss“ und dem „Generalstab“ nicht mehr verantworten.
  • Aus den gleichen Gründen will auch der „Abschnittskommandant der Roten Armee in Dachau“, Gustav Klingelhöfer, seine Ämter niederlegen.

Der „Bankrat“ stellt sich geschlossen hinter Emil K. Maenner und bezeichnet die Mitglieder des „Vollzugsausschusses“ als „Hampelmänner“.

Mit ähnlich harten Worten wird die „katastrophale Versorgungslage“ von den Anwesenden kritisiert, an der die „Regierung Hoffmann“ nur zum Teil schuld ist.

Nach einem weiteren Beschluss der „Betriebsräte“ sollen die Münchner Tageszeitungen - unter Auflage einer „Vorzensur“ - wieder erscheinen können.

Während der Sitzung trifft die Nachricht ein, dass im „Passamt“ 50 Pässe gestohlen worden sind.
Zur Untersuchung des Vorgangs wird daraufhin eine „Zehnerkommission“ gebildet.

München * Die Aktivitäten der „Thule-Gesellschaft“ werden aufgedeckt.

Mit Hilfe von gefälschten Stempeln und Ausweisen hat sie sich Zugang zur „Roten Armee“ und zur KPD verschafft und alle gesammelten Informationen an die Regierung in Bamberg weitergegeben.

Die Durchsuchung der Logen-Räume der „Thule-Gesellschaft“ im „Hotel Vier Jahreszeiten“ bestätigt den Verdacht, aber die Verantwortlichen sind inzwischen geflohen. Allerdings haben sie die Mitgliederkartei vergessen.

Dadurch kann die „Rote Armee“ sechs Mitglieder der „Thule-Gesellschaft“ verhaften.
Sie stehen unter dem Verdacht, für die Regierungstruppen und „Freikorps“ geworben zu haben. 

Anschließend werden sie ins „Luitpold-Gymnasium“ gebracht. 

München * Die „Deutsche Demokratische Partei - DDP“ mahnt in Flugblättern den Schutz der Frauen und Kinder für die zu erwartenden Kämpfe an. 

Die Betroffenen sollen ihre Häuser und Wohnungen schließen und weder an die Fenster treten noch auf die Straße gehen. 

Freistaat Bayern * Generalleutnant Ernst von Oven bereitet den Einmarsch in München organisatorisch vor. 

Dazu lässt er unter anderem Stadtpläne an die Truppen verteilen.

27.04.1919

München-Graggenau * Im „Hofbräuhaus“ eskaliert der Konflikt zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Verhandlungen mit der „Regierung Hoffmann“.

Verhandlungen mit der in Bamberg residierenden „Regierung Hoffmann“ sind jedoch nicht mehr möglich.
Sowohl die Regierung des „Freistaats Bayern“ als auch die Reichsregierung fordern die „Bedingungslose Kapitulation“

„Die Verhältnisse in Südbayern haben sich nunmehr durch Verschulden des Münchener Terrors zum direkten Kriegszustand entwickelt. [...] Gewalt kann nur mit Gewalt bekämpft und unterdrückt werden. Verhandlungen, Besprechungen und Abmachungen mit den Volksfeinden, die unser Südbayern ins Unglück gestürzt haben, sind vergeblich“.

Durch diese nachgiebige Haltung sehen die Kommunisten keine andere Wahl, als bis zum bitteren Ende zu kämpfen.
Sieg oder Niederlage - dazwischen gibt es für sie keine Alternative.

Freistaat Bayern * Auf Befehl des „Reichswehrtruppenkommandos“ sind Generalleutnant Ernst von Oven alle bayerischen und württembergischen Truppen einschließlich des „Freiwilligen Bayerischen Schützenkorps“ unter Oberst Franz Xaver Ritter von Epp unterstellt. 

München * München ist inzwischen von der Außenwelt vollständig abgeschnitten.

München * Die am Tag zuvor verhafteten Mitglieder und Anwärter der „Thule-Gesellschaft“ werden auf einem Plakat als „gemeingefährliche Bande von Verbrechern“ bezeichnet, die neben der Fälschung militärischer Stempel auch Diebstähle, Plünderungen und sogar Viehraub im großen Stil begangen hat. 

München * Die Bewohner Münchens sind weiterhin willkürlichen Verhaftungen, Beschlagnahmungen, Plünderungen und Bedrohungen ausgesetzt.

München * Über das Auftauchen der „Zehnerkommission“ - mit Unterstützung von zehn Angehörigen der „Roten Armee“ - im Beratungszimmer des „Vollzugsausschuss“ beschwert sich Eugen Leviné in der Versammlung.

