Münchner Geschichte

18.05.1918

München-Stadelheim * Lorenz Winkler, Aktivist beim Münchner Januarstreik, beginnt einen Hungerstreik.

Er wird daraufhin psychiatrisch untersucht. 

16.05.1918

Berlin - Deutsches Reich * Das Kriegsernährungsamt kürzt die tägliche Brotration auf 150 Gramm pro Person. 

02.05.1918

München * Das bayerische Innenministerium schreibt an die Kgl. Regierungen:

Die Münchner USPD bildet „das Sammelbecken für alle revolutionär gesinnten Kreise“

29.04.1918

Spa - Nordfrankreich * Generalquartiermeister Erich Ludendorff lässt die am 9. April 1918 begonnene „Operation Georgette“, die auch als „Vierte Flandernschlacht“ bezeichnet wird, abbrechen.

Die Verluste betragen - einschließlich der Gefangenen - auf deutscher Seite 109.300, bei den Briten 76.300 und bei den Franzosen 35.000 Mann. 

28.04.1918

Theresienstadt * Gavrilo Princip, der Attentäter von Sarajevo, stirbt in der Haft. 

München * In einem Brief an seinen Sohn Kronprinz Ruppert schreibt König Ludwig III., dass eine „ausschließliche Vergrößerung Preußens als Folge des Krieges vermieden werden“ muss.

„Bayern hat auf einen möglichst großen Landzuwachs Anspruch und zwar in der Art, dass Bayern in diesen Landesteilen allein zu gebieten hat“

27.04.1918

München - Traunstein * Da der bayerische Staatsangehörige Erich Mühsam nicht ausgewiesen werden kann, wird für ihn ein Zwangsaufenthalt in Traunstein angeordnet.

Er soll bei der Traunsteiner Handelsbank für 3 Mark täglich Arbeiten eines Lehrlings ausführen. 

19.04.1918

München-Au * Der am 1. Februar 1918 wegen seiner Beteiligung am Januarstreik verhaftete Eisengießer Karl Mettler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

München - Traunstein * Das Stellvertretende Generalkommando untersagt Josef Sontheimer den Aufenthalt in München.

Für ihn wird ein Zwangsaufenthalt in Traunstein unter militärischer Kontrolle angeordnet. 

16.04.1918

Düsseldorf * Fritz Schröder wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner Januarstreiks in Düsseldorf verhaftet. 

München * Theobald Michler wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner Januarstreiks verhaftet. 

15.04.1918

Frankreich - Westfront * Ziemlich genau ein Jahr nach dem Kriegseintritt der USA erreicht die Spanische Grippe die Schürzengräben der Westfront

11.04.1918

Armentières - Nordfrankreich * Der britische Oberkommandierende Douglas Haig gibt den Tagesbefehl:

„Jede Stellung muss bis zum letzten Mann gehalten werden. Es darf keinen Rückzug geben. Mit dem Rücken zur Wand und an die Gerechtigkeit unserer Sache glaubend, muss jeder von uns bis zum Ende kämpfen“

10.04.1918

USA * Im Mittleren Westen und in den Städten der Ostküste der USA grassiert die sogenannte Spanische Grippe

09.04.1918

München-Au * Die am 1. Februar 1918 wegen ihrer Beteiligung am Münchner Januarstreik verhafteten Buchhalterinnen Betty und Emilie Landauer werden aus der Untersuchungshaft entlassen. 

Armentières - Nordfrankreich * Die zweite Frühjahrsoffensive beginnt rund 15 Kilometer von Lille entfernt nach dem Muster der Operation Michael mit schlagartigem Artilleriefeuer.

Generalquartiermeister Erich Ludendorff nennt die Offensive „Georgette“

08.04.1918

München-Ludwigsvorstadt * Nachdem sich nur mehr acht Personen am USPD-Diskussionsabend im Gasthaus Zum Goldenen Anker in der Schillerstraße beteiligen, stellt man dieses Bildungsangebot wieder ein.

Durch die Verhaftung der Vordenker der Partei sind ihr

  • die Integrationsfiguren weggebrochen,
  • nennenswerte Aktionen finden nicht mehr statt.
  • Die Münchner USPD versinkt in der Bedeutungslosigkeit. 

05.04.1918

Spa - Nordfrankreich * Generalquartiermeister Erich Ludendorff lässt die „Operation Michael“ wegen Erfolglosigkeit abbrechen. 

  • Die deutschen Truppen können nicht zum Meer durchdringen,
  • das britische Heer ist nicht zusammen gebrochen,
  • es bleibt bei einem bloßen Raumgewinn.
  • Nach der Anzahl der Gefallenen (35.163 auf deutscher Seite) ist die „Michael-Offensive“ die blutigste Schlacht des ganzen Ersten Weltkrieges.

Ludendorff führt den Misserfolg auf den „nachlassenden Angriffsgeist der Truppe“ zurück. 

02.04.1918

München * Die SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ berichtet in ihrer Ausgabe über das Ableben der Sarah Sonja Lerch:  

„Im Untersuchungsgefängnis Stadelheim erhängte sich nachmittags die beim letzten Streik bekanntgewordene Frau Sara Sonja Lerch, gegen die zusammen mit dem Schriftsteller Kurt Eisner ein Landesverratsverfahren eingeleitet war. -

Die Umstände, unter denen die bedauernswerte Frau zu ihrer Verzweiflungstat getrieben wurde, bedürfen der Aufklärung. Soviel wir wissen, handelt es sich im Falle der Frau Lerch, einer geborenen Russin, um eine reine Idealistin, die mit ihrer Streikpropaganda der Sache der Menschheit einen Dienst zu erweisen glaubte.

Die Strafe, mit der sie zu rechnen hatte, war nicht so erschreckend, dass sie den freiwilligen Tod ihr vorziehen konnte. Es bleibt also unklar, was diese Frau zu ihrem Selbstmord getrieben hat. […]“

01.04.1918

München * Dr. phil. Sarah Sonja Lerch, geborene Rabinowitz, eine der Anführerinnen der Januarstreiks, wird am Ostermontag auf dem Neuen Israelitischen Friedhof an der Garchinger Straße beerdigt. 

Ein Vertreter der USPD legt einen Kranz am Grab ab und erklärt, dass die Polizei einen Nachruf verboten hat.
Josef Sontheimer ergreift daraufhin das Wort, wird aber sofort verhaftet und mit Handschellen gefesselt abgeführt.

Frau Lerch war gemeinsam mit Kurt Eisner, Albert Winkler, Hans Unterleitner, Emilie und Babette Landauer und anderen wegen Landesverrats verhaftet worden.

Die 35-jährige Sarah Sonja Lerch hat sich am 29. März 1918 im Gefängnis Stadelheim erhängt.
Sie wird nicht die letzte Sozialdemokratin sein, die im Freitod die Erlösung aus offenbar nicht zu verändernden Verhältnissen sucht. 

31.03.1918

USA - Frankreich * Seit März 1918 treffen monatlich 250.000 US-Soldaten zur Verstärkung ein. Bis Kriegsende werden es rund zwei Millionen sein.

Sie sind mit den besten Waffen und der modernsten Technologie ausgerüstet. Außerdem sind sie tüchtig und tatendurstig. 

Mit den amerikanischen Truppen wird auch die sogenannte Spanische Grippe in die Schützengräben der Westfront gebracht. 

29.03.1918

München-Stadelheim * Dr. phil. Sarah Sonja Lerch, eine Aktivistin während der Münchner Januarstreiks, wird an diesem Karfreitag in einer Isolierzelle im Gefängnis Stadelheim in der Schlinge ihres Schals erhängt aufgefunden.

Eine behördliche Untersuchung ihres Todes wird offensichtlich unterlassen. 

In ihrer fast achtwöchigen Untersuchungshaft hat sie ihr Ehemann Dr. Eugen Lerch nicht besucht. 

27.03.1918

München * Der Rechtsanwalt und USPD-Reichstagsabgeordnete Hugo Haase spricht bei der USPD-Versammlung im Lamplgarten vor 46 Anwesenden.

Kurz darauf wird die Versammlung von der Polizei gestürmt und die Personalien der Anwesenden erfasst. 

26.03.1918

Paris * Ferdinand Foch wird zum Oberkommandierenden sämtlicher alliierten Streitkräfte in Frankreich ernannt. 

München * Der Rechtsanwalt und USPD-Reichstagsabgeordnete Hugo Haase trifft in München ein, um dort seinen Mandanten Kurt Eisner im Gerichtsgefängnis Neudeck zu besuchen. 

25.03.1918

München-Ludwigsvorstadt * Nur mehr 30 Personen besuchen den USPD-Diskussions-Stammtisch im Wirtshaus Zum Goldenen Anker.

Theobald Michler erklärt, „der Krieg ist nicht vom Volke, denn das Volk will den Frieden. Der Großkapitalismus aller Völker hat den Krieg heraufbeschworen und dieser wird von einigen unverantwortlichen Elementen, wie Ludendorff und Hindenburg, geführt“

Wenig später wird Michler festgenommen und bleibt bis Oktober in Untersuchungshaft. 

München * Kriegsminister Philipp von Hellingrath formuliert in einem internen Schreiben seine Meinung, welche Taktik gegenüber den beiden sozialdemokratischen Parteien einzuschlagen ist:

„Nach den seitherigen Erfahrungen bildet die unabhängige Sozialdemokratie eine schwere Gefahr für den Fortbestand des Reiches. Ihren Bestrebungen muß auf jedem möglichen Wege entgegengetreten werden.

Da sie ihren Zuwachs vornehmlich aus den Reihen der rechtsstehenden Sozialdemokratie erhält, liegt die wirksamste Abwehr gegen ihre weitere Ausbreitung in Maßnahmen, durch welche die sozialdemokratische Mehrheitspartei die Flucht ihrer bisherigen Anhänger in das Lager der Unabhängigen zu verhindern sucht.

In dieser Beziehung erblicke ich ein wirksames Mittel in der Versammlungstätigkeit der alten sozialdemokratischen Partei. Durch mündliche Aufklärung vermag sie am ehesten ihre Mitglieder sich zu erhalten und gegen die unterirdische Wühlarbeit der Radikalsozialisten widerstandsfähig zu machen.

Das Bestreben der militärischen Zensurstellen wird daher dahin gehen müssen, den Veranstaltungen der Mehrheitssozialisten so wenig wie möglich Schwierigkeiten zu bereiten.

Gelegentliche Entgleisungen in den Versammlungen werden in der Regel weit weniger nachteilige Folgen haben als verbitternd wirkende Verbote und Anordnungen“

23.03.1918

Berlin * Im Berliner Reichstag wird der Friedensvertrag von Brest-Litowsk ratifiziert.

Bei der vorausgegangenen Abstimmung stimmen

  • die Abgeordneten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD dagegen,
  • die der Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD enthalten sich der Stimme. 

Deutsches Reich * Kaiser Wilhelm II. gibt den Schulkindern für Siegesfeiern schulfrei. 

22.03.1918

München * Die Behörden untersagen Erich Mühsam jede Beteiligung an politischen Veranstaltungen. 

Berlin * Der Reichstag stimmt - gegen die Stimmen der USPD - der Kriegskreditvorlage zu. 

München * Kriegsminister Philipp von Hellingrath äußert sich zu den Führern der Januarstreiks:

  • „Das arbeitsscheue und verbrecherische Gesindel, das besonders die Großstädte als Schlupfwinkel für sein lichtscheues Treiben wählt, bildet in Zeiten politischer Hochspannung oder wirtschaftlichen Kämpfe eine gesteigerte Gefahr für die Sicherheit des Reiches, denn diese Elemente beteiligen sich erfahrungsgemäß in erster Linie an Unruhen und aufrührerischen Umtrieben.
  • Die Säuberung der Großstädte und Industriebezirke von derartigen ordnungsfeindlichen Elementen gewinnt daher für die Bekämpfung künftiger Unruhen besondere Bedeutung“.

Von hier aus ist es nicht mehr weit zur unseligen Rhetorik der „Schädlingsbekämpfung“

21.03.1918

Bapaume - Nordfrankreich * Mit einem mehrstündigen, für die Gegenseite in seiner Massivheit vollkommen unerwarteten „Sturm aus Feuer und Stahl“, wie man ihn bis dahin noch nicht erlebt hat, beginnen die deutschen Truppen die „Operation Michael“.

Es ist die erste von fünf Schlachten der deutschen „Frühjahrsoffensive“, die zugleich der letzte Versuch des Deutschen Kaiserreichs ist, an der Westfront einen für die Mittelmächte günstigen Kriegsausgang zu erreichen.

Was die Briten in der Flandernschlacht in zwei Wochen verschossen hatten, verbrauchen die Deutschen in nur wenigen Stunden.
Es werden nicht nur Sprenggranaten, sondern auch Giftgas-Granaten verschossen.

Schon am ersten Tag des Unternehmens kann die Verteidigung des Gegners durchbrochen werden. In den Folgetagen dringen die deutschen Truppen auf einer Breite von 80 Kilometern etwa 65 Kilometer tief in französisches Territorium ein.

Die Entente soll zurückgeschlagen werden, ehe die US-Amerikaner in Europa landen. Dies würde, so die Überlegung Erich von Ludendorffs, das Deutschen Reich in eine gute Ausgangsposition bei den Friedensverhandlungen setzen.

  • Die Offensive wird nur am Anfang erfolgreich sein, aber kein Triumphlauf werden.
  • Die Übermacht der alliierten Streitkräfte,
  • erhebliche Versorgungsprobleme und
  • große Verluste sind Ursachen für den Untergang der deutschen Truppen.
  • Am ersten Tag der „Michael-Offensive“ werden auf deutscher Seite von 39.929 Mann 10.851 getötet, 28.778 verwundet und 300 Mann gefangen genommen.
  • Von den eingesetzten 38.512 Briten fallen 7.512, etwa 10.000 werden verwundet und 21.000 gehen in Gefangenschaft. 

19.03.1918

München-Stadelheim * Die seit Ende Februar an Zahnschmerzen leidende Sarah Sonja Lerch wird im Gefängnis Stadelheim vom Zahnarzt behandelt. 

Drei Wochen hat das Warten gedauert, was von der Behörde auf den komplizierten Verwaltungsweg zurückgeführt wird. Aber eigentlich ist das Folter

18.03.1918

Berlin * Beginn der Zeichnungsfrist für die achte Kriegsanleihe.

15.03.1918

München * Anna Niedermeier, Franz Xaver Müller und Karl Mettler werden wegen ihrer Beteiligung an den Münchner Januarstreiks verhaftet. 

Die Arbeiterin Anna Niedermeier wird noch am gleichen Tag wieder freigelassen.

München-Au - München-Stadelheim * Die noch immer an Zahnschmerzen leidende Sarah Sonja Lerch wird aufgrund der „Steigerung ihrer seelischen Erregungszustände“ vom Gerichtsgefängnis Neudeck in Gefängnis Stadelheim gebracht. 

14.03.1918

Dresden * Richard Kämpfer wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner Januarstreiks in Dresden verhaftet. 

München-Au * Kurt Eisner erklärt bei einer Angeschuldigten-Vernehmung im Gerichtsgefängnis Neudeck die durch seine Verhaftung erfolgte Wendung in den Januarstreiks:

„Ich bin […] der Überzeugung, dass in zwei weiteren Tagen die gesamte Münchner Arbeiterschaft gestreikt haben würde, wenn wir freie Betätigung gehabt hätten und wenn uns nicht im eigenen sozialistischen Lager in der Mehrheitspartei ein Gegner in den Rücken gefallen wäre. 

Wenn die Bewegung noch kurze Zeit gedauert hätte, wären die Mehrheitsführer, die ohnehin in jeder öffentlichen Versammlung, in der ich und meine Gesinnungsgenossen sprachen, eine glatte Niederlage erlitten, sicher völlig aus dem Feld geschlagen worden“

10.03.1918

München * Die Sonntagsarbeit in den Rüstungsbetrieben wird aufgehoben.

Petersburg - Moskau * Die sowjetrussische Regierung verlegt ihren Sitz aus strategischen Gründen nach Moskau.

Moskau wird deshalb zur Hauptstadt erklärt. 

