Münchner Revolutionsgeschichte 1918/19

01.04.1917

Deutsches Reich * Die Brotrationen werden auf 170 g pro Tag und die Kartoffelrationen auf 2.500 g pro Woche gekürzt. 

02.04.1917

USA * Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson ruft vor dem US-Kongress zum Kreuzzug der „wirklich freien und selbstbestimmten Völker der Welt“ auf.

06.04.1917

USA * Amerika erklärt dem „Deutschen Reich“ den Krieg und tritt in die Kriegshandlungen ein.

Gotha * Die in Gotha bis zum 8. April stattfindende zweite „Reichskonferenz der sozialdemokratischen Opposition“ wird zum „Gründungsparteitag“ der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“

In der neuen Partei finden sich Sozialdemokraten verschiedenster Couleur wieder:

  • Revolutionäre Marxisten wie die „Gruppe Internationale“, die im Krieg die prognostizierte Krise des Kapitalismus sieht und auf revolutionäre Aktionen drängt;
  • pazifistisch gesinnte Sozialdemokraten, die im Weltkrieg einen Angriffskrieg Deutschlands sehen und sich diesem aus ethischen und moralischen Gründen verweigern;
  • daneben Revisionisten,
  • aber auch führende Vertreter des marxistischen Zentrums. 

Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: „Die Beendigung des Krieges ohne Annexionen“.

Die USPD ist also in erster Linie der Block der sozialdemokratischen Gegner des „Burgfriedens“, die gegen die „Kriegskredite“ sind. Sonst herrschen innerhalb der „USPD“ in der Beurteilung der Arbeiterbewegung und ihrer Taktik große Meinungsverschiedenheiten.

Zu Vorsitzenden der neuen Partei werden Wilhelm Dittmann und Hugo Haase gewählt.

Auch Kurt Eisner ist in Gotha anwesend, obwohl er immer gegen die Spaltung der Partei war.
Die Unzufriedenheit mit der „SPD“ hat auch in Bayern zugenommen.

Aisne * Beginn der französischen Offensive an der Aisne.

Bis zur Einstellung der Offensive Ende Mai kann kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. 

07.04.1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. verspricht in seiner „Osterbotschaft“ die Aufhebung des preußischen „Dreiklassenwahlrechts“ nach dem Krieg. 

09.04.1917

Schweiz - Deutsches Reich - Russland * Mit Einverständnis und Unterstützung der deutschen Regierung durchquert Wladimir I. Lenin zusammen mit 30 „Revolutionären“ aus der Schweiz kommend im Zug das „Deutsche Reich“.  

Deutschland verspricht sich von Lenins Rückkehr eine Verschärfung der innenpolitischen Unruhen in Russland. 

10.04.1917

Berlin - Petersburg * Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt „Lenin“, kehrt auf deutscher Veranlassung hin aus seinem Schweizer Asyl nach „Petrograd“ zurück.

13.04.1917

Nürnberg * Kurt Eisner wird von seiner Ehefrau Lisbeth Eisner, geb. Hendrich, geschieden. 

16.04.1917

Nordfrankreich * Beginn der Rückverlagerung deutscher Truppen in das ab 1916 ausgebaute Verteidigungssystem der Siegfriedstellung

Berlin * In Berlin treten 319 Betriebe der deutschen Rüstungsindustrie mit 300.000 Arbeitern in den Streik.

Es geht um die mangelhafte Lebensmittelversorgung.
Der Streik wird von den revolutionären Obleuten, oppositionellen Gewerkschaftsfunktionären, deren Kern die Metallarbeiter bilden, gegen den Willen der Gewerkschaften organisiert. 

17.04.1917

Speyer - München * Michael von Faulhaber, der „Bischof von Speyer“, wird einen Tag nach den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen „Erzbischofs von München und Freising“, Franziskus von Bettinger, in das „Kultusministerium“ gebeten. 

Dort eröffnet ihm „Kultusminister“ Eugen von Knilling, dass er ihn dem König als Nachfolger vorschlagen wird. 

Petersburg * In seinen „Aprilthesen“ fordert Wladimir I. Lenin in Petrograd eine „sozialistische Revolution“ zur Ablösung der bürgerlichen Regierung. 

Berlin * Am zweiten Tag der Streiks beschließt die Vertreterkonferenz der Gewerkschaften, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem die Regierungs- und Militärbehörden zusätzliche Lebensmittelrationen versprochen und die Zusage gegeben haben, dass niemand wegen der Teilnahme am Streik zum Militärdienst eingezogen werde.

Es wird vereinbart, dass Vertreter der Arbeiter künftig bei der Verteilung der Nahrungsmittel mitwirken sollen.

Ein Teil der Betriebe streikt weiter und wird daraufhin unter militärische Leitung gestellt. 

18.04.1917

Berlin - Leipzig * Eine Verhaftungswelle beendet den Streik.

Zahlreiche Streikende werden zum Militärdienst eingezogen. 

19.04.1917

Deutschland * Die „Jesuitengesetze“ werden in Deutschland endgültig aufgehoben.

20.04.1917

Vatikan - München * Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum „Nuntius“ in München. 

Berlin * In einem Aufruf wendet sich der Vorstand der christlichen Gewerkschaften gegen jede Arbeitsniederlegung

23.04.1917

Kreuznach * Bei der Konferenz in Kreuznach zur erneuten Festlegung der Kriegsziele spricht sich „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg gegen die Pläne der „Obersten Heeresleitung - OHL“ aus, die eine weitgehende „Annexionen“ in Russland, Belgien und Frankreich vorsehen. 

28.04.1917

Berlin * Die Generalkommission und der SPD-Parteivorstand sprechen sich gegen jede Arbeitsruhe am 1. Mai aus, nachdem die Gruppe Internationale zu einem Kampftag für Frieden, Freiheit und Brot aufgerufen hat. 

30.04.1917

München-Schwabing * Lion und Marta Feuchtwanger beziehen ihre Eigentumswohnung in der Georgenstraße 24. 




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