München * Die am Vortag gebildete „Zehnerkommission“ berichtet den „Betriebs- und Soldatenräten“ über das Ergebnis ihrer Untersuchungen zur  sogenannten „Passangelegenheit“  berichtet. 

Die Pässe wurden im Auftrag von Max Levien geholt, „um sie der Bourgeoisie zu entziehen und ihr die Flucht in das Ausland unmöglich zu machen“.
Über den Verbleib der Pässe können allerdings keine Aussagen gemacht werden. 

München * Anschließend bilden sie eine „Geschäftskommission der Betriebs- und Soldatenräte“, der keine Kommunisten, sondern ausschließlich Mitglieder der USPD, darunter Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer angehören.
Sie soll bis zur Wahl eines neuen „Aktionsausschusses“ am nächsten Tag regieren.

Damit beginnt die nur einen Tag andauernde „Diktatur der Betriebsräte“

München * Ernst Toller bekräftigt erneut seine Meinung, dass die jetzige „Räteregierung“ eine „Gefahr für das Proletariat und die Räterepublik“ darstellt.

Die „Betriebs- und Soldatenräte“ zwingen den „Aktionsausschuss“ zum Rücktritt und entziehen damit auch dem „Vollzugsrat“ das Vertrauen. 

Damit beenden sie die kommunistische Diktatur von Eugen Leviné und Max Levien. 

28.04.1919

München-Graggenau * Von den „Betriebs- und Soldatenräten“ wird ein neuer zwanzigköpfiger „Aktionsausschuss“ gewählt. 

Ernst Toller, Gustav Klingelhöfer und Rudolf Egelhofer kandidieren nicht für dieses Gremium. 

Der gewählte „Aktionsausschuss“ besteht aus 15 „Betriebsräten“ und fünf „Soldatenräten“.
Unter ihnen ist kein Kommunist.

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber verlässt München, um außerhalb Münchens „Firmungen“ vorzunehmen. 

Er kommt erst am 6. Mai wieder zurück. 

München * Mit dem Herannahen der Regierungstruppen wird die Zahl derer, die bereit sind zu kämpfen, immer kleiner. 

Doch die „Regierung Hoffmann“ hat sich bei der „Befreiung Münchens“ praktisch der „Reichswehr“ ausgeliefert. 

Nachdem sie einmal die Zustimmung zur „Reichsexekution“ gegeben hat, kann sie keinerlei Einfluss mehr auf den ganzen Vorgang ausüben. 

München * Die „Späherberichte“ zeigen ganz deutlich die Stimmung in der „Betriebs- und Soldatenräte-Versammlung“

„Die Reden in der siebenstündigen Versammlung zeigten, dass man bestrebt ist, so gut es geht den Weg zum Ausgangspunkt zurückzufinden. 
Das ist die Stellung der vernünftigen und größeren Mehrheit der Münchner Arbeiter“

Freistaat Bayern * Generalleutnant Ernst von Oven befiehlt den Vollzug der „Einschließung Münchens“ bis zum 30. April. 

Er ordnet an, dass die bayerischen Streitkräfte nicht vorzeitig und vereinzelt losschlagen. 

Die Befehle für den Zeitpunkt des Einmarsches in München sind eindeutig. 
Am Freitag, 2. Mai, um 12:00 Uhr, soll gleichzeitig und überraschend in die Landeshauptstadt eingerückt werden und damit dem Gegner möglichst wenig Möglichkeit zur Entfaltung der eigenen Kampfstärke gegeben werden. 

München-Isarvorstadt * Das „Luitpold-Gymnasium“ wird Sitz des „Aktionsausschusses“ und des „Vollzugsausschusses“, nachdem es zuvor schon Sitz der „IV. Abteilung der Roten Armee“ war. 

München * Gerüchte tauchen auf, dass Max Levien mit der „Kasse der Kriegsgeschädigten“ durchgebrannt wäre. 

München * Am Abend stürmen rund einhundert Giesinger Kommunisten das „Polizeipräsidium“, entwenden und vernichten Material des „Erkennungsdienstes“ und der „Fahndungsabteilung“ und verwüsten das Gebäude.
Wertgegenstände und Waffen werden gestohlen.

Die „Steckbriefsammlung“, die Akten der „Zigeuner-Nachrichtenstelle“ und die „Einwohnerlisten“ türmen sich meterhoch in den Höfen des Präsidiums.
Sie werden teilweise mit Benzin übergossen und angezündet. 