München * In der Münchener Allgemeinen Zeitung bekennt sich Kaiser Wilhelm II. zu einem „Siegerfrieden“, der den Feinden „aufgezwungen“ werden muss.

„Völkerbeglückende Weltbürgerschaftsgedanken finden darin keinen Platz. Nur das nackte eigene Interesse und die Garantie eigener Sicherheit und Größe dürfen maßgebend sein“

09.03.1918

München * Der Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler Frank Wedekind stirbt in München an den Nachwirkungen einer Blinddarmoperation.

Seine Beisetzung am Waldfriedhof wird zum Skandal, da neben vielen Künstlern auch zahlreiche Prostituierte teilnehmen. Die Trauerrede hält Ludwig Ganghofer. 

08.03.1918

Bad Kreuznach - Spa * Das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung - OHL wird von Bad Kreuznach in das Hotel Britannique ins belgische Spa verlegt. 

Dort bleibt es bis zum Kriegsende. 

07.03.1918

München * Der in der Reichsbahnhauptwerkstätte München als Werkzeugschlosser beschäftigte Anton Drexler ruft den Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden ins Leben. 

Die Gründung erfolgte in Anlehnung an eine fast gleichnamige und gleiche Ziele verfolgende Organisation in Bremen. 

Es ist eine antisemitische und antimarxistische Gruppierung, die nie mehr als vierzig Mitglieder zählt und der es um eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit der nationalen Rechten geht. Die bürgerlichen Parteien haben in ihren Augen versagt und der Marxismus erscheint ihnen für ihre nationalistischen Ziele ungeeignet. 

Aus dem Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden wird später die Deutsche Arbeiterpartei - DAP hervorgehen

Berlin - Helsinki * Zwischen dem Deutschen Reich und der bürgerlichen Regierung Finnlands wird ein Friedens- und Freundschaftsvertrag geschlossen. 

04.03.1918

München-Kreuzviertel * Erstmals taucht der Begriff Reinheitsgebot während einer Debatte im Bayerischen Landtag auf. 

Es war der niederbayerische Abgeordnete Hans Rauch, Akademielehrer und Leiter der Buchstelle bei der Akademie für Landwirtschaft und Brauerei Weihenstephan, der sagt: „Wir halten fest am Reinheitsgebote, weil wir der Tradition treu bleiben“.

Camp Funston - Kansas * Der erste offizielle Fall der sogenannten Spanischen Grippe wird gemeldet.

Die Grippe wird bis März 1929 weltweit 50 bis 100 Millionen töten.
Das sind 2,5 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung. 

03.03.1918

Brest-Litowsk * Der Friedensvertrag von Brest-Litkowsk zwischen der Sowjetregierung und den Mittelmächten wird durch die Verhandlungsführer paraphiert. 

  • Russland verliert über 25 Prozent seiner Bevölkerung,
  • 27 Prozent seines wirtschaftlich nutzbaren Bodens und 
  • muss die Unabhängigkeit von Finnland, Estland, Livland, Kurland, Litauen, Polen, Georgien, der Ukraine und von Teilen Armeniens anerkennen. 

02.03.1918

München * König Ludwig III. erinnert an das am 26. Mai bevorstehende hundertjährige Bestehen der Bayerischen Verfassung

01.03.1918

Kiew * Deutsche Truppen besetzen Kiew und setzen eine antibolschewistische Regierung ein. 

Deutsches Reich * Das deutsche Heer besteht aus 5,1 Millionen einsatzfähigen Soldaten. 

München * Die bayerischen Behördenvertreter unterscheiden zwischen

  • den „hetzerischen Führern“, die lediglich ihre eigensüchtigen Ziele verfolgen, und
  • den eigentlich „unpolitischen“ beziehungsweise „gutmütigen“ Anhängern, die es gilt, wieder auf den „rechten Weg“ zurückzuführen.

Diese Theorie kann später ohne Probleme in die Dolchstoßlegende und die sie umgebenden Verschwörungstheorien integriert werden. 

28.02.1918

München-Au * Sarah Sonja Lerch bekommt im Gerichtsgefängnis Neudeck Zahnschmerzen, weshalb sie dies dem Untersuchungsrichter mitteilt und um einen Zahnarztbesuch bittet.

Es wird bis zum 19. März dauern, bis Frau Lerch einer Zahnbehandlung zugeführt wird. 

München-Au * Kurt Eisner schreibt in sein Gefängnistagebuch:

„Ausländische Einflüsse, ausländisches Geld soll in der Streikbewegung wirksam gewesen sein. Die deutsche Regierung beschuldigt uns einer Käuflichkeit, die sie selbst mit Hunderten von Millionen in der ganzen Welt organisiert hat“

26.02.1918

Brest-Litowsk * Nach dem schnellen Vormarsch der Mittelmächte kehren die russischen Beauftragten für die Friedensverhandlungen wieder an den Verhandlungstisch in Brest-Litowsk zurück. 

München * Der Ministerrat beschäftigt sich mit den Forderungen des Beamten- und Lehrerbundes

23.02.1918

München * Josef Sontheimer wird von den Behörden jede Beteiligung an politischen Veranstaltungen verboten. 

22.02.1918

München * Die bayerischen Behörden würdigen ausdrücklich das Verhalten der Mehrheitssozialdemokratie, die den Streik „aufgenommen und in ruhige Bahnen gelenkt“ hat. 

München * Das bayerische Kriegsministerium unterscheidet in seiner Analyse die Streikleitungen in

  1. „Führer, die den unabhängigen Sozialdemokraten angehörend, in unmittelbarer Verbindung mit Norddeutschland, vielleicht auch mit dem Ausland stehen und revolutionäre Umtriebe ins Land hereinbringen“.
  2. „Den einheimischen Führern der gemäßigten Sozialdemokratie. […] Sie haben die Bewegung bisher vielfach in besonnene Bahnen gelenkt, vertreten aber natürlich aus parteitaktischen Gründen den Demonstrationsstreik als ein zuverlässiges politisches Mittel“.  
  3. „Der Masse der beteiligten Arbeiterschaft, die unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen jeder verhetzenden Einwirkung besonders zugänglich ist“.

Und weiter schlägt das Kriegsministerium vor: 
„Führer der unter 1) bezeichneten Art sind, wenn irgend möglich, aus ihrer Umgebung zu entfernen und zwar solche, die sich eines Vergehens oder Verbrechens schuldig oder dringend verdächtig gemacht haben durch polizeiliche vorläufige Festnahme und Erwirkung eines richterlichen Haftbefehls – Wehrpflichtige durch Einberufung, Versetzung, Abstellung ins Feld -, Nichtbayern durch Aufenthaltsverbot auf Grund Art. 42 des Kriegszustandsgesetzes“

20.02.1918

München * Mit dem Goldenen Hochzeitsjubiläum von König Ludwig III. und Königin Marie Therese wird das letzte große Fest der bayerischen Monarchie gefeiert.

Die äußeren Feierlichkeiten beschränken sich auf das Kirchliche. „Das Königspaar steht in seinem ernsten Fühlen dem Gedanken ferne, mit rauschendem Gepränge, wie es dem Ansehen des monarchischen Gedankens im tiefen Frieden und der Freude des Volkes entsprechen würde, in die durch den Krieg tausendfach verursachte Trauer einzufallen. Auch das Kriegsleid will das bayerische Herrscherhaus ganz und gar mit dem Bayernvolke teilen“

18.02.1918

München * Der am 28. November 1917 zum „II. rechtskundigen Bürgermeister“ gewählte Hofrat Dr. Hans Küfner tritt sein Amt an.

Brest-Litowsk * Die Mittelmächte nehmen nach dem einseitigen Abbruch der Friedensverhandlungen durch Leo D. Trotzki am 10. Februar die Kampfhandlungen im Rahmen der „Operation Faustschlag“ wieder auf.

Generalquartiermeister Erich Ludendorff arbeitet auf die Abtrennung der gesamten baltischen Küste und Finnlands von Russland hin. 

16.02.1918

München-Kreuzviertel * Die am 8. Februar gewählte Kommission wird von Ministerpräsident Otto von Dandl, Innenminister Dr. Friedrich von Brettreich und Kriegsminister Philipp von Hellingrath empfangen.

Der Sprecher der Kommission, der MSPD-Landtagsabgeordnete Erhard Auer, trägt die Wünsche der Arbeiterausschüsse vor. Die Forderung nach Freilassung der verhafteten Streikführer ist auf der Liste nicht mehr enthalten.

Die Minister beziehen freundlich zu den Forderungen und Anregungen Stellung, Zugeständnisse machen sie jedoch keine.
Der Empfang der Kommission wirkt sich dennoch beruhigend auf die Arbeiterschaft aus. 

14.02.1918

Russland * In Russland wird der gregorianische Kalender eingeführt.

Die Datierung rückt um 13 Tage vor.
Damit folgt auf den 1. Februar der 14. Februar. 

10.02.1918

Brest-Litowsk * Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Leo D. Trotzki, beendet in Brest-Litowsk die Verhandlungen mit den Mittelmächten aus Verärgerung über den am Tag zuvor abgeschlossenen Separatfrieden mit der Ukraine

09.02.1918

Brest-Litowsk * Zwischen der weitgehend von Bolschewisten besetzten Ukraine und den Mittelmächten wird in Brest-Litowsk ein Separatfrieden unterzeichnet.

Dieser Brotfriede soll die Lebensmittelversorgung der Mittelmächte sichern.
Zugleich wird die Ukraine wirtschaftlich eng an das Deutsche Reich gebunden. 

08.02.1918

München * Die am 3. Februar gewählte Deputation, die die Forderungen vom 2. Februar der Regierung vortragen soll, wird durch eine neue Kommission ersetzt.

Dazu wird eine Sitzung der Arbeiterausschüsse von 34 Münchner Betrieben einberufen. Diese wählen eine Kommission, die aus elf Betriebsvertretern und zwei MSPD-Landtagsabgeordneten besteht. Diese sollen mit der Regierung verhandeln.

Erhard Auer übernimmt die Aufgabe des Sprechers. 

05.02.1918

München * Nach dem Ende der Januarstreiks sinkt die Zahl der Münchner USPD sofort um ein Drittel ab und pendelt sich bei etwa 400 Anhänger ein. 

04.02.1918

München * Die „Streiks“ sind beendet.
In den Fabriken wird wieder gearbeitet, doch der Anlass der „Streiks“ ist geblieben.

Die „Christlichen Gewerkschaften“ lehnen in einer Stellungnahme grundsätzlich jeden „politischen Streik“ ab.

Königreich Bayern * In den großen bayerischen „Industriestädten“ München, Nürnberg, Fürth, Schweinfurt und Ludwigshafen haben sich zusammen etwa 75.000 Beschäftigte in den Rüstungsbetrieben an den „Januarstreiks“ beteiligt. 

München * Am Nachmittag wird Lorenz Winkler wegen seiner Beteiligung an den Münchner Januarstreiks verhaftet. 

Berlin * Das Außerordentliche Kriegsgericht in Berlin verurteilt Wilhelm Dittmann wegen seiner Beteiligung am Berliner Munitionsarbeiterstreik und des versuchten Landesverrats zu fünf Jahren Festungshaft

München-Ludwigsvorstadt * Turnusgemäß findet im Wirtshaus Zum Goldenen Anker die USPD-Gesprächsrunde statt.

Alfred Gärtner hat kommissarisch den Vorsitz übernommen.
Die Stimmung ist sehr gedrückt. 

München * König Ludwig III. ermächtigt den Kriegsminister Philipp von Hellingrath für den Fall des Generalstreiks „das Standrecht je nach Lage der Verhältnisse für Bayern rechts des Rheines oder für Teile des Königreiches öffentlich zu verkünden“

München-Au * Kurt Eisner beschreibt beschreibt die Situation der Januar-Streiks in seinem Gefängnis-Tagebuch:

„Wir hatten nicht nur die Militärdiktatur gegen uns, sondern auch die Regierungssozialisten, die die gesamte politische und gewerkschaftliche Organisation fest in Händen hielten, eine Camorra, die vor keinem Mittel zurückschreckten, um sich selbst in ihrer verworfenen Stellung zu behaupten.

Wir waren nur ein kleines Häuflein, ohne die Autorität von Ämtern und Würden, ohne Geld, ohne Presse, ohne die Möglichkeit schriftlicher Propaganda“

03.02.1918

München-Theresienwiese * Um 10 Uhr treffen sich 2.500 bis 3.000 „Streikende“ zur letzten „Streik-Kundgebung“ unter freiem Himmel auf der „Theresienwiese“.

Eine Deputation wird gewählt, die die Forderungen vom 2. Februar 1918 bei der Regierung vortragen soll. Der der USPD angehörende Handlungsgehilfe Fritz Schröder erklärt, dass die gegenwärtige Bewegung ein Kinderspiel sei, gegen das, was noch kommen wird, wenn die Forderungen der Arbeiter abgelehnt werden würden.

Der anschließende Demonstrationszug wächst noch einmal auf 5.000 Menschen an. 

München * Ernst Toller wird wegen seiner Beteiligung an den „Januarstreiks“ verhaftet. 

02.02.1918

München-Isarvorstadt * Am Abend finden im „Gewerkschaftshaus“ in der Pestalozzistraße 40/42 Einigungsverhandlungen zwischen den von der USPD geführten „Streikenden“ und der MSPD statt. Sie führen zu keinem Erfolg.

  • Die „Streikleitung“ erklärt sich allerdings mit der MSPD einverstanden, die die Forderungen der Arbeiter der „Reichsregierung“ unterbreiten will.
  • Ebenso ist sie mit der Wiederaufnahme der Arbeit am Montag, dem 4. Februar einverstanden.

Letztlich ist es den Behörden - in Zusammenarbeit mit der SPD und den Gewerkschaften - gelungen, die „Streiks“ zu beenden. 

München-Maxvorstadt * Die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der Bayerischen Flugzeugwerke versammeln sich im Löwenbräukeller

München * Am Nachmittag dieses Samstags finden in den nachstehenden Betrieben Streikmaßnahmen statt:

  • Bei den „Bayerischen Flugzeugwerken“ beteiligen sich 3.000 Männer und Frauen,
  • bei den „Bayerischen Geschützwerken“ wird von 2.000 Männern und Frauen bestreikt,
  • die „Bayerischen Motorenwerke“ bestreiken 1.500 Männer und Frauen,
  • bei den „Präzisionswerken Deckel“ befinden sich hauptsächlich 1.100 Frauen im Streik. 
  • In den „Ottowerke-Maschinen- und Flugzeugfabrik“ haben etwa 1.000 Männer und Frauen die Arbeit niedergelegt,
  • in der „Zigarettenfabrik Austria“ tun dies 500 Frauen,
  • bei der „Zigarettenfabrik Philipps Carl Witwe“ sind 300 Frauen im Streik,
  • in der „Möbelfabrik Deutsche Werkstätten“ streiken 180 Männer und Frauen,
  • bei der „Lederfabrik Gebrüder Hesselberger“ haben 150 Frauen die Arbeit niedergelegt.
  • Hinzu kommen noch viele, vor allem streikende Frauen aus weiteren kleinen Betrieben.

Fazit: Am Höhepunkt der „Januarstreiks“ haben sich in München weit über 9.000 Menschen, vorwiegend aus den Münchner „Rüstungsbetrieben“, beteiligt. Der Streik wurde zu einem erheblichen Teil von Frauen getragen. 

München * Ein weiterer Versuch durch eine Kommission der streikenden Arbeiter zur Freilassung von Kurt Eisner und den anderen verhafteten USPD-Funktionären ist erneut erfolglos.
Die Abordnung erfährt nur, dass die Verhaftungen wegen Landesverrats erfolgt sind. 

München-Theresienwiese * Im Anschluss ziehen die Versammelten zur Theresienwiese, wo sich insgesamt 6.000 Streikende aus verschiedenen Betrieben einfinden.