München * Am Nachmittag besetzen Kommunisten das „Wittelsbacher Palais“, den Sitz des „Aktionsausschusses“.

München-Au * Gleichzeitig findet im „Münchner-Kindl-Keller“ eine Versammlung der Kommunisten statt. 

Darin versuchen Eugen Leviné und Max Levien das Scheitern ihrer Politik zu rechtfertigen. 

Dabei erklärt Levien: Es kommt nicht darauf an, „ein paar Tausend Bürgerlichen die Gurgel abzuschneiden“.

München-Graggenau* Unmittelbar vor der Wahl wird das „Hofbräuhaus“ von Einheiten der „Roten Armee“ umstellt.

  • Diese fordern  die sofortige Beseitigung der Polizei und
  • die Ausstattung des „Oberkommandos der Roten Armee“ mit allen Vollmachten, „um den erfolgreichen Kampf gegen die Weiße Garde und besonders gegen die innere Reaktion führen zu können“.

Durch die nun beginnende „Diktatur der Roten Armee“ unter ihrem „Oberkommandierenden“ Rudolf Egelhofer ist die Wahl des neuen „Aktionsausschusses“ mehr oder weniger gegenstandslos geworden. 

29.04.1919

Garmisch * In Garmisch und Umgebung werden Aufrufe zum Eintritt in das Freikorps Werdenfels öffentlich angeschlagen und in den Zeitungen veröffentlicht.

München * Der Oberkommandierende der Roten Armee, Rudolf Egelhofer, stellt in der Sitzung der Stadtkommandur den Antrag, die „Angehörigen der Bourgeoisie“ auf der Theresienwiese zusammenzutreiben und beim Einmarsch der „Weißen Truppen“ zu erschießen. 

Der Antrag wird mit 7 zu 6 Stimmen abgelehnt. 

Moskau - München * Wladimir Iljitisch Lenin beglückwünscht in einem Telegramm die Mitglieder der Münchner Räteregierung

Das Schreiben erreicht jedoch keinen der beglückwünschten Empfänger. 

München-Kreuzviertel * Im Polizeipräsidium gehen die Plünderungen und Verwüstungen weiter. 

München-Maxvorstadt * Nuntius Eugenio Pacelli flieht umgehend in die Schweiz. 

Er wird erst am 8. August 1919 wieder nach München zurückkehren.

München-Maxvorstadt * Gegen 15 Uhr tauchen schwerbewaffnete Soldaten der Roten Armee in der Nuntiatur in der Brienner Straße auf und fordern - unter persönlicher Bedrohung des Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., - die Herausgabe seines Dienstautos.

Eine Beschwerde beim Kriegsministerium verstärkt nur die Forderung: „Wenn das Auto nicht sofort abgeliefert wird, dann wird die Nuntiatur zusammengeschossen und die ganze Bande verhaftet!“ 

Die Eindringlinge ziehen erst ab, nachdem die Stadtkommandantur eingreift.

München - Schleißheim - Starnberg * Rudolf Egelhofer, der Oberkommandierende der Roten Armee, ruft den sofortigen Generalstreik aus.

Denn:

  • in Schleißheim stehen schon die „Söldner des Kapitalismus“,  
  • in Starnberg haben die „weißgardistischen Hunde die Sanitätsmannschaften niedergemetzelt“, deshalb
  • „Alle Mann zu den Waffen! Zeigt der weißen Garde, wie die Rote Armee zu siegen versteht!“

München * Der Vollzugsrat der Betriebs- und Soldatenräte fordert die Arbeiter auf, am nächsten Tag bewaffnet in ihren Betrieben zu erscheinen.

München * In Plakatanschlägen wird das in der Stadt umlaufende Gerücht dementiert, wonach Max Levien mit der Kasse der Kriegsgeschädigten durchgebrannt wäre. 

30.04.1919

München - Bamberg * Der neue „Aktionsausschuss“ wendet sich an Ministerpräsident Johannes Hoffmann und erklärt sich bereit, die Waffen niederzulegen.
Voraussetzung ist, dass die „Weißen Truppen“ die Stadt nicht betreten werden.
Ministerpräsident Hoffmann lehnt das Ansinnen mit den Worten ab:

„Bedingung ist unannehmbar.
Legt die Waffen nieder, jeder Widerstand ist nutzlos“

München * Inzwischen haben die „Regierungstruppen“ den Ring um München - nach zum Teil erbitterten Kämpfen - geschlossen. 