Ein Forderungskatalog wird erarbeitet, der dem der Berliner Arbeiter entspricht:

  • Neben der Freilassung der inhaftierten Streikführer sind das
  • die Umwandlung des politischen Systems in ein demokratisches,
  • die Wiederherstellung der Koalitions-, der Presse- und der Versammlungsfreiheit,
  • die Aufhebung des Belagerungszustands und
  • die gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel

München * Die Münchener Post berichtet, dass sich Dr. Eugen Lerch öffentlich von den politischen Aktivitäten seiner Ehefrau Sarah Sonja distanziert und er die Scheidung eingereicht hat. 

München * Von den Behörden wird Kurt Eisner für München als „geistiger Leiter und Organisator der Aufstandsbewegung“ bezeichnet, dessen Einfluss auf die Arbeiterinnen und Arbeiter ausschließlich seiner „leidenschaftlichen Redegewandtheit“ zugeschrieben wird.

Dabei ignorieren sie, dass das unbestrittene rhetorische Talent Eisners seine Wirkung nur deshalb entfalten kann, weil die Stimmungslage in der Arbeiterschaft in den verzweifelt schlechten Lebensbedingungen begründet liegt. 

01.02.1918

München * Am frühen Morgen dieses Freitags werden Sarah Sonja Lerch, Carl Kröpelin, Hans Unterleitner sowie die Schwestern Betty und Emilie Landauer verhaftet. 

Kotor * Auf den in der „Bucht von Kotor“ vor Anker liegenden 40 Schiffe der „k.u.k.-U-Bootflotte“ kommt es zum „Matrosenaufstand von Cattaro“.

6.000 Matrosen hissen die roten Fahnen und verlangen den „sofortigen Friedensschluss“

München-Maxvorstadt * Nach der Verhaftung von Kurt Eisner und anderen USPD-Streikführern gewinnt die MSPD-Führung wieder Einfluss auf die Streikenden.

In einer Versammlung der Bayerischen Flugzeugwerke im Löwenbräukeller fordert Erhard Auer zur „Mäßigung und zur Beendigung des Streiks“ auf. 

München-Schwabing * Am Vormittag treffen sich die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der Bayerischen Geschützwerke, Teile der Belegschaft der Lokomotivfabrik Maffei sowie die Arbeiterinnen und Arbeiter der Lederfabrik Gebrüder Hesselberger und des BMW-Werkes zur Auftaktveranstaltung in der Schwabinger Brauerei.

Im Anschluss ziehen sie in einem Protestmarsch zum Polizeipräsidium in der Ettstraße.

Stand bisher die Friedensfrage im Mittelpunkt, so wird nach der Verhaftungsaktion die Freilassung der Gefangenen zur Hauptaufgabe. Zu diesem Zweck hat die Versammlung eine vierköpfige Kommission gewählt, die beim Polizeipräsidenten die Freilassung der Inhaftierten erwirken soll.

Da - nach Aussage des Polizeipräsidenten - die Polizei keine Einflussmöglichkeiten auf die gerichtlichen Entscheidungen hat, muss die Kommission ohne Ergebnis wieder abziehen. 

München-Ludwigsvorstadt * Die streikende „BMW-Arbeiterschaft“ hält ihre Versammlung im „Mathäserbräu“ ab.

Um die Mittagszeit marschiert sie zu den „Präzisionswerken Deckel“

München-Schwabing * Die Streikenden der „Bayerischen Geschützwerke“ beenden ihren „Protestmarsch“ zu einer Kundgebung in der „Schwabinger Brauerei“.

Im Anschluss ziehen sie weiter zur „Maffei-Maschinenfabrik“

München * Am Nachmittag und Abend dieses Tages finden noch weitere Versammlungen der Belegschaften verschiedener Betriebe statt. 

München * Ministerpräsident Otto von Dandl dankt den bayerischen Mehrheitssozialdemokraten im Landtag dafür, dass sie die Führung der Streikbewegung übernommen haben und bringt seiner Hoffnung auf baldige Beruhigung der Lage Ausdruck. 

31.01.1918

München * Die Münchner Kruppianer der Bayerischen Geschützwerke treten an diesem Donnerstag in den Streik ein.
Am frühen Morgen marschieren sie - vorbei an verschiedenen Großbetrieben im Norden Münchens, die sie zum Anschließen auffordern - zum Schwabinger Bräu, wo Kurt Eisner zu ihnen spricht.

Die Krupp-Arbeiterschaft nimmt eine von Kurt Eisner verfasste Resolution einstimmig an.
Darin erklären sich „die streikenden Arbeiter Münchens mit den Arbeitern der feindlichen Nationen einig in dem feierlichen Entschlusse, den Krieg des Wahnsinns und der Wahnsinnigen sofort ein Ende zu setzen“

München * Kurt Eisner schrieb später:

„Die revolutionärste Revolution, das war doch die vom 31. Januar.

Damals stand Deutschland auf dem Gipfel seiner militärischen Macht, und wenn es uns damals gelungen wäre, die Massen aufzuregen und aufzurütteln zu jener Volksbewegung, wie sie uns damals schon vorschwebte, dann hätten wir noch einen Frieden haben können, in dem wir nicht auf Gnade und Ungnade dem Gegner ausgeliefert gewesen wären“

München * Die rund 2.000 Streikenden ziehen gemeinsam von der Schwabinger Brauerei zu anderen Rüstungsbetrieben im Münchner Norden und schließlich in die Innenstadt in Richtung Hauptbahnhof.

Der inzwischen auf 6.000 Menschen angewachsene Zug will in den Mathäserbräu, in dem aber bereits BMW-Arbeiter eine Versammlung abhalten.

Ihr Demonstrationszug endet schließlich im Hotel Wagner an der Sonnenstraße.
Hier sprechen neben Fritz Schröder auch Sarah Sonja Lerch und Hans Unterleitner. 

München-Ludwigsvorstadt * Im Festsaal der Mathäserbrauerei finden kurz hintereinander die Betriebsversammlungen der Bayerischen Motorenwerke und der Bayerischen Flugzeugwerke statt.

Am frühen Nachmittag versammelt sich die Arbeiterschaft des im Jahr 1917 von Rapp-Motorenwerke in Bayerische Motorenwerke - BMW umbenannten Betriebs.

Anders als in den Krupp-Werken sind die BMW-Arbeitsausschüsse fest in der Hand der Gewerkschaften und der MSPD.  

Auch Kurt Eisner ergreift das Wort und erkennt, dass die Mehrheit der Anwesenden den Streik will.
Nach seinen Ausführungen stimmen die Teilnehmer für die Arbeitskampfmaßnahme.

Ob es bei den Bayerischen Motorenwerken - BMW tatsächlich zum Streik kommen wird, ist fraglich, denn die Versammlung war gegen den Willen der Betriebsvertrauensleute einberufen worden. Und schon deshalb könnten diese dem Streikbeschluss die Anerkennung versagen. 

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend findet im „Mathäserbräusaal“ eine Versammlung der Arbeiterinnen und Arbeiter der „Bayerischen Flugzeugwerke AG“ statt, bei der der SPD-Abgeordnete Erhard Auer spricht und „wilde Streiks“ als „zwecklos und sinnwidrig“ bezeichnet.

Als die Versammelten Kurt Eisner zur Stellungnahme ermunterten, blieb dieser still. Die MSPD und die Gewerkschaften können durchsetzen, dass die Arbeit erst dann niedergelegt wird, wenn sich die Parteileitung in Berlin dafür ausgesprochen hat.

Die Versammlung nimmt einen erregten Verlauf und muss wegen des „großen Lärms“ vorzeitig beendet werden. 

München-Ludwigsvorstadt * Der taktische Winkelzug der USPD geht auf. Felix Fechenbach von den Unabhängigen Sozialdemokraten bemächtigt sich des Vorstandstisches im Festsaal des Mathäserbräu und beruft umgehend eine öffentliche Volksversammlung ein, die er sogleich eröffnet.

Als Redner treten Kurt Eisner und Sara Sonja Lerch auf.
Diese erzeugen einen Sinneswandel bei den Anwesenden, die sich jetzt ebenfalls für den Streik aussprechen.

Am Schluss wird auch die bereits am Vormittag von den Kruppianern in der Schwabinger Brauerei beschlossene Resolution zur sofortigen Beendigung des Krieges „des Wahnsinns und der Wahnsinnigen“ angenommen. 

München-Isarvorstadt * Am späten Abend treffen sich Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und weitere USPD-Genossen zu einer Besprechung im Restaurant Müllerbad.

Kurt Eisner sowie Vater und Sohn Albert Winter werden dort verhaftet. 

Berlin * Das Militär verhängt den verschärften Belagerungszustand über Berlin.

Die Behörden lösen den Arbeiterrat auf und untersagen die Bildung einer neuen Streikleitung.
Die SPD-Parteizeitung Vorwärts wird verboten, weil er über die Sympathiestreiks in Budapest und Wien berichtet hat. 

Berlin * In Berlin spielen sich Szenen wie in einem Bürgerkrieg ab. Polizei und Militär durchbrechen Straßensperren, Schüsse fallen.

Militante Arbeiter werfen Steine und bewaffnen sich mit Stöcken und Knüppeln. Sie werfen Straßenbahnen um und bauen Barrikaden. Es gibt viele Verletzte und mehrere Tote.

Berlin * Am Humboldtshain im Stadtviertel „Gesundbrunnen“ wächst die Zahl der demonstrierenden Menschen immer stärker an. Dem Großaufgebot der berittenen Gendarmerie stellt sich eine Menschenmenge entgegen und ruft: „Schluss mit dem Völkermorden!“.

Da ziehen die Polizisten ihren Säbel und sprengen nach Art einer Kavallerie-Attacke in die Menge hinein. „Gellende Schreie und Protestrufe wurden laut. Stöhnend sank ein Arbeiter zu Boden. Daraufhin wurden die Berittenen umringt. Ein Reiter stürzte, andere wurden vom Pferd gerissen“, schreibt ein Augenzeuge. 

München * Nach einem Besuch des Großherzogs von Oldenburg, Friedrich August, bei König Ludwig III. erklärt dieser dem Vertrauten des Reichskanzlers, Victor Naumann, zu den preußischen Vergrößerungsplänen, dass „gegen irgendeine Bindung an Preußen […] die gewichtigsten Gründe“ sprechen.

Es geht um einen Zugewinn für das Deutsche Reich im Ostseeraum. 

30.01.1918

München * Die Delegierten des Münchner Gewerkschaftsvereins beschließen eine Resolution, in der sie die Aktivitäten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei - USPD zum Streik verurteilen.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Johannes Timm verständigt sich mit dem MSPD-Parteisekretär Erhard Auer, an der für den nächsten Tag angesetzten Versammlung der Münchner kriegswichtigen Betriebe teilzunehmen.

Sie wollen durch ihre Präsenz

  • Gegenmaßnahmen einleiten,
  • die Bewegung in geordnete Bahnen lenken und
  • den Streik so bald als möglich beenden. 

München * Kriegsminister Philipp von Hellingrath verbietet die von Albert Winter sen. am 27. Januar beantragte öffentliche Versammlung der USPD am 5. Februar. 

Berlin * Der Parteiausschuss der Mehrheits-SPD stimmt der Mitarbeit der drei Reichstagsabgeordneten Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Braun im Aktionsausschuss zu, um - wie es Scheidemann ausdrückt, ein „nicht zu billigendes, aber verständliches Unternehmen nicht nur in ruhige Bahnen zu lenken, sondern auch durch Verhandlungen mit der Regierung schnellstens zum Ende zu bringen“.

Die MSPD versteht sich als die einzige Kraft, die eine Eskalation der Ereignisse verhindern kann. 

Berlin * Auch hier schlägt - wie zuvor schon in Wien - das Imperium zurück.

Am Nachmittag lässt der für Berlin zuständige Befehlshaber, Generaloberst Gustav von Kessel, alle Versammlungen und Streikkomitees verbieten und verlautbaren: Wer sich den Befehlen nicht fügt, setzt „sich schwerster Bestrafung nach den Vorschriften des Belagerungszustandes aus; die Wehrpflichtigen unter ihnen werden außerdem militärisch eingezogen werden“.

Der Arbeiterrat gibt nicht nach.
Die Arbeitskampfmaßnahmen werden erfolgreich weitergeführt. 

29.01.1918

Mährisch-Ostrau * In Mährisch-Ostrau streiken die Arbeiter. 

München * Im Ingolstädter Hof treffen sich Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und Albert Winter sen. mit den Vertrauensleuten der Krupp-Arbeiter in den Bayerischen Geschützwerken. Es wird eine Empfehlung an die Arbeiter beschlossen, dass sie am Donnerstag, 31. Januar 1918 mit dem Streik beginnen sollen.

Kurt Eisner hält sich während der Diskussion vollkommen zurück und beantwortet lediglich Fragen, die an ihn gerichtet werden. 

Er sieht hier sein Ideal von der Arbeiterschaft erfüllt:

  • Sie soll sich selbst führen,
  • soll sich von niemand vertreten lassen,
  • sollen nur „Sachverständige, zu deren Charakter, Wissen, Intelligenz, Mut sie Vertrauen haben, als Berater hinzuziehen“.

Eisner kann sich schon deshalb zurücknehmen, denn - so schreibt er später - „es bedurfte auch gar nicht mehr meiner Einwirkung“

Deutsches Reich * Reichsweit beteiligen sich mindestens 250.000 Arbeiterinnen und Arbeiter am Streik. 

Berlin * In Berlin werden alle Versammlungen verboten.

Die Polizei besetzt das Gewerkschaftshaus. 

28.01.1918

Berlin * Am ersten Tag des Ausstands folgen rund 100.000 Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter dem Aufruf der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei - USPD zum Streik.
Das Motto heißt: „Frieden und Brot!“.

Ihre Hauptforderungen lauten:

  • Den sofortigen allgemeinen Frieden ohne Annexion und Kontributionen,
  • das vollständige Presse- und Koalitionsrecht, sowie Versammlungsfreiheit,
  • die Aufhebung des Belagerungszustandes,
  • die Entmilitarisierung der Betriebe und Aufhebung des Hilfsdienstgesetzes,
  • die Freilassung und Aufhebung des Zuchthausurteils gegen Karl Liebknecht, sowie die Freilassung sämtlicher politischen Gefangenen und Verurteilten.

Für Deutschland fordern die von den Streikenden gebildeten Berliner Arbeiterräte eine „durchgreifende Demokratisierung der gesamten Staatseinrichtungen“.

Das Vorbild der österreichischen Kolleginnen und Kollegen hat auch die deutsche Arbeiterschaft ermutigt. 

Die Versammelten rufen die Arbeiterschaft der Kriegsgegner auf, es ihnen gleichzutun und ebenfalls in einen Massenstreik einzutreten, „denn erst der gemeinsame, internationale Klassenkampf schafft Arbeit und Brot“.
Zur Umsetzung dieser Forderung sollte es allerdings nicht kommen.

Dafür gelingt es den revolutionären Obleuten - zwar widerstrebend, aber strategisch sehr geschickt, - auch die Mehrheits-SPD in den Kampf zu integrieren. Das ist ein beachtenswerter Versuch der Wiederannäherung. 

Russland * Revolutionäre Obleute organisieren in Russland Massenstreiks gegen die annexionistische Verhandlungsführung der Mittelmächte in Brest-Litowsk.

Die Streiks dauern bis 4. Februar 1918 an. 

München * Kurt Eisner und seiner USPD gelingt es aufgrund der fehlenden Kontakte zu den Rüstungsarbeitern noch nicht, die Münchner Arbeiterschaft auf die Straße zu bringen.

Erst am 31. Januar 1918 treten die Rüstungsarbeiter in den Streik ein. 

München-Schwabing * In der Schwabinger Brauerei findet am Abend eine von der MSPD und der Gewerkschaften einberufene Veranstaltung zum Thema „Die Übergangswirtschaft vom Krieg zum Frieden“ statt.

Sie wird von etwa 800 Personen besucht. Hauptredner ist der stellvertretende Landesvorsitzende Franz Schmitt.

Der Vortrag endet mit der Warnung, sich - in Hinblick auf die Berliner Streikmaßnahmen - zu keinen unüberlegten Handlungen hinreißen zu lassen, nachdem die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk ins Stocken geraten sind.

Die Veranstalter wollen Kurt Eisner nicht zu Wort kommen lassen. Doch nach einer „heftigen Geschäftsordnungsdebatte“ und gegen den erbitterten Willen des Veranstaltungsleiters und Gewerkschaftsfunktionärs Joseph Kurt kann Kurt Eisner das Rederecht erringen und das neue Thema „Die gegenwärtige Krisis und ihre Lösung durch den Massenstreik“ auf die Tagesordnung setzen. Immer wenn Eisner den Streik nur erwähnt, „jubelt alles“.

Noch bevor über die Teilnahme der Krupparbeiter am Streik abgestimmt werden kann, gelingt es den Vertretern der MSPD und der Gewerkschaften, die Versammlung wegen „Überschreiten der Polizeistunde“ aufzulösen.

In seinem „Gefängnistagebuch“ urteilt Kurt Eisner später über die den Streik ablehnenden Mehrheitssozialdemokraten, indem er sie als eine „Camorra“ bezeichnet, „die vor keinem Mittel zurückschreckt, um sich selbst in ihrer verworfenen Stellung zu behaupten“ und stellt sie als eine „lächerliche Karikatur des preußischen Kasernenstaates“ dar.
Konkret wirft er der bayerischen SPD-Parteiführung eine „riesige unpolitische, ohnmächtige, öde, geistlose und verlogene Vereinsmeierei“ vor. 

Nürnberg * In der Nacht vom 28. zum 29. Januar 1918 beschließt die Ortsgruppe der Nürnberger Mehrheitssozialdemokraten, sich dem Streikaufruf der USPD anzuschließen.

Der fränkische Streikaufruf war auch als Seitenhieb auf den Opportunismus der Münchner Sozialdemokraten gedacht.

In Nürnberg beteiligen sich weit über 40.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an den Streikaktionen und Demonstrationen. 

27.01.1918

München-Isarvorstadt * Die Münchner Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD führt in den Kolosseum-Bierhallen eine Versammlung zum Thema „Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und das harrende Volk“ durch.
Etwa 250 bis 300 Personen sind der Einladung gefolgt. Auch die Polizeibehörde hat zwei Vertreter zur Überwachung geschickt, weil sie die Versammlung als öffentlich ansieht.

Unter dem Applaus der Zuhörer hält Kurt Eisner einen kämpferischen Vortrag und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf die anwesenden Polizeispitzel. Die Versuche der Polizeibeamten, den Redner einzuschüchtern, werden von der erregten Menge unterbunden.

Er führt u.a. aus, die Zeit ist gekommen, „nicht den Willen kundzutun, sondern ihn durchzusetzen“. Kurt Eisner bezeichnet den Massenstreik als das Mittel, „die Macht für die deutsche Demokratie zu erobern“ und „dem Wüten der verblendeten Herrschenden ein Ende [zu] bereiten“

Felix Fechenbach bemerkte dazu: Kurt Eisner sprach in Gegenwart der Polizei „trotzdem, oder gerade deshalb, ohne jede Zurückhaltung, weil er stets die Meinung vertrat, dass das Aussprechen der Wahrheit der erste Schritt zur Revolution ist“

München-Isarvorstadt * An der USPD-Versammlung in den Kolosseumbierhallen nehmen einige Vertrauensleute der Krupparbeiter der Bayerischen Geschützwerke teil.

Sie fordern Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und Albert Winter sen. auf, am nächsten Tag in der von den Gewerkschaften und den Mehrheitssozialdemokraten einberufenen Betriebsversammlung zu sprechen.

Bis dahin gibt es keine Verbindung zwischen der Münchner USPD und den Betrieben. Erst dadurch - und nicht durch die Organisation der USPD - kommt der Kontakt zu den Arbeitern der Münchner Rüstungsbetriebe zustande. 

München-Kreuzviertel * In der Nacht trifft beim bayerischen Innenministerium die Nachricht ein, dass am darauffolgenden Tag

  • ein dreitägiger „Generalstreik“ beginnen und
  • der Streik innerhalb von drei Tagen in ganz Deutschland zum Durchbruch kommen soll.
  • Kuriere reisen von Berlin mit der Eisenbahn in alle größeren Städte des Deutschen Reichs, um Flugblätter zu verteilen und mündliche Nachrichten zu überbringen.
  • Vertrauensleute sollen in Kriegswirtschaftsbetrieben, insbesondere in Munitionsfabriken zur Arbeitsniederlegung auffordern.  
  • Demonstrationszüge mit Ansprachen sind geplant.

In einer kurzfristig anberaumten Besprechung wird vereinbart, dass

  • keine Gewalt gegen Arbeitseinstellungen angewandt werden soll,
  • die Polizei soll Menschenansammlungen lediglich zerstreuen,
  • bei „Zusammenstößen mit streikenden Arbeitern [muss] nach dreimaliger Aufforderung, auseinanderzugehen, scharf geschossen werden“

München * Der Schreinermeister und Münchner USPD-Vorsitzende Albert Winter sen. beantragt bei der Kgl. Polizeidirektion für den 5. Februar 1918 die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung der USPD

Berlin - Deutsches Reich * Kaiser Wilhelm II. feiert an einem Sonntag bei Kaiserwetter seinen 59. Geburtstag.

Von vielen Kanzeln wird gepredigt: „Möge ihn der Herr segnen wie er auch uns segnet“.
Dabei werden die lauteren Absichten des „Friedensfürsten“ herausgestellt, „der seine Friedenshand immer wieder gereicht, die [aber] vom Feinde so schmählich zurückgewiesen“ wurde. Der Kaiser, der „auch in Zukunft allen Stürmen, mögen sie noch so verheerend toben, unerschrocken entgegen sehe“

München * Kurt Eisner trat in der Zeit vom 27. bis zum 31. Januar 1918 in sieben Massenversammlungen auf und hielt dort jeweils eine Rede.

Er wird dadurch zum „geistigen Leiter und Organisator der Aufstandsbewegung in München“. So jedenfalls formuliert es der Staatsanwalt nach Eisners Verhaftung.

Berlin * Eine Versammlung der der USPD nahestehenden Vertrauensleute aller Berliner Großbetriebe, die sogenannten revolutionären Obleute, beschließt einstimmig, am nächsten Morgen den Generalstreik zu beginnen.

Nach Wiener Vorbild wird ein aus 414 Personen bestehender Arbeiterrat gebildet, der einen elfköpfigen Aktionsausschuss aus dem Kreis der revolutionären Obleute wählt. Der Aktionsausschuss fungiert als Streikleitung und wird von Richard Müller angeführt.

Die USPD und die MSPD entsenden zusätzlich noch je drei Vertreter. Als Vertreter der Arbeiterparteien werden

  • die USPD-Reichstagsabgeordneten Hugo Haase, Georg Ledebour und Wilhelm Dittmann sowie
  • die SPD-Vorstandsmitglieder Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Braun hinzugezogen. 

26.01.1918

Berlin * Die SPD-Parteizeitung Vorwärts veröffentlicht eine Anzeige:
„An Kaisers Geburtstag spendet für die Deutschen Soldatenheime an der Front“

24.01.1918

Wien * Für den österreichisch-ungarischen Ministerpräsidenten Ottokar Graf von Czernin und zu Chucenitz ist ein Verständigungsfrieden auf der Grundlage der 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson akzeptabel.

Er erklärt dies in Hinblick auf die innenpolitische und militärische Lage seines Landes.

22.01.1918

Pola * Die Arsenalarbeiter im Kriegshafen Pola treten in den Streik.

Ihnen schließen sich die Matrosen der im Hafen liegenden Schiffe der k.u.k.-Kriegsmarine an. 

München * In einem Gespräch mit dem Münchner Polizeipräsidenten versichert der Landessekretär der Bayerischen SPD, Erhard Auer, dass „die Unabhängigen in Bayern, besonders in München, nicht viel Boden“ haben. 

Bei den organisierten Arbeitern besteht somit keine Streikgefahr. Anders ist die Sache „bei den vielfach noch nicht organisierten weiblichen Arbeiterinnen“

21.01.1918

Österreich-Ungarn * Nach dem Ende der Jännerstreiks werden die Streikführer und auch zahlreiche Aktivisten verhaftet oder zur Armee eingezogen. 

Österreich-Ungarn * Nun greifen die Unruhen auf die Armee über.

  • Es kommt zu Soldatenmeutereien unter Truppen südslawischer Herkunft in Judenburg und Pécs,
  • bei Truppen mit tschechischen Soldaten im böhmischen Rumburg und
  • unter ungarischen Regimentern in Budapest. 

München-Ludwigsvorstadt * Im Anschluss an die Vorstandssitzung findet der USPD-Diskussionsabend im Wirtshaus Zum Goldenen Anker in der Schillerstraße statt. Dort treffen - nach Polizeiberichten - rund 150 Personen zusammen, darunter 20 Frauen und 30 Soldaten. Damit erreicht der Diskussions-Stammtisch seine größte Breitenwirkung.

Kurt Eisner verteilt aus Frankreich stammende Flugblätter, die sich mit dem Thema „Ist in Deutschland eine Revolution möglich?“ befassen. Er deutet an, dass ein Ausstand vorbereitet werde. Das Endziel des Streiks ist „die Monarchie zu stürzen und nicht nur den preußischen, sondern den gesamten Militarismus niederzuzwingen. Dazu gibt es nur ein Mittel: Die heiß ersehnte, unausbleibliche und bald zu erwartende Revolution“

München * Mit Plakaten wird aufgefordert, Brennnesseln zu sammeln. Die Pflanze, so heißt es, kommt der Baumwolle am nächsten, deren Zufuhr aufgrund der Kriegserklärung Amerikas abgeschnitten ist.

„Wir Deutschen müssen unseren Stolz dareinsetzen, genügend Nesselfasermengen herbeizuschaffen, denn, genau so wenig uns der Engländer auszuhungern vermochte, darf uns der Amerikaner mit Gespinstfasern kaltstellen“

München-Ludwigsvorstadt * Der Münchner USPD-Vorstand tritt zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende, Schreinermeister Albert Winter sen., berichtet über die Mitglieder-Entwicklung der noch jungen Partei. Die Münchner USPD hat zu diesem Zeitpunkt circa 600 Mitglieder. Vier Münchner MSPD-Sektionen wollen zur USPD wechseln, sodass die Münchner USPD jetzt in die vier Sektionen Giesing, Haidhausen, Schwabing und Innenstadt aufgeteilt werden kann.

Kurt Eisner berichtet von seinen Gesprächen in Berlin und davon, dass es dort auch Stimmen gibt, die - entgegen der Auffassung der Mehrheit der Berliner USPD-Führung - mehr als nur einen dreitägigen Demonstrationsstreik wollen. Auch ihr Ziel ist der Sturz der Regierenden. 

20.01.1918

Wien * Der sozialdemokratische Parteivorstand Österreichs veranlasst eine Regierungserklärung, die zahlreiche Zugeständnisse an die Streikenden enthält.

Darunter die Zusicherung,

  • die katastrophale Lebensmittelversorgung zu verbessern und
  • sich um Friedensverhandlungen zu bemühen.

Er setzt damit den Beschluss zum Abbruch des Streiks durch.

Die Beendigung des Streiks verärgert die radikale Linke, die sich von den Versprechungen nicht beeindrucken lassen will.

Die Militärs hätten allerdings nicht davor zurückgeschreckt, mit militärischer Gewalt gegen den Streik und die Streikenden vorzugehen. 

München * Ernst Toller trifft von Heidelberg kommend in München ein.

Der gute Redner wird sich später an den Münchner Januarstreiks aktiv beteiligen.

München-Isarvorstadt * Den Gewerkschaftssekretär Wilhelm Bosbach vom Christlichen Metallarbeiterverband, der im Leo-Haus, Hauptstelle katholisch-sozialer Vereine in der Pestalozzistraße 1 sein Büro hat, erhält aus den Betrieben die Nachricht von Flugblättern und einem bevorstehenden Streik.

Der christliche Gewerkschafter weist seine Vertrauensleute an, „dass diesen Bestrebungen entgegen getreten werden solle“

19.01.1918

Berlin - München * Kurt Eisner kehrt von seinen Gesprächen in Berlin zum Massenstreik nach München zurück. 

Wien * Angesehene österreichische Sozialdemokraten wie Viktor Adler rufen die Streikenden zur Mäßigung auf und verhandeln mit der Regierung in Wien Verbesserungen aus. 

Der k.u.k.-Ministers des Äußern, Graf Ottokar Czernin von und zu Chudenitz, überreicht einer Abordnung des Arbeiterrates eine Erklärung, in der er sich verpflichtet, die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk keinesfalls an territorialen Forderungen scheitern zu lassen.

Ministerpräsident Ernst von Feuchtenegg sagt Reformen

  • des Kriegsleistungsgesetzes und
  • des Ernährungsdienstes sowie
  • eine Demokratisierung des Gemeindewahlrechtes zu. 

18.01.1918

Wien - Österreich-Ungarn * Der Höhepunkt der österreichisch-ungarischen Streikbewegung ist erreicht.

In Wien befinden sich 110.000, insgesamt 350.000 bis 370.000 Menschen im Ausstand

16.01.1918

Wien - Österreich-Ungarn * Die Belegschaften der Wiener Rüstungsbetriebe verweigern die Arbeit.

Ausgehend von den Floridsdorfer Fiat-Werken greift die Bewegung auf 120 Wiener Betriebe über und erfasst danach die steirische, schließlich die ungarische Arbeiterschaft. 

15.01.1918

Wien * Der in den Wiener-Neustädter Daimler-Motorenwerken am Tag zuvor begonnene Streik weitet sich zur politischen Massenstreikbewegung in fast allen Industriegebieten des Habsburger Reich bis nach Prag und Budapest aus.

Bis zum 25. Jänner 1918 werden über 700.000 Arbeiter in den Ausstand treten. Es kommt zur größten Streikaktion in der Geschichte des Landes.

Die Streikenden fordern nicht mehr nur

  • eine bessere Lebensmittelversorgung, sondern auch
  • ein demokratisches Wahlrecht
  • die sofortige Beendigung des Krieges und
  • einen raschen Friedensschluss ohne Annexionen in Brest-Litowsk.

In Massenveranstaltungen werden Arbeiterräte - nach dem Vorbild der russischen Revolution - als ein konkretes Gegenmodell politischer Interessenvertretung gewählt.

Noch am ersten Tag des Wiener Streiks formuliert der sozialdemokratische Parteivorstand Forderungen an die Regierung, die vom Arbeiterrat akzeptiert werden. 

14.01.1918

Wien * In den Daimler-Motorenwerken in Wiener-Neustadt beginnt ein Streik wegen der Verkürzung der eh schon geringen täglichen Brotration von 200 auf 165 Gramm. 

12.01.1918

Starnberg * Eine Kampagne des Roten Kreuzes lautet: „Sammelt ausgekämmtes Frauenhaar“.

Der Grund: Die Industrie braucht dieses für Treibriemen. 

11.01.1918

Berlin - Deutsches Reich * Das vom US-Präsidenten Woodrow Wilson vorgeschlagene 14-Punkte-Programm wird bei ihrer erstmaligen Veröffentlichung nur in einer zensierten Fassung zugänglich gemacht.

Für die in den umstrittenen Grenzprovinzen lebenden Deutschen hört sich die Friedenslösung à la Wilson eher katastrophal an, da sie die Eingliederung in neue Nationalstaaten befürchten. 

10.01.1918

Berlin * Die USPD-Reichstagsfraktion kritisiert in einem Aufruf die Annexionspläne des deutschen Imperialismus im Osten scharf. 

Berlin * Der USPD-Parteivorstand in Berlin veröffentlicht das Flugblatt „Männer und Frauen des werktätigen Volkes!“.

Er ruft darin nur zu einem zeitlich befristeten, dreitägigen Demonstrationsstreik auf.
Zu einem unbefristeten Massenstreik, wie ihn Kurt Eisner will, kann er sich nicht durchringen. 

München * Das Bayerische Kriegswucheramt berichtet dem Innenminsterium, dass in Niederbayern mehr Schmalznudeln als in früheren Zeiten „aus weißem Mehl unter Verwendung von großen Mengen Schmalz und Butter“ gegessen werden. 

09.01.1918

München - Berlin * Kurt Eisner hält sich vom 9. bis 19. Januar 1918 in Berlin auf, um auch dort zum Massenstreik zu drängen. 

Brest-Litowsk * Die Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland werden in Brest-Litowsk fortgesetzt.

Die großen Hoffnungen, die man in die Friedensverhandlungen gesetzt hatte, werden bitter enttäuscht. Die harten Bedingungen, die das Deutsche Reich hinsichtlich der Gebietsabtretungen stellt, machen deutlich, dass die deutsche Regierung an einem Verständigungsfrieden nicht interessiert ist. 

Die Generalität will den Frieden mit Russland nur, um mit den dort frei werdenden Truppen und gestützt auf die Getreide- und Kohlelieferungen aus den besetzten russischen und ukrainischen Gebieten eine neue Offensive im Westen starten zu können.

Für das Deutsche Kaiserreich gibt es nur Sieg oder Niederlage, dazwischen gibt es nichts.
So rückt der Frieden in immer weitere Ferne.

08.01.1918

Washington - Berlin * Der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson schlägt ein „14-Punkte-Programm“ vor. Es sieht Folgendes vor:

  1. „Offene, öffentlich abgeschlossene Friedensverträge. Danach sollen keinerlei geheime internationale Abmachungen mehr bestehen, sondern die Diplomatie soll immer aufrichtig und vor aller Welt getrieben werden“.
  2. „Uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt auf den Meeren, außerhalb der Territorialgewässer, im Frieden sowohl wie im Kriege, […]“.
  3. „Möglichste Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken und Herstellung einer Gleichheit der Handelsbedingungen für alle Nationen, […]“.
  4. „Entsprechende gegenseitige Bürgschaften für die Beschränkung der Rüstungen der Nationen auf das niedrigste, mit der Sicherheit im Innern vereinbare Maß“.
  5. „Freier, unbefangener und völlig unparteiischer Ausgleich aller kolonialen Ansprüche, […]“.
  6. „Räumung des ganzen russischen Gebietes und ein Einvernehmen über alle auf Russland bezüglichen Fragen, […]“.
  7. „Belgien muss […] geräumt und wiederhergestellt werden, […]“.
  8. „Das ganze französische Gebiet muss geräumt und die besetzten Teile wiederhergestellt werden. […]“.
  9.  „Berichtigung der Grenzen Italiens nach den genau erkennbaren Abgrenzungen der Volksangehörigkeit“.
  10. „Den Völkern Österreich-Ungarns […] sollte die freieste Gelegenheit zu autonomer Entwicklung zugestanden werden“. 
  11. „Rumänien, Serbien und Montenegro sollten geräumt, die besetzten Gebiete zurückgegeben werden. […]“.
  12. „Den türkischen Teilen des Osmanischen Reiches sollte eine unbedingte Selbstständigkeit gewährleistet werden. Den übrigen Nationalitäten dagegen, die zurzeit unter türkischer Herrschaft stehen, sollte eine zuverlässige Sicherheit des Lebens und eine völlig ungestörte Gelegenheit zur selbstständigen Entwicklung gegeben werden. […]“.
  13. „Ein unabhängiger polnischer Staat sollte errichtet werden, der alle Gebiete einzubegreifen hätte, die von unbestritten polnischer Bevölkerung bewohnt sind; […]“.
  14. „Ein allgemeiner Verband der Nationen muss gegründet werden mit besonderen Verträgen zum Zweck gegenseitiger Bürgschaften für die politische Unabhängigkeit und die territoriale Unverletzbarkeit der kleinen sowohl wie der großen Staaten“.  

Mit Woodrow Wilsons „14-Punkte-Programm“ sollen die deutsch-russischen Friedensverhandlungen unterlaufen werden.

Schon deshalb lehnt das Deutsche Reich das Programm ab. 

03.01.1918

Österreich-Ungarn * In Österreich-Ungarn beginnen vereinzelt und noch in kleinem Ausmaß die sogenannten Jännerstreiks.  

Zunächst geht es den Streikenden um eine bessere Lebensmittelversorgung, doch spätestens am 15. Jänner werden auch werden Forderungen nach Beendigung des Krieges laut. 

01.01.1918

München * Die Münchner USPD weist nach polizeilichen Erhebungen gerade einmal eine Mitgliederstärke von maximal 600 Personen auf. 

31.12.1917

München * In den Münchner Volksküchen werden 1917 insgesamt 9.979.252 Essen ausgegeben. 

28.12.1917

Washington * Die amerikanische Regierung verstaatlicht zur „Sicherung der Nachschublieferungen für den Krieg“ die amerikanischen Eisenbahngesellschaften. 

27.12.1917

Brest-Litowsk * Aus den Erklärungen des deutschen Unterhändlers wird deutlich, dass die Deutschen in den Verhandlungen in Brest-Litowsk keinen „Verständigungsfrieden“ wollen, sondern gezielt auf einen separaten „Annexionsfrieden“ hinarbeiten.

22.12.1917

Brest-Litowsk * In Brest-Litowsk beginnen die Friedensverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und der sowjetrussischen Regierung.

München-Schwabing * Annemarie Fischer, Karl Valentins spätere zweite Bühnenpartnerin, kommt zur Welt.

Die Familie wohnte in der Elisabethstraße 43.

21.12.1917

Berlin - Leipzig * Kurt Eisner sendet von Berlin aus seinen Text „Notwendigkeiten“ an die „Leipziger Volkszeitung“, den diese auch veröffentlicht.

Sein Besuch in Leipzig, bei dem er die ansässigen „Arbeiterführer“ für seine „Friedensaktion“ gewinnen will, scheitert.
Ein „Massenstreik“ ist unter der gegebenen Situation und zu diesem Zeitpunkt aussichtslos. 

19.12.1917

München-Kreuzviertel * Der SPD-Reformantrag vom 18. September 1917 wird im Plenum der Abgeordnetenkammer behandelt.

Der Führer der Zentrumsfraktion, Heinrich Held, lehnte die SPD-Vorschläge rundweg ab, denn: „Der Antrag bezielt [...] eine fundamentale Einschränkung der Königsrechte und geht in seinen letzten Wirkungen auf die tatsächliche Abschaffung der konstitutionellen Monarchie, auf die Einführung der parlamentarischen Regierungsform und schließlich auf die Republikanisierung unseres Staatswesens hinaus“.

Alle elf Vorschläge werden in der Abstimmung per Handaufheben von der ihren Besitzstand verteidigenden Zentrumsmehrheit im Bündnis mit den Liberalen abgelehnt. 

Damit ist die Reformbewegung zumindest für die Dauer des Krieges zum Stillstand gebracht worden. 

18.12.1917

Berlin * In Berlin wird die „Universum Film AG - Ufa“ als Propaganda-Instrument der „Obersten Heeresleitung - OHL“ gegründet. 

Washington * In den USA schlägt der Senat unter dem erheblichen Druck der Enthaltsamkeitsbewegung die Einführung der Prohibition vor. Herstellung, Verkauf und Transport alkoholischer Getränke sollen dadurch verboten werden. 

Die Bestimmung wird am 16. Januar 1919 ratifiziert und tritt am 19. Januar 1920 in Kraft. 

Wien - Washington * Das „k. u. k. Ministerium des Äußern“ nimmt die amerikanische Kriegerklärung vom 11. Dezember 1917 gegen Österreich-Ungarn entgegen. 

Berlin - München * Kurt Eisner schreibt seiner Frau Else aus Berlin folgende Zeilen:

„Es scheint mir nun doch gelungen, die schlafenden Seelen ein wenig aufzurütteln. Man hat meine Kritik anerkannt und meine Vorschläge angenommen.
Alles kommt darauf an, ob sich die Persönlichkeiten finden, die für die Arbeit notwendig sind.
Man hat mich selbst gebeten, die Tätigkeit hier zu übernehmen“

17.12.1917

Königreich Bayern * Die anhaltende Kälte führt vor allem in den bayerischen Großstädten zu Einschränkungen in der Brennstoff- und Lebensmittelversorgung. 

15.12.1917

Brest-Litowsk * Der Waffenstillstand zwischen Russland und dem Deutschen Reich wird bis zum 14. Januar 1918 verlängert. 

13.12.1917

München - Berlin * Kurt Eisner fährt für mehrere Tage in die Reichshauptstadt Berlin, um dort persönliche Angelegenheiten zu regeln.

Er nutzt die Gelegenheit, um mit USPD-Abgeordneten Gespräche über die aktuelle politische Lage und über den „Massenstreik“ zu führen. Doch die Berliner „USPD-Funktionäre“ zögern und stellen ihm dar, dass die Massen für einen allgemeinen Streik nicht zu haben sind, weil sich trotz der erkennbaren Erregung über die Lebensbedingungen eine Erschöpfung eingestellt hat. 

Nach der Aufnahme der Gespräche über „Waffenstillstandsvereinbarungen“ in Brest-Litowsk am 5. Dezember 1917 hofft die Bevölkerung nun auf Frieden, für den unter diesen Voraussetzungen keine besondere Anstrengung zur Herbeiführung mehr notwendig ist.

Kurt Eisner widerspricht dieser Darstellung vehement und unterstellt den Parteifunktionären, dass ihnen selbst zu einer derartigen Aktion das notwendige Vertrauen fehle. Er sieht sehr wohl bei den Massen das lebhafte Bedürfnis nach einer „idealistischen Aktion“

12.12.1917

Berlin * Der „Normenausschuss der Deutschen Industrie“ wird in Berlin gegründet.

Er setzt die „Deutsche Industrie Norm - DIN“ fest. 

11.12.1917

Washington - Wien * Die „Kriegserklärung“ der Vereinigten Staaten von Amerika an Österreich-Ungarn wird offiziell  verkündet. 

Im „k. u. k. Ministerium des Äußern“ kann die amerikanische „Kriegerklärung“ jedoch erst am 18. Dezember 1917 in Empfang genommen werden.

09.12.1917

Jerusalem * Britische Soldaten marschieren in Jerusalem ein und beenden damit die 673 Jahre währende „osmanische Herrschaft“

Deutsch-Ostafrika [= heute Tansania] * Die deutsche „Kolonie Deutsch-Ostafrika“ wird von den britischen Truppen vollständig besetzt. 

Focsani - Sofia - Berlin - Wien * Das „Königreich Rumänien“ und die „Mittelmächte“ vereinbaren in Focsani einen „Waffenstillstand“, der die Einstellung der Kampfhandlungen an der rumänischen Front zum Inhalt hat. 

07.12.1917

Washington - Wien * Der amerikanische „Kongress“ beschließt einstimmig die „Kriegserklärung“ der Vereinigten Staaten von Amerika an Österreich-Ungarn.

05.12.1917

Brest-Litowsk * Zwischen dem „Deutschen Reich“ und Russland wird in Brest-Litowsk ein zehntägiger „Waffenstillstand“ vereinbart. 

04.12.1917

Helsinki * Finnland erklärt seine Unabhängigkeit von Russland.

Die russische Oktoberrevolution vom 7. November ermöglichte Finnland die Loslösung.
Das Land war von 1808 bis 1917 als ein autonomes Großherzogtum Teil des russischen Reiches. 

28.11.1917

Petersburg * Die russische „Räteregierung“ schlägt allen kriegführenden Parteien einen „Waffenstillstand“ vor.

Das „Deutsche Reich“ und „Österreich-Ungarn“ stimmen diesem Vorschlag zu, weil damit ein Teil der Soldaten von der „Ostfront“ abgezogen und zusätzlich an der „Westfront“ eingesetzt werden könnte. 

Die „Alliierten“ lehnen einen „Separatfrieden“ Russlands mit den „Mittelmächten“ ab. 

München * Ohne Wahl wird die Amtszeit des am 13. Dezember 1914 gewählten Münchner Magistrats um zwei Jahre verlängert. 

An Stelle von Dr. Otto Merkt, dessen Wiederwahl die Sozialdemokraten und die Liberalen verweigern, wird Hofrat Dr. Hans Küfner zum „II. rechtskundigen Bürgermeister“ gewählt. 

25.11.1917

München-Isarvorstadt * Kurt Eisner spricht auf einer „USPD-Versammlung“ in den „Kolosseum-Bierhallen“ vor rund 200 Anwesenden über seine Vorstellung der raschen Beendigung des Krieges.

Obwohl die Veranstaltung von der Polizei überwacht wird, ruft er zum Sturz der bestehenden Regierungen auf.
Der schnellste und sicherste Weg zum Frieden ist nach seiner Auffassung die Übernahme der Macht durch das „Proletariat“. Nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in den generischen Ländern. 

20.11.1917

Cambrai * Die Briten setzen bei Cambrai erfolgreich und in großer Menge ihre „Tanks“ [= Panzer] ein. 

17.11.1917

Paris * Nach dem Rücktritt von Paul Painlevé am 13. November wird Georges Clemencau neuer französischer „Ministerpräsident“

13.11.1917

Zarskoje Selo * Die „Rote Garde der Bolschewiken“ schlägt bei Zarskoje Selo die Armee des abgesetzten „Ministerpräsidenten“ Alexander F. Kerenski vernichtend. 

Paris * Weil er keine Akzeptanz im Parlament findet, tritt der französische „Ministerpräsident“ Paul Painlevé zurück. 

11.11.1917

München-Kreuzviertel * Otto von Dandl wird „Bayerischer Ministerpräsident“ und „Außenminister“ als Nachfolger von Georg Freiherr von Hertling.

Wien * Bei einer „Friedensversammlung“ in Wien wird die Parole „Gebt uns den Frieden wieder oder wir legen die Arbeit nieder“ ausgegeben. 

09.11.1917

Petersburg * Die siegreichen „Revolutionäre“ in Russland bilden eine „Regierung der Volkskommissare“ unter dem Vorsitz von Wladimir I. Lenin. 

Sie erlassen ein Dekret über einen „Frieden ohne Annexionen und Kontributionen“

08.11.1917

Petersburg * „Bolschewistische Truppen“ stürmen den „Winterpalast“ und verhaften die Regierungsmitglieder.

„Ministerpräsident“ Alexander F. Kerenski flieht zu den Truppen an der Nordfront.
Der „allrussische Rätekongress“ billigt die bolschewistische Machtübernahme. 

07.11.1917

Petersburg * Die „Bolschewiki“ unter Führung von Wladimir I. Lenin stürzen in einem bewaffneten Aufstand in Petrograd die provisorischen Regierung unter Alexander F. Kerenski. Die „Roten Garden der Bolschewiken“ besetzen strategisch wichtige Punkte in Petrograd und belagern den „Winterpalast“, den Sitz der „provisorischen Regierung“.  

Damit beginnt in Russland die Revolution. Lenin schafft eine „Sowjetrepublik“, die sich auf „Räte“ [russisch: „Sowjets“] stützt.

Da diese Auseinandersetzungen nach dem alten russischen Kalender auf den 25. Oktober fallen, erhalten diese systemumwerfenden Vorgänge den Namen „Oktober-Revolution“.  Erst nach dieser - für die „Bolschewiki“ erfolgreichen - Revolution wird der „russische Kalender“ von der „julianischen Zeitrechnung“ auf die „gregorianische“ umgestellt. 

München * Die Münchner „Kraft- und Pferdedroschkenbesitzer“ gründen eine „Einkaufsgenossenschaft“, um die durch den Ersten Weltkrieg entstandene Mangelsituation an Kraftstoff, Reifen, Öle und Pferdefutter zu begegnen.

Aus dieser „Einkaufsgenossenschaft“ entwickelte sich die heutige „Münchner Taxi eG“

06.11.1917

Ypern * Die dritte „Flandernschlacht“, auch dritte „Ypernschlacht“ genannt, endet trotz der enormen Verluste an Soldaten und Kriegsmaterial ohne nennenswerte Durchbrüche. Die Frontlinie hat sich nur minimal verschoben.

Die britische Armee muss mehr als 250.000 Tote beklagen, auf deutscher Seite sterben über 40.000 Soldaten. 

Die „Flandernoffensive“ steht schon deshalb für die „Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges“

05.11.1917

Berlin * Die Berlin tagende deutsch-österreichische „Kriegsziel-Konferenz“ beschließt

  • die Angliederung von Litauen und Kurland an das „Deutsche Reich“ und
  • die Vereinigung des russischen Teils von Polen und Galizien mit dem „Königreich Polen“

Petersburg * Die russische Regierung befiehlt die „Besetzung bolschewistischer Zeitungsbüros“.

Sie löst damit den bewaffneten „Aufstand der Bolschewiken“ aus. 

02.11.1917

München * Die „Verordnung über die Zusammenfassung von Brauereibetrieben“ leitet einen Konzentrationsprozess ein.

London - Berlin * Der britische „Außenminister“ Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein „national home“ in Palästina.

Die „Balfour-Deklaration“ wird in Deutschland von rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit den „Zionisten“ zu „antisemitischer Agitation“ genutzt. 

01.11.1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. ernennt den bisherigen bayerischen Ministerpräsidenten Georg Freiherr von Hertling zum Reichskanzler.

Er wird Nachfolger von Georg Michaelis, der das Amt nur dreieinhalb Monate inne hatte.

Deutsches Reich * Der deutsche Episkopat warnte in Hinblick auf den Friedensappell von Papst Benedikt XV. vom 1. August 1917 in einem Hirtenbrief vor einem Frieden „als Judaslohn für Treubruch und Verrat am Kaiser“

31.10.1917

Berlin * „Reichskanzler“ Georg Michaelis tritt zurück, nachdem ihm am 22. Oktober 1917 die Mehrheitsparteien (Sozialdemokraten, Linksliberale und katholisches Zentrum) das Vertrauen entzogen hatten. 

26.10.1917

München * Finanzminister Georg Ritter von Breunig gibt die erste Stellungnahme der Regierung zur Gründung des Bayerischen Beamten- und Lehrerbundes vor der Abgeordnetenkammer ab.

Er nennt sie „eine Erscheinung, die zu unserer Väter Zeiten für unmöglich erachtet worden wäre“. In Hinblick auf die Kriegssituation bezeichnet er dies als „ein nach außen nicht unbedenkliches Vorgehen“

24.10.1917

Isonzo * Die „Offensive der Mittelmächte“ am Isonzo führt zum Zusammenbruch der italienischen Front und zur Eroberung der Provinz Friaul-Julisch-Venetien. 

Große Teile der italienischen Armee werden gefangengenommen oder lösen sich auf.
Großbritannien und Frankreich raten zum Kriegsaustritt Italiens. 

22.10.1917

Berlin * Die Mehrheitsparteien im „Reichstag“ (Sozialdemokraten, Linksliberale und katholisches Zentrum) entziehen „Reichskanzler“ Georg Michaelis wegen

  • seiner eigenwilligen Interpretation der „Friedensresolution“,  
  • seines scharfen „Vorgehens gegen die USPD“ sowie wegen
  • seiner Ablehnung einer „Reform des Dreiklassenwahlrechts“

das Vertrauen. 

19.10.1917

Petersburg * Das russische Parlament wird aufgelöst.

Das neue republikanische „Vorparlament“ wird von den „Bolschewiken“ boykottiert.
Wladimir I. Lenin beschließt in der „ZK-Sitzung der Bolschewiken“ den bewaffneten Aufstand gegen die Regierung Alexander Kerenski. 

München * Der Bayerische Beamten- und Lehrerbund wird gegründet.

Sein Zweck wird in der Satzung festgesetzt: „Die Förderung der rechtlichen, wirtschaftlichen und beruflichen Angelegenheiten der öffentlichen Beamten und Lehrer Bayerns“

15.10.1917

Berlin * Das sozialdemokratische Parteiorgan „Vorwärts“ ruft zur Zeichnung von „Kriegskrediten“ auf:

„Rede nicht! Frage nicht! Zeichne! [...] Dem Feind gezeigt, dass unsere Alten zu Hause genau so gut zu fechten verstehen wie unsere herrliche Jugend draußen!“

Schloss Vincennes * Margaretha Geertruida MacLeod, alias „Mata Hari“, wird im Festungsgraben von Schloss Vincennes als „Doppelspionin“ hingerichtet.

Sie lehnt es ab, bei der Hinrichtung eine Augenbinde zu tragen, berichtet die Presse. 

06.10.1917

Berlin * Im „Reichstag“ kommt es zu schweren Auseinandersetzungen über die vaterländische Propaganda des „Alldeutschen Verbands“ und der „Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“

02.10.1917

München * Dr. Fritz Gerlich beteiligt sich an der Gründung der „Deutschen Vaterlandspartei“ in Bayern.

München * Als Ableger der am 2. September in Königsberg gegründeten „Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“ formiert sich in München der „Landesverein Bayern“.

Prominenteste Fürsprecher des „Landesvereins“ sind Cosima Wagner und Ludwig Thoma.

Die bürgerliche Sammelbewegung tritt mit dem Ziel einer „Stärkung des Durchhaltewillens bis zum Siegfrieden“ an.

24.09.1917

Berlin * Ludwig Thoma tritt bei der „Gründungsversammlung der Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“ in der „Berliner Philharmonie“ als Redner auf, wofür ihm der „Parteivorsitzende“, der ehemalige „Großadmiral“ Alfred von Tirpitz, persönlich dankt.  

Die neugegründete „Deutsche Vaterlandspartei - DVLP“ fordert auf ihrer ersten Großkundgebung in Berlin einen „unbedingten Siegfrieden“

22.09.1917

München-Theresienwiese * Eigentlich müsste das „Oktoberfest“ beginnen.

Es fällt diese Jahr aber erneut kriegsbedingt aus. 

21.09.1917

Petersburg * Der Petrograder „Arbeiter- und Soldatenrat“ wählt ein „bolschewistisches Präsidium“ unter Leitung von Leo D. Trotzki. 

18.09.1917

München-Kreuzviertel * Ein von der „SPD“ in der „Bayerischen Abgeordnetenkammer“ eingebrachter „Reformantrag“, genannt  „Antrag Auer-Süßheim“, fordert:  

  1. Ersetzung des Zweikammersystems durch das Einkammersystem.
  2. Aufhebung der Kammer der Reichsräte.
  3. Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zum Landtag für alle volljährigen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts nach den Grundsätzen der Verhältniswahl.
  4. Ausbau der Gesetzesinitiative des Landtags.
  5. Beseitigung des königlichen Sanktionsrechts.
  6. Ernennung der Minister und Bundesratsmitglieder nach Vorschlag des Landtags.
  7. Selbstbestimmungsrecht des Landtags in Bezug auf Zusammentritt und Vertagung.
  8. Einjähriger Staatshaushalt.
  9. Beseitigung aller Vorrechte der Geburt und des Standes, Aufhebung der bisherigen Privilegien der Standesherren, Abschaffung des Adels.
  10. Verbot der Bildung neuer und der Vergrößerung bisheriger Fideikommisse. Auflösung der bestehenden Fideikommisse.
  11. Aufhebung der bisherigen Privilegien des Königs und der Mitglieder der königlichen Familie, insbesondere der Steuer- und Portofreiheit, der Unverantwortlichkeit und des besonderen Gerichtsstandes.
  12. ​Trennung der Kirche vom Staat, Aufhebung der Privilegien der anerkannten Religionsgemeinschaften. Vollkommene Durchführung der Gewissens-, Religions- und Kultusfreiheit. 

14.09.1917

Tegernsee * Ludwig Thoma wird Gründungsmitglied in der scharf nationalistischen „Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“

Petersburg * Der russische „Ministerpräsident“ Alexander F. Kerenski proklamiert die Republik und beruft eine neue Regierung. 

07.09.1917

Paris * Nach dem Austritt der Sozialisten aus seiner Regierung erklärt der französische „Ministerpräsident“ Alexandre Ribot seinen Rücktritt.

Neuer französischer „Ministerpräsident“ wird der bisherige „Kriegsminister“ Paul Painlevé.

03.09.1917

München-Kreuzviertel * Die „Inthronisation“ des neuen „Erzbischofs von München-Freising“, also die „liturgische Einführung in sein Amt“ und die „rechtliche Besitzergreifung seiner Diözese“, erfolgt. 

Angesichts des Krieges verzichtet Michael von Faulhaber auf die sonst üblichen großen Feierlichkeiten sowie den Festzug durch die Stadt. Stattdessen fährt er direkt vom „Palais Holnstein“ zum „Dom“.
Äußeres Zeichen für die Besitzergreifung der „Erzdiözese“ durch den „Oberhirten“ ist die Übernahme der „Kathetra“ und des „Bischofsstabes“.  

Als Faulhaber seinen „Münchner Bischofsstuhl“ besetzt, ist er achtundvierzig Jahre alt.
Dreieinhalb turbulente Jahrzehnte übt er das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ aus.

Sie bringen das Ende der „Monarchie“ durch eine unblutige „Revolution“ und führen von der „Räterepublik“ über die „Weimarer Republik“ zur „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ und schließlich zum mühsamen Wiederaufbau nach dem verlorenen „Zweiten Weltkrieg“

02.09.1917

Königsberg * Am „Tag des Friedens bei Sedan“, wird die erzkonservative, nationalistische, völkische und antisemitische „Deutsche Vaterlandspartei - DVLP“ von ultrarechten Kräften, darunter „Großadmiral“ Alfred von Tirpitz und dem ostpreußischen „Generallandschaftsdirektor“ Wolfgang Kapp, gegründet.

Innenpolitisch kündigt die „Vaterlandspartei“ den „Burgfrieden“ von rechts auf. Sie plädiert für einen unterdrückenden und autoritären Kurs gegenüber der „Arbeiterbewegung“ und greift auch „bürgerliche Politiker“ heftig an, die sich – wie beispielsweise Matthias Erzberger - für eine „Reform des politischen Systems“ unter Einbeziehung der SPD aussprechen.

Die Parteiführung verfolgt den Plan, mit Hilfe eines „starken Mannes“ einen autoritären Staatsumbau einzuleiten und dabei den „Reichstag“ und die „Linksparteien“ auszuschalten. Im äußersten Fall sollte auch der „zu weiche“ Kaiser Wilhelm II. bei einer sich bietenden Gelegenheit für „regierungsunfähig“ erklärt und der weit rechts stehende Kronprinz zum Regenten ernannt werden. 

Außenpolitisch tritt die „Vaterlandspartei“ für einen deutschen „Siegfrieden“ und ein umfassendes Programm direkter und indirekter „Expansion“ ein.

Mit ihren Kampagnen gegen einen „Verzichtfrieden“ - oder „Judenfrieden“ genannten „Verständigungsfrieden“ - und gegen „Schlappheit“ und „Verrat“ an der „Heimatfront“ legt die „Deutsche Vaterlandspartei - DVLP“ den Grundstein für den Nachkriegsdiskurs über die „Novemberverbrecher“ und die „Dolchstoß-Legende“

30.08.1917

München * Der designierte „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber trifft - von Speyer kommend - in München ein. 

25.08.1917

Wilhelmshaven * Fünf Anführer des „Matrosenaufstandes“ vom 5. August 1917 werden zum Tode verurteilt. 

Drei Todesurteile werden in Haftstrafen umgewandelt.
Der „Oberbefehlshaber der deutschen Flotte“, Admiral Reinhard Scheer, besteht jedoch auf der Erschießung der beiden „Heizer“ Max Reichpietsch und Albin Köbis, die als Hauptredner bei den Protestversammlungen aufgetreten waren. 

23.08.1917

Speyer - München * Der designierte „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber verlässt Speyer und kommt am 30. August in München an. 

20.08.1917

München-Graggenau * Auf dem Marienplatz findet eine Frauendemonstration statt.

Die Polizei kann die Rädelsführerin nicht festnehmen, weil sie ein Baby auf dem Arm trägt.

05.08.1917

Wilhelmshaven * Auf Grund mangelhafter Versorgung sowie durch schlechte und teilweise schikanöse Menschenführung kommt es zu Meutereien in der deutschen Hochseeflotte.

Heizer des Schlachtschiffes SMS Prinzregent Luitpold und dem Schwesterschiff Friedrich der Große treten daraufhin in den „Hungerstreik“.

Die Anführer des Matrosenaufstands werden nach der Niederschlagung der Gehorsamsverweigerungen und Meutereien verhaftet und teilweise zum Tode verurteilt. 

02.08.1917

Wilhelmshaven * 400 Matrosen demonstrieren in Wilhelmshaven für den Frieden. 

01.08.1917

Vatikan * Papst Benedikt XV. richtet einen Friedensappell an die kriegführenden Mächte: „Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein?“, fragt der Papst in seiner Friedensnote. „Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?“

Er ruft in seiner Friedensbotschaft zu einem Frieden ohne Annexionen auf, so „wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt“.

Doch sowohl die Entente wie auch die Mittelmächte glauben an ein Komplott und diffamieren Benedikt XV. als „Papst der Gegner“. Für die Franzosen wird er zum „pape boche“; der deutsche Generalquartiermeister Erich Ludendorff spricht dagegen nur noch vom „Franzosenpapst“.

Wohl am enttäuschendsten sind für Papst Benedikt XV. aber die Reaktionen der Bischöfe in den kriegführenden Ländern. Die meisten haben sich schon 1914 dem allgemeinen Hurrapatriotismus angeschlossen. Statt sich nun hinter ihr übernationales Oberhaupt der katholischen Kirche zu versammeln, geben sie sich nationalistisch.

Nur im kriegsmüden Italien findet der Vorschlag große Zustimmung. 

31.07.1917

London * Winston Churchill wird britischer „Rüstungsminister“

Ypern * Die dritte „Flandernschlacht“, auch dritte „Ypernschlacht“ genannt, beginnt. 

Sie endet am 6. November 1917 mit enormen Verlusten an Soldaten und Kriegsmaterial, weswegen die „Flandernoffensive“ für die „Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges“ steht. 

29.07.1917

Großhadern * Kurt Eisner heiratet Else Belli in Großhadern. 

28.07.1917

München - Berlin * Der „Feldprobst der bayerischen Armee“, der Münchner „Erzbischof“ Michael von Faulhaber, schreibt an Kaiser Wilhelm II., dass „auch die Seelsorge mit dem Schwert des Geistes, das ist mit dem Wort Gottes, das heilige Recht unseres treuen Vaterlandes zu verteidigen und die Seelen zum höchsten Kraftaufgebot zu wecken bemüht war“.

Der deutsche Klerus hat sich damit in die Kriegsrhetorik eingefügt und betreibt offen Propaganda gegen die Glaubensbrüder der verfeindeten Nationen.

Faulhaber predigt den bayerischen Truppen. Und diese Rhetorik geht so:
„Ein Mann nach dem Herzen Gottes handelt nach dem Willen Gottes. Hat man einmal klar erkannt: ‚Das ist Gottes Wille, das ist meine Pflicht, bei dieser Fahne ist mein Platz‘, dann bleibt‘s dabei, heute und morgen und übermorgen“.

25.07.1917

Paris * Das Militärgericht in Paris fällt nach nur zwei Verhandlungstagen das Urteil gegen Margaretha Geertruida MacLeod, alias Mata Hari.

Sie wird wegen Doppelspionage und Hochverrats zum Tode verurteilt. 

24.07.1917

Vatikan * Michael von Faulhaber wird durch Papst Benedikt XV. zum „8. Erzbischof von München und Freising“ ernannt.

Zuvor hat „Nuntius“ Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die „Eignung und Würdigkeit“ des Kandidaten festgestellt. 

Paris * Im „Pariser Justizpalast“ beginnt der Prozess vor dem „Militärgericht“ gegen „Mata Hari“.

In der Presse kursiert das Gerücht, „Mata Hari“ habe den Deutschen geheime  Informationen über den Bau der neuartigen Panzer zugespielt, mit denen die „Alliierten“ dem Krieg eine entscheidende Wende geben wollten.
Eine absurde Behauptung, die sogar die seriöse „New York Times“ aufgreift.

„Mata Hari“, wird deshalb beschuldigt, als „Doppelagentin“ wichtige Informationen an die Deutschen verraten und damit das Leben von 50.000 französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg aufs Spiel gesetzt zu haben. 

Petersburg * Nach der Niederschlagung des „Putschversuchs“ in Petrograd gegen die „Provisorische Regierung“ flieht Wladimir I. Lenin nach Finnland. 

21.07.1917

Petersburg * Georgi J. Fürst Lwow tritt als „Ministerpräsident der russischen Provisorischen Regierung“ zurück.

Sein Nachfolger wird der „Kriegs- und Marineminister“ Alexander F. Kerenski. 

20.07.1917

Petersburg * Georgij Fürst Lwow tritt zurück. 

Sein Nachfolger wird Alexander F. Kerenski, der seit Mai 1917 im Kabinett Lwow „Kriegsminister“ war.

19.07.1917

Berlin * Der neu ernannte Reichskanzler Georg Michaelis kündigt in seiner Antrittsrede eine bessere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Reichstag an.

Die am 14. Juli von der Reichstagsmehrheit verabschiedete Friedensresolution nimmt er nur so zur Kenntnis, „wie ich sie auffasse“.

Das heißt, dass Macht- und Kriegszielpolitisch alles beim Alten bleibt. 

17.07.1917

London * Der britische König Georg V. ändert den Namen seines Hauses von Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor

16.07.1917

Petersburg * Ein vom 16. bis 18. Juli 1917 andauernder bewaffneter Massenaufstand in Petrograd gegen die „Provisorische Regierung“ wird niedergeschlagen.

Die bolschewistischen Zeitungen werden verboten. 

14.07.1917

Berlin * Die Reichstagsmehrheit bestehend aus SPD, Zentrum und Fortschrittliche Volkspartei - FVP verabschiedet im Reichstag die vom Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger am 6. Juli 1917 geforderte Friedensresolution.

  • In dieser treten sie für „einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker“ ein,
  • mit dem „erzwungene Gebietserwerbungen und politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar“ sind. 

Lille * Kronprinz Rupprecht bedauert in seinem Tagebuch die sich in weiten Teilen des Deutschen Reiches um sich greifende antimonarchische Stimmung. Die Schuld daran gibt er Kaiser Wilhelm II..

„Durch seine fortgesetzten Missgriffe und seine Untätigkeit ist der Kaiser um alles Ansehen gekommen und die Verstimmung geht so weit, dass manche monarchisch gesinnte und ernsthaft denkende Leute bezweifeln, ob die Dynastie der Hohenzollern den Krieg überdauern wird“

13.07.1917

Berlin * Die Oberste Heeresleitung - OHL und die Reichsstagsmehrheit, bestehend aus SPD, Fortschrittspartei und Zentrum, stürzen den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. 

Berlin * Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg reicht seinen Rücktritt ein.

Sein Nachfolger wird Georg Michaelis. 

Lille - München * Kronprinz Rupprecht berichtet seinem Vater, König Ludwig III., es sei „wahrhaft unglaublich, wie es in Berlin zugeht - der Kanzler ist wohl unhaltbar. Ludendorff muss aber unbedingt auf sein militärisches Fach beschränkt werden und darf sich nicht in alle Fragen der inneren und äußeren Politik mengen“.

Er bittet seinen Vater zum Kaiser nach Berlin zu fahren, denn es steht „viel auf dem Spiel, um nicht zu sagen Alles!“.

Kronprinz Rupprecht fürchtet die Einführung des Parlamentarismus auf Reichsebene am meisten, da das das Ende der Einzelstaaten bedeuten würde. 

12.07.1917

München - Königreich Bayern * Die ersten Zwei-Mark-Scheine tauchen auf, auf denen mit Tintenstift - und damit unentfernbar - Nachrichten geschrieben sind:

Keinen Frieden ohne Revolution, Hoch die Revolution! Nieder mit dem Krieg! oder Macht es wie in Russland, dann haben wir Frieden!

Da eine Anzeige bei der Polizei zum Einzug des Zahlungsmittels führt, wird er möglichst schnell weitergegeben. 

11.07.1917

Berlin * Die „Oberste Heeresleitung - OHL“, bestehend aus „Generalfeldmarschall“ Paul von Hindenburg und „Generalquartiermeister“ Erich Ludendorff fordern die Entlassung von „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg wegen dessen „Kriegszielpolitik“

Berlin * Das „Preußische Staatsministerium“ erhält den Auftrag, eine Vorlage zur Änderung des preußischen „Dreiklassenwahlrechts“ für die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten. 

07.07.1917

London * Die deutsche Luftwaffe greift London an.

Der bis dahin größte Luftangriff fordert 54 Tote und 190 Verwundete.

06.07.1917

Berlin * Der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger fordert in er Aufsehen erregenden Rede vor dem Hauptausschuss des Reichstags einen annexionslosen Frieden, da keine Aussicht auf einen Sieg mehr besteht.

  • Er will eine Friedensinitiative des Parlaments und fordert zugleich
  • den Rücktritt des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. 

Berlin * Der Interfraktionelle Ausschuss wird gegründet. Es ist ein inoffizielles Gremium, das die Arbeit der Reichstagsfraktionen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - SPD, der Zentrumspartei und der Fortschrittlichen Volkspartei - FVP koordiniert. Bis Januar 1918 beteiligen sich auch Abgeordnete der Nationalliberalen Partei - NLP an den Beratungen im Interfraktionellen Ausschuss.

Diese Parteien stellen seit der Reichstagswahl vom 12. Januar 1912 die Mehrheit im Reichstag, weshalb auch von der Reichstagsmehrheit gesprochen wird.

Der Interfraktionelle Ausschuss bildet den Auftakt zur Parlamentarisierung des Deutschen Kaiserreiches

27.06.1917

Athen * Griechenland tritt auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein.

26.06.1917

Saint Nazaire * Die erste „US-Division“ landet bei St.-Nazaire in der Nähe von Nantes (Bretagne). 

20.06.1917

Köln * Die „Kaiser-Glocke“ des Kölner Doms wird zur Metallverwertung eingeschmolzen.
Sie ist mit 543 Zentnern eine der schwersten Glocken der Welt. 

19.06.1917

Großbritannien * In Großbritannien wird das „Wahlrecht für Frauen“ ab 30 Jahren eingeführt. 

17.06.1917

Ansbach - München * Der Regierungspräsident von Mittelfranken berichtet in einem persönlichen Brief an Innenminister Dr. Friedrich Ritter von Brettreich über seine Erfahrungen mit den Lebensmittel-Hamstern:

„Die Züge der Hamster zählten oft hunderte von Personen“. Sie traten noch in den entlegensten Weilern „mit äußerster Rücksichtslosigkeit“ auf. Er selbst war „wiederholt mitten in solchen schreienden, schwitzenden und schleppenden Haufen gewesen“, der Versuch des Eingreifens hätte „sichere Lebensgefahr“ bedeutet. 

16.06.1917

Petersburg * Der erste gesamtrussische „Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte“ findet in Petrograd statt.

Wladimir I. Lenin unterstreicht den Führungsanspruch seiner Partei. 

15.06.1917

USA * Der amerikanische Kongress beschließt ein „Anti-Spionage-Gesetz“, das schwerste Strafen für „Kriegsbehinderung“ vorsieht und gegen die kriegsfeindlichen „Sozialisten“ gerichtet ist. 

13.06.1917

München * In der SPD-Zeitung Münchener Post findet sich die Anzeige:

„Deutsche Frauen tilgt Eure Ehrenschuld an unsere Helden und bringt Euren Goldschmuck der Goldankaufsstelle!“ 

06.06.1917

Berlin * Die „Reichsfrauenkonferenz der Sozialdemokraten“ fordert in Berlin das „Wahlrecht für Frauen“

05.06.1917

München * Das „Lebensmittelamt“ deckt einen umfangreichen Betrug auf:

„Die 17 Jahre alte Bäckermeistertochter Margarethe Krug hatte längere Zeit durch geschickte Fälschung von Zwischenscheinen für eingelieferte Brotmarken sich eine Mehrzuweisung von fast 700 Zentnern Mehl verschafft. Dasselbe wurde im väterlichen Geschäft verarbeitet und z.T. um Wucherpreise ohne Marken weiterverkauft“

Die Schwindlerin kann festgenommen werden. 

03.06.1917

Stockholm * Die deutsche Delegation trifft unter Führung von Philipp Scheidemann in Stockholm ein. 

02.06.1917

Stockholm * In Stockholm tagt vom 2. bis 19. Juni 1917 der Internationale Sozialistenkongress. Er sucht nach Möglichkeiten für einen Friedensschluss der verfeindeten und kriegsführenden Länder.

Der französische Ministerpräsident Alexandre Ribot verweigert den Sozialisten seines Landes die Ausreise nach Stockholm. 

München - Königreich Bayern * König Ludwig III. macht erneut seine Annexions-Absichten deutlich: „Bayern hat um so mehr Anspruch auf eine Vergrößerung, als es bei den letzten Friedensschlüssen immer schlecht abgeschnitten hat“

30.05.1917

München * Franz von Stucks Tochter Mary heiratet den Konsul Albert Heilmann. 

Er ist der Sohn des Bauunternehmers Jakob Heilmann. 

27.05.1917

Aisne * Die am 6. April 1917 begonnene französische Offensive an der Aisne und in der Champagne wird nach großen Verlusten wieder eingestellt. 

26.05.1917

München * Die Ernennung Michael von Faulhabers zum Kandidaten für das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ wird amtlich verkündet. 

25.05.1917

München * Der päpstliche „Nuntius“ Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf. 

18.05.1917

USA * In den USA beginnt die Wehrerfassung aller Männer zwischen 21 und 30 Jahren.

Drei Millionen Männer werden einberufen. 

Petersburg * In Absprache mit den „Arbeiter- und Soldatenräten“ wird eine neue russische Regierung mit Beteiligung von Sozialdemokraten gebildet.

Der „Sozialrevolutionär“ Alexander F. Kerenski wird „Kriegsminister“

16.05.1917

München * Der Verein Unabhängige Sozialdemokratie Stadt und Land wird bei der Polizeidirektion vereinsrechtlich angemeldet.

Der Zweck der Neugründung wird beschrieben als „die Bestrebungen der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu unterstützen, die nach ihren Organisationsgrundlinien in grundsätzlicher Opposition zum herrschenden Regierungssystem und zur Kriegspolitik der Reichsregierung steht“.

Der Vorsitzende der Münchner USPD hieß Albert Winter sen..
Die neue Partei wird sofort von der Polizei überwacht.

Die Münchner USPD hat am Anfang etwa 35 Mitglieder.
Im Vergleich: Die MSPD zählt in München zum gleichen Zeitpunkt rund 15.000 Mitglieder. 

15.05.1917

Berlin * Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg hält eine programmatische Rede zur gegenwärtigen Kriegspolitik, ohne jedoch auf die Frage der Kriegsziele einzugehen. 

München * Das Kriegsministerium erlässt „Sonderstrafbestimmungen gegen die Verbreitung unwahrer Kriegsnachrichten“

11.05.1917

München * Die ersten 1.000 von rund 6.000 Kinder werden mit Sonderzügen aufs Land gebracht, wo die Versorgungs- und Ernährungslage wesentlich besser ist als in der Stadt. 

01.05.1917

München * Kurt Eisners Mitgliedsausweis bei der Münchner USPD - mit der Nummer sieben - wird am 1. Mai 1917 ausgestellt.

30.04.1917

München-Schwabing * Lion und Marta Feuchtwanger beziehen ihre Eigentumswohnung in der Georgenstraße 24. 

28.04.1917

Berlin * Die Generalkommission und der SPD-Parteivorstand sprechen sich gegen jede Arbeitsruhe am 1. Mai aus, nachdem die Gruppe Internationale zu einem Kampftag für Frieden, Freiheit und Brot aufgerufen hat. 

23.04.1917

Kreuznach * Bei der Konferenz in Kreuznach zur erneuten Festlegung der Kriegsziele spricht sich „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg gegen die Pläne der „Obersten Heeresleitung - OHL“ aus, die eine weitgehende „Annexionen“ in Russland, Belgien und Frankreich vorsehen. 

20.04.1917

Vatikan - München * Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum „Nuntius“ in München. 

Berlin * In einem Aufruf wendet sich der Vorstand der christlichen Gewerkschaften gegen jede Arbeitsniederlegung

19.04.1917

Deutschland * Die „Jesuitengesetze“ werden in Deutschland endgültig aufgehoben.

18.04.1917

Berlin - Leipzig * Eine Verhaftungswelle beendet den Streik.

Zahlreiche Streikende werden zum Militärdienst eingezogen. 

17.04.1917

Speyer - München * Michael von Faulhaber, der „Bischof von Speyer“, wird einen Tag nach den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen „Erzbischofs von München und Freising“, Franziskus von Bettinger, in das „Kultusministerium“ gebeten. 

Dort eröffnet ihm „Kultusminister“ Eugen von Knilling, dass er ihn dem König als Nachfolger vorschlagen wird. 

Petersburg * In seinen „Aprilthesen“ fordert Wladimir I. Lenin in Petrograd eine „sozialistische Revolution“ zur Ablösung der bürgerlichen Regierung. 

Berlin * Am zweiten Tag der Streiks beschließt die Vertreterkonferenz der Gewerkschaften, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem die Regierungs- und Militärbehörden zusätzliche Lebensmittelrationen versprochen und die Zusage gegeben haben, dass niemand wegen der Teilnahme am Streik zum Militärdienst eingezogen werde.

Es wird vereinbart, dass Vertreter der Arbeiter künftig bei der Verteilung der Nahrungsmittel mitwirken sollen.

Ein Teil der Betriebe streikt weiter und wird daraufhin unter militärische Leitung gestellt. 

16.04.1917

Nordfrankreich * Beginn der Rückverlagerung deutscher Truppen in das ab 1916 ausgebaute Verteidigungssystem der Siegfriedstellung

Berlin * In Berlin treten 319 Betriebe der deutschen Rüstungsindustrie mit 300.000 Arbeitern in den Streik.

Es geht um die mangelhafte Lebensmittelversorgung.
Der Streik wird von den revolutionären Obleuten, oppositionellen Gewerkschaftsfunktionären, deren Kern die Metallarbeiter bilden, gegen den Willen der Gewerkschaften organisiert. 

13.04.1917

Nürnberg * Kurt Eisner wird von seiner Ehefrau Lisbeth Eisner, geb. Hendrich, geschieden. 

10.04.1917

Berlin - Petersburg * Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt „Lenin“, kehrt auf deutscher Veranlassung hin aus seinem Schweizer Asyl nach „Petrograd“ zurück.

09.04.1917

Schweiz - Deutsches Reich - Russland * Mit Einverständnis und Unterstützung der deutschen Regierung durchquert Wladimir I. Lenin zusammen mit 30 „Revolutionären“ aus der Schweiz kommend im Zug das „Deutsche Reich“.  

Deutschland verspricht sich von Lenins Rückkehr eine Verschärfung der innenpolitischen Unruhen in Russland. 

07.04.1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. verspricht in seiner „Osterbotschaft“ die Aufhebung des preußischen „Dreiklassenwahlrechts“ nach dem Krieg. 

06.04.1917

USA * Amerika erklärt dem „Deutschen Reich“ den Krieg und tritt in die Kriegshandlungen ein.

Gotha * Die in Gotha bis zum 8. April stattfindende zweite „Reichskonferenz der sozialdemokratischen Opposition“ wird zum „Gründungsparteitag“ der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“

In der neuen Partei finden sich Sozialdemokraten verschiedenster Couleur wieder:

  • Revolutionäre Marxisten wie die „Gruppe Internationale“, die im Krieg die prognostizierte Krise des Kapitalismus sieht und auf revolutionäre Aktionen drängt;
  • pazifistisch gesinnte Sozialdemokraten, die im Weltkrieg einen Angriffskrieg Deutschlands sehen und sich diesem aus ethischen und moralischen Gründen verweigern;
  • daneben Revisionisten,
  • aber auch führende Vertreter des marxistischen Zentrums. 

Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: „Die Beendigung des Krieges ohne Annexionen“.

Die USPD ist also in erster Linie der Block der sozialdemokratischen Gegner des „Burgfriedens“, die gegen die „Kriegskredite“ sind. Sonst herrschen innerhalb der „USPD“ in der Beurteilung der Arbeiterbewegung und ihrer Taktik große Meinungsverschiedenheiten.

Zu Vorsitzenden der neuen Partei werden Wilhelm Dittmann und Hugo Haase gewählt.

Auch Kurt Eisner ist in Gotha anwesend, obwohl er immer gegen die Spaltung der Partei war.
Die Unzufriedenheit mit der „SPD“ hat auch in Bayern zugenommen.

Aisne * Beginn der französischen Offensive an der Aisne.

Bis zur Einstellung der Offensive Ende Mai kann kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. 

02.04.1917

USA * Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson ruft vor dem US-Kongress zum Kreuzzug der „wirklich freien und selbstbestimmten Völker der Welt“ auf.

01.04.1917

Deutsches Reich * Die Brotrationen werden auf 170 g pro Tag und die Kartoffelrationen auf 2.500 g pro Woche gekürzt. 

31.03.1917

Nürnberg * Auf ihrer Landeskonferenz in Nürnberg votiert die bayerische SPD gegen die Gründung von Sonderorganisationen, um den drohenden Bruch der Partei zu verhindern.

„Wird der Kampf in der bisherigen Weise weitergeführt, so werden sich die Kräfte der Arbeiterschaft aufreiben, die Feinde der Arbeiterklassen werden freie Bahn bekommen und Steuern und Industrieorganisationen, Arbeitergesetzgebungen und politische Einrichtungen ihren Wünschen vollkommen anpassen“

27.03.1917

München * In München tauchen gefälschte „Brotmarken“ auf.

Die Polizei ermittelt, dass der 25-jährige Buchdrucker Hermann Wolleben die „Brotmarken“ in einem Rückgebäude in der Schellingstraße die Zinkplatten hergestellt hatte. Gedruckt wurden die Marken in der Buchdruckerei Dammerhuber.

Die gefälschten „Lebensmittelmarken“ wurden im „Mathäserbräu“ stückweise um 30 Pfennig verkauft.

24.03.1917

Berlin * Die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD“ spaltet sich von der SPD ab.

Sie ist keine straffe, einige revolutionäre Linkspartei.
Die USPD zeigt sich nur einig in der Gegnerschaft zum Krieg, in dem sie längst keinen „Verteidigungskrieg“, sondern einen „imperialistischen Eroberungskrieg“ sieht. 

Für die SPD sind die USPD-ler „Vaterlandsverräter“, für die USPD sind die SPD-ler „Verräter am Sozialismus und an der Arbeiterschaft“.

23.03.1917

München-Graggenau * Die orthodoxe „Ohel-Jakob-Synagoge“ an der Herzog-Rudolf-Straße begeht sein 25. Jubiläum. 

22.03.1917

Petersburg * Nachdem die neue russische Regierung die Fortführung des Kriegs versprochen hat, wird sie von den „Entente-Mächten“ offiziell anerkannt.

21.03.1917

Petersburg * Die provisorische russische Regierung lässt den „Ex-Zaren“ Nikolaus II. und seine Familie verhaften. Sie werden im „Alexander-Palast“ unter „Hausarrest“ gestellt.

Die Romanows müssen zunächst kaum Einschränkungen hinnehmen und können sich ihrem Familienleben widmen. 

16.03.1917

Petersburg * „Zar“ Michail II. erklärt in einem Schreiben an das russische Volk, dass die Machtbefugnisse zunächst an die „provisorische Regierung“ übergehen.

Er selbst erklärt sich bereit, die Thronfolge dann anzutreten, wenn ihn das Volk zu einem späteren Zeitpunkt in „geheimen Wahlen“ wählen würde. Michail hofft mit diesem Schritt die Monarchie in Russland erhalten zu können.
Mit dem Thronverzicht Michails endet die über 300jährige Herrschaft der Romanow-Dynastie. 

Georgij Jewgenjewitsch Fürst Lwow übernimmt nach der „Februarrevolution“ in der bürgerlichen provisorischen Regierung, in der Zeit vom 16. März bis 21. Juli 1917, das Amt des russischen „Ministerpräsidenten“ und „Innenministers“

Petersburg * Wladimir Iljitsch Lenin trifft in Russland ein, nachdem er mit Hilfe der deutschen Führung aus dem Schweizer Exil per Zug durch Deutschland und Schweden geschleust worden ist. 

15.03.1917

Petersburg * „Zar“ Nikolaus II. muss als Folge der „Februarrevolution“ abdanken. Er tut dies zugunsten seines jüngeren Bruders „Großfürst“ Michail Alexandrowitsch Romanow.

Da Nikolaus II. vergisst, seinem Bruder die formelle Thronfolge in einem Telegramm mitzuteilen, ist Michail einer Letzten, der davon erfährt.

Die russische „Duma“ proklamiert die Bildung einer bürgerlichen Regierung unter Georgi J. Fürst Lwow. Diese beschließt, dass der „Großfürst“ zum „Thronverzicht“ überredet werden soll. Sollte er sich weigern, will die „provisorische Regierung“ ihren Rücktritt erklären. 

14.03.1917

Russland * Zwischen dem 14. und dem 16. März 1917 bilden sich in den wichtigsten russischen Städten „Arbeiter- und Soldatenräte“

13.03.1917

Moskau * In Moskau bricht der Aufstand los. Er nimmt einen ähnlichen Verlauf wie in Petrograd.

Eine Niederschlagung der Erhebung scheint aussichtslos.
Die Generäle zwingen „Zar“ Nikolaus II. dazu, einer neuen „Regierung des gesellschaftlichen Vertrauens“ zuzustimmen.
Dies genügte aber den neuen Machthabern in Petrograd aber lange nicht, sie fordern den Thronverzicht des „Zaren“, einige sogar seinen Tod.

12.03.1917

Berlin * In Berlin sind nach offiziellen Berichten 135 Personen an „Pocken“ erkrankt.
Zudem gibt es zahlreiche Fälle von „Hungertyphus“

Petersburg * Der „Ältestenrat der Duma“ konstituiert ein „Provisorisches Komitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung“ und eröffnet das „Parlament“ wieder.

Dieses übernimmt die Regierungsgeschäfte und die „Staatsmacht“.
Das ist - staatsrechtlich betrachtet - der entscheidende revolutionäre Akt. 

11.03.1917

Petersburg * Die Abgeordneten der russischen Duma [= russisches Parlament] weigern sich, die von Zar Nikolaus II. verfügte Auflösung der Duma durchzuführen. 

Soldaten der Petrograder Garnison solidarisieren sich mit den streikenden Arbeitern.

Damit beginnt die sogenannte Februarrevolution

10.03.1917

Petersburg * Die Streiks in Petrograd weiten sich zum „Generalstreik“ aus. 

Zar Nikolaus II. befiehlt zum Kampf gegen die Demonstranten mit allen Mitteln. 

09.03.1917

Petersburg * In den folgenden Tagen münden die Proteste in einen „Generalstreik“, aber auch in Plünderungen und Ausschreitungen. Die Polizei ist nicht mehr Herr der Lage, da sich die herbeigerufenen Soldaten mit den Demonstranten verbrüdern.

„Zar“ Nikolaus II. reagiert auf die Streiks, indem er dem Militär befiehlt, mit Waffengewalt gegen die aufbegehrende Menschenmenge vorzugehen. Am Nachmittag schießen Angehörige eines „Garderegiments“ auf die „Aufrührer“. Sechzig Demonstranten sterben.

Das bewirkt jedoch genau das Gegenteil, da nun auch an anderen Orten die Proteste beginnen.
Ganze Regimenter wechseln die Seiten. An anderen Orten dagegen gingen Soldaten gegen die Polizei vor. 

08.03.1917

Petersburg * In Petrograd beginnt die eigentliche Revolution. 

In den „Putilow-Werken“ wird erneut gestreikt, die Streikenden demonstrieren für eine bessere Versorgung, vor allem mit Brot.  
Gegen 14 Uhr treten die Arbeiterinnen in der „Fabrik Ayvas“ ebenfalls in den Ausstand. Sie demonstrieren gegen die Brotknappheit und für die Rückholung ihrer Männer von der Front. Den protestierenden Frauen schließen sich im Laufe des Tages rund 130.000 Arbeiter an.

Dabei schlagen die Kundgebungen ins Politische um: „Weg mit der Monarchie! Schluss mit dem Krieg!“ steht auf den Transparenten.
Die Lage in Petrograd gerät immer mehr außer Kontrolle. Es kommt zu den ersten schweren Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und dem Militär. 

Sehr schnell gibt es in den Betrieben Wahlen zu „Arbeiterräten“. Eine Form der Selbstorganisation, die die Arbeiter schon im Jahr 1905 entwickelt hatten.
Daraus entstehen in der Folge „Arbeiter- und Soldatenräte“ im ganzen Land.

03.03.1917

München * Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Wirklichkeit - Deutsche Zeitung für Ordnung und Recht“ erscheint.

Das Druckwerk, dessen Hauptschreiber Dr. Fritz Gerlich ist, sollte das Sprachrohr der „alldeutschen Kräfte“ werden. Die Zeitschrift wird jedoch schon im September wieder eingestellt.

Petersburg * Bei den „Putilow-Werken“, einem Petrograder „Rüstungsbetrieb“, bricht ein Streik aus. Die Gründe sind in der wirtschaftlichen Zerrüttung und dem erfolglosen Kriegsverlauf zu suchen.

Die Direktion des Werkes reagiert darauf mit der „Aussperrung“ von 30.000 Beschäftigten, was umgehend zu einer „Protestdemonstration gegen die katastrophale Versorgungslage“ führt. 

02.03.1917

Deutsches Reich * Um die deutschen Soldaten nicht zu demoralisieren, werden in der Presse Aufrufe veröffentlicht, keine „Jammerbriefe“ an die Front zu senden. 

01.03.1917

München-Maxvorstadt * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten vom 1. März 1917 bis zum 1. Oktober 1919 im „Serenissimus“ in der Akademiestraße auf. 

26.02.1917

Irland * Ein deutsches U-Boot versenkt vor der irischen Küste den schnellsten britischen Passagierdampfer, die „Laconia“.

Da sich unter den zwölf Todesopfern zwei US-amerikanische Staatsbürger befinden, wird dies ein wichtiges Argument der USA zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg. 

25.02.1917

Berlin - Deutsches Reich * Deutsche Großindustrielle werfen „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg „Schwäche in der Kriegführung“ vor und fordern seinen Rücktritt. 

Irland * Ein deutsches U-Boot versenkt das britische Passagierschiff Laconia vor der irischen Küste.

Unter den zwölf Todesopfern befinden sich zwei US-amerikanische Staatsbürger. 

23.02.1917

Berlin * Die „Mehrheitsfraktion der SPD“ stimmt im „Reichstag“ der neuen Vorlage für „Kriegskredite“ zu, „solange die Eroberungsziele der Feinde bestehen“

20.02.1917

Berlin - Deutsches Reich * Die „Fünf-Pfennig-Münzen“ aus Kupfer werden für Kriegszwecke eingezogen und durch solche aus Aluminium ersetzt. 

17.02.1917

Berlin * Wegen der anhaltenden Hungersnot im „Deutschen Reich“ wird in Berlin ein „Ministerium für Lebensmittelversorgung“ gebildet. 

14.02.1917

Berlin * Der „Reichstag“ hat seit 1914 insgesamt 64 Milliarden Mark für „Kriegskredite“ bewilligt. 

13.02.1917

Paris * Die Tänzerin „Mata Hari“ wird im „Élysée Palace Hotel“ festgenommen und ins berüchtigte „Frauengefängnis Saint-Lazare“ gebracht.

09.02.1917

Berlin * Die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft - SAG ruft zur organisatorischen Sammlung der Opposition auf. 

08.02.1917

München * Weil der Bedarf an Zinn für kriegswichtige Rüstungsprodukte sehr hoch ist, erlassen die Generalkommandos eine Bekanntmachung, die „die Bestandserhebung, Beschlagnahme und Enteignung von Bierglasdeckeln und Bierkrugdeckeln aus Zinn und die freiwillige Ablieferung von anderen Zinn-Gegenständen“ beinhaltet. 

07.02.1917

München * In München werden vier neue Volksküchen eröffnet.

Damit erhöht sich ihre Zahl auf 30. 

03.02.1917

Washington * Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. 

München * Wegen Kohlenmangel müssen drei städtische Badeanstalten vorübergehend ganz, vier weitere, darunter das Brause- und Wannenbad an der Schloss-/Kirchenstraße und das Volksbad zeitweilig geschlossen werden.

Die Anordnung wird erst rund sechs Wochen später wieder aufgehoben. 

01.02.1917

Deutsches Reich * Die deutsche Kriegsmarine nimmt den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf. 

31.01.1917

Berlin * Das Deutsche Reich verkündet den „uneingeschränkten U-Boot-Krieg“.

28.01.1917

Berlin * Die deutsche Regierung lehnt Woodrow Wilsons Friedensbotschaft „Frieden ohne Sieger“ ab.

23.01.1917

Ostfront * Pater Rupert Mayers linkes Bein muss zum zweiten Mal amputiert werden.

22.01.1917

Washington * In einer Rede vor dem amerikanischen Senat fordert Präsident Woodrow Wilson einen Frieden ohne Sieger

18.01.1917

Berlin * Der SPD-Vorstand hält an seinem Konfrontationskurs fest und schließt die SAG-Abgeordneten und die führenden Köpfe der Spartakusgruppe aus der SPD aus und fordert die lokalen Parteigliederungen auf, mit deren Anhängern vor Ort ebenso zu verfahren. 

Obwohl die Führung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft - SAG es bisher vermied, die Bildung einer neuen Partei zu propagieren, treten – zur Überraschung der SAG wie der SPD-Führung - ganze Ortsvereine aus der SPD aus. 

16.01.1917

München-Lehel * Karl Valentin eine Einladung an seinen ehemaligen Mäzen Dr. Ludwig Ganghofer und lädt ihn in den Annenhof ein:

 „Eine große Ehre würden Sie mir erweisen, wenn ich Herrn Doktor samt Familie zu einer meiner täglichen Vorstellungen im Annenhof Liebigstraße 22 einladen dürfte, und würde ich nach telefonischer Benachrichtigung die schönsten Plätze reservieren“

10.01.1917

Paris - London - Moskau * Die Entente-Mächte geben ihre Kriegsziele bekannt:

  • Frankreich will die Zerschlagung des Deutschen Reichs und die Rückgabe von Elsaß-Lothringen.
  • Großbritannien fordert
    • die Einschränkung der weltpolitischen Stellung des Deutschen Reichs,
    • die Aufteilung der deutschen Kolonien,
    • die Zerstörung der Flotte und
    • die Begrenzung des Außenhandels.
    • Zudem drängt Großbritannien auf die Wiederherstellung der Eigenständigkeit Belgiens, Serbiens und Montenegros. 
  • Russland fordert - neben der Räumung der besetzten Gebiete - die Wiedereingliederung Polens. 

07.01.1917

Berlin * Der Vorstand der „Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft - SAG“ lädt zur ersten „Reichskonferenz der sozialdemokratischen Opposition“ nach Berlin ein. 138 Delegierte und 19 Reichstagsabgeordnete nehmen daran teil. 

Vor allem der Kreis um Karl Kautsky hatte der SAG-Führung zu diesem Schritt geraten und dabei die Absicht verfolgt, dem Einflussgewinn der „radikalen Linken“ um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch die Organisation einer „verantwortlichen Opposition“ zu begegnen. 

München * Der Bayerische Bauernbund - BBB trifft sich zu einer Kriegstagung.

Die Landwirte sollen ermuntert werden, „die entbehrlichen Lebensmittel abzuliefern, um der großstädtischen Bevölkerung das Durchhalten zu erleichtern“

05.01.1917

Berlin * In seiner Neujahrsbotschaft ruft Kaiser Wilhelm II. die Truppen „zu unvermindertem Kampf gegen die Entente“ auf. 

03.01.1917

Paris * Mata Hari darf mit dem Wissen der Behörden nach Paris einreisen.

Der französische Geheimdienst lässt sie nun dauerhaft observieren. 

02.01.1917

Pleß - Bad Kreuznach - Bad Münster - Bad Homburg * Das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung - OHL zieht vom Schloss Pleß in Oberschlesien in das Parkhotel Kurhaus in Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg. 

Kaiser Wilhelm II. residierte im Schloss Bad Homburg

Revolutionszeitung aus München