In München werden keine Verteidigungsanlagen installiert. 
Dieser Tag bringt vielmehr der Zerfall der „Räteregierung“ und der „Roten Armee“

Bei etwas gutem Willen der leitenden Offiziere der heranrückenden Truppen wäre eine geordnete Übergabe oder Rückgabe der Macht möglich gewesen. 
Doch sie haben kein Interesse an einer friedlichen Verständigung. 

Durch ihre kompromisslose Haltung fördern sie nur den Widerstandswillen der Fanatiker. 

München-Untergiesing * Am Rechen der „Bäckerkunstmühle“ wird eine uniformierte Leiche aus dem Auer Mühlbach gezogen. 

Es handelt sich um den früheren „Stadtkommandanten“ Willy Weinberger. 

München-Graggenau * Um 23 Uhr wird eine Versammlung der „Betriebs- und Soldatenräte“ ins „Hofbräuhaus“ eingeladen.
Die Versammlung distanziert sich von den „Geiselmorden“.

Aus ihrem Kreis wählen die Versammelten gegen Mitternacht jeweils drei „Betriebs- und Soldatenräte“, die in Dachau wegen der Übergabemodalitäten für München verhandeln sollen.

Ernst Toller beantragt die sofortige Einberufung eines „Bayerischen Rätekongresses“.
Der Antrag wird angenommen. Danach vertagt sich die Versammlung. 

„Stadtkommandant“ Max Mehrer verweigert die geplante Verhaftung von weiteren 500 Geiseln.

München-Isarvorstadt * Um 10 Uhr werden im Hof des „Luitpold-Gymnasiums“ zwei Angehörige des Berliner „8. Husarenregiments“ - ohne gerichtliches Urteil - erschossen.
Sie haben - nach Misshandlungen - zugegeben, an der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts am 15. Januar beteiligt gewesen zu sein.

Zwischen 16 und 17 Uhr werden im Hof des „Luitpold-Gymnasiums“ weitere acht Geiseln - erneut ohne gerichtliches Verfahren und Urteil - erschossen.
Mit Ausnahme des „Kunstmalers“ Professor Ernst Berger sind alle Erschossenen Mitglieder oder Anwärter auf eine Mitgliedschaft in der „Thule-Gesellschaft“

Wer den Befehl für die Hinrichtung gegeben hat, kann nicht mehr herausgefunden werden, weil sich der verantwortliche Kommandant bei seiner Festnahme erschießt. 

Ernst Toller befürchtet Vergeltungsmaßnahmen der „Weißen Truppen“ und bittet deshalb Professor Ferdinand Sauerbruch, die Getöteten abzuholen.
Doch der Professor verweigert diese Bitte. 

München *Auf schriftlichen Befehl Rudolf Egelhofers hin, wird das Dienstauto des inzwischen geflohenen päpstlichen „Nuntius“ Eugenio Pacelli beschlagnahmt. 

Der Wagen ist jedoch nicht fahrbereit.

München * Plakate der „Roten Armee“ fordern die Arbeiter und Soldaten auf, die „preußische Herrschaft“ abzuschütteln und sich bewaffnet dem Feind entgegenzustellen.

Die KPD wirbt in einem Flugblatt zum Eintritt in die „Rote Armee“, während sich Eugen Leviné, Max Levien und Towia Axelrod in Sicherheit bringen. 

München * Über München kreisende Flugzeuge werfen Flugblätter mit Durchhalteparolen ab:
„[...] Kopf hoch und Mut! Hilfe naht, die Euch vom russischen Terror und Schrecken des Bolschewismus befreien wird“.

Ein anderes Flugblatt informiert darüber, dass München von bayerischen Truppen umstellt ist und fordert die Bevölkerung auf:  
„Hört die Stimme der Vernunft! Lasst ab vom bewaffneten Widerstand.
Meidet die Straßen und Plätze, damit das Blut Unschuldiger nicht vergossen wird.
Die Truppen der Regierung brechen schonungslos jeden bewaffneten Widerstand, um der Not Aller ein Ende zu machen.  
Lebensmittel, Kohlen, Rohstoffe stehen zur Einfuhr nach München bereit.
gez. Hoffmann, Ministerpräsident“ 

Handzettel mit folgendem Inhalt werden verteilt:
„Die Weiße Garde steht vor den Toren Münchens!
Nieder mit den Hunden der Weißen Garde!“ 

Perlach * Im Kampf um München liefern sich in Perlach „Rotarmisten“ und das „Freikorps Regensburger Volkswehr“ ein kurzes Feuergefecht. 